Schlafmittel erhöhen das Sterbe- und Krebsrisiko

Fabian Peters

Studie: Erhöhtes Krebs- und Sterberisiko durch Schlafmittel

28.02.2012

Die Gesundheitsrisiken durch die Einnahme von Schlafmitteln sind offenbar größer als bislang angenommen. US-Forscher haben in einer umfassenden Studie herausgefunden, dass mit der Einnahme von Schlafmitteln ein erhöhtes Krebs- und Sterberisiko einhergeht.

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Den Wissenschaftlern um Dr Daniel F. Kripke vom Scripps Clinic Viterbi Family Sleep Center in Kalifornien (USA ) zufolge, hat sich das Risiko zu sterben durch die Einnahme von Schlafmitteln mehr als verdreifacht. Im Rahmen ihrer Studie analysierte die US-Forscher die gesundheitlichen Folgen verschiedenster Schlafmittel, „darunter Zolpidem, Temazepam, Zaleplon, Benzodiazepine, Barbiturate und sedierende Antihistaminika“, berichtet Kripke auf dem Onlinefachportal des „British Medical Journal“ (BMJ Open).

Im Rahmen ihrer Studie hatten die US-Wissenschaftler die Daten von insgesamt mehr als 34.000 Probanden aus den Jahren 2002 bis 2007 ausgewertet. Bei 10.529 Studienteilnehmern lag eine Verordnung von Schlaftabletten vor, 23.676 nahmen keine derartigen Mittel ein und dienten als Kontrollgruppe. Das Durchschnittsalter der Probanden lag bei 54 Jahren. Die Daten der Schmerzmittelpatienten und der Kontrollgruppe wurden in Bezug auf Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index (BMI), ethnische Herkunft und Risikofaktoren wie Rauchen oder Alkoholkonsum und zahlreiche weitere Parameter angeglichen, so dass eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse gewährleistet ist, schreiben Daniel Kripke und Kollegen.

Sterberisiko vervierfacht, Krebswahrscheinlichkeit um 35 Prozent erhöht
Das Resultat der Untersuchungen der US-Forscher ist erschreckend. Selbst bei einer Einnahme von Schlafmitteln an weniger als 18 Tagen im Jahr lag das Risiko in den kommenden zweieinhalb Jahren zu sterben um das 3,5-fache höher als in der Kontrollgruppe. Mit der Häufigkeit der Schmerzmittel-Einnahme stieg auch das Sterberisiko der Probanden, so Kripke und Kollegen weiter. Bei einer Verschreibung von Schlafmitteln an 18 bis 132 Tagen im Jahr habe sich das Risiko zu sterben bereits vervierfacht und bei der Einnahme von Schlafmitteln an mehr als 132 Tagen im Jahr sogar verfünffacht. Dabei war laut Aussage der Forscher kein wesentlicher Unterschied zwischen den verschiedenen berücksichtigten Schlafmitteln zu beobachten. Selbst die modernen, angeblich besonders verträglichen Präparate wiesen ein deutlich erhöhtes Sterberisiko der Probanden auf. Doch nicht nur das allgemeine Risiko eines vorzeitigen Todes ist durch die Einnahme von Schlafmitteln gestiegen, sondern auch die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung erhöhte sich bei den Schlafmittelpatienten um bis zu 35 Prozent, berichten die US-Forscher.

Ursachen des erhöhten Sterberisikos bei Schlafmitteln
Zu den möglichen Ursachen des Zusammenhangs zwischen der Schlafmitteleinnahme und dem Krebs- beziehungsweise Sterberisiko konnten auch die US-Wissenschaftler keine konkreten Aussagen treffen. Allerdings sei davon auszugehen, dass „die direkte Letalität“ der Schlafmittel „wohl eher gering“ ist, betonte Daniel Kripke. Doch könnten die Nebenwirkungen der Schlaftabletten nach Ansicht des Experten durchaus eine Rolle spielen. Denn einige Schlafmittel lösen unter Umständen Depressionen aus und erhöhen die Suizidgefahr, erklärte Kripke. Darüber hinaus bringen die Schlafmittel gelegentlich auch tagsüber Beeinträchtigungen mit sich, die zum Beispiel ein erhöhtes Unfallrisiko im Straßenverkehr bedingen können. Als weitere Gesundheitsrisiken der Schlafmittel und mögliche Ursachen einer erhöhten Sterblichkeit nennen die US-Forscher zum Beispiel, das bei einigen Schlafmitteln zu beobachtende kurzzeitige Aussetzen der Atmung während des Schlafs. Dies führe zu Beeinträchtigungen des Herzens und wirke sich entsprechend negativ auf die Gesundheit aus. Auch beeinflussen einige Schlafmittel den Verdauungstrakt, wobei als Folge der Mageninhalt über die Speiseröhre aufsteigen und die Schleimhäute angreifen kann. Hierdurch können Infektionen begünstigt werden, die ihrerseits möglicherweise einen Einfluss auf das Sterberisiko haben, schreiben Kripke und Kollegen.

Zu geringe Wirkung von Schlafmitteln?
Allerdings könnten auch die Schlafstörungen an sich verantwortlich für das erhöhte Sterberisiko der Betroffenen sein, so die Darstellung des Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, Ingo Fietze, in einem Kommentar zu der aktuellen Studie gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“. Demnach ist möglicherweise gerade die zu geringe Wirkung der Schlaftabletten für das erhöhte Sterberisiko verantwortlich, denn „es ist lange bekannt, dass zu wenig Schlaf die Lebenserwartung senkt“, erklärte Fietze. Und lediglich „bei 20 Prozent der Patienten erreichen wir mit den Tabletten wirklich einen Wohlfühlschlaf, bei mehr als 70 Prozent bleibt der Schlaf gestört“, so der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin weiter. Unabhängig von den exakten Ursachen des von den US-Forschern festgestellten erhöhten Krebs- und Sterberisikos, sollten die Ergebnisse jedoch in jedem Fall zu denken geben. Zumal laut Aussage der US-Forscher frühere Studien bereits eindeutige Hinweise auf eine erhöhte Sterblichkeit bei Schlafmitteleinnahme geliefert haben. Hier sind nicht-medikamentöse Ansätze zur Behandlung der Schlafstörungen in jedem Fall vorzuziehen, um unnötige Gesundheitsrisiken zu vermeiden.

Schlafhygiene zur Vermeidung von Schlafstörungen
Die strikte Einhaltung der Schlafhygiene ist nach übereinstimmender Meinung der Experten das A und O zur Vermeidung von Schlafproblemen. Dies bedeutet, dass im Bett ausschließlich geschlafen wird – kein Fernsehen läuft und auch kein Buch wird mit ins Bett genommen. Morgens sollten Menschen mit Schlafproblemen möglichst immer zur selben Zeit aufstehen und abends nur ins Bett gehen,wenn sie wirklich müde sind. Auch kann eine Reduzierung der Bettzeiten insgesamt durchaus positive Effekte zeigen. Lässt sich mit Hilfe dieser einfachen Maßnahmen keine Besserung erreichen, sollten die Betroffenen einen erfahrenen Therapeuten hinzuziehen, der eine auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten abgestimmte Behandlung festlegt. Hier können auch unterschiedliche Schlafmittel zum Einsatz kommen, wobei rein pflanzliche Wirkstoffe aus naturheilkundlicher Sicht deutliche Vorteile bei der Behandlung von Schlafstörungen bieten. Sie können durchaus die gleiche Wirkung erzielen wie die synthetischen Schlafmittel und kommen dabei ohne vergleichbare Nebenwirkungen aus. (fp)