Schlafstörungen und Atemaussetzer erhöhen das Schlaganfall-Risiko

Wer unter Schlafstörungen leidet, hat einer neuen Studie zufolge ein erhöhtes Risiko für einen Hirnschlag. (Bild: Dan Race/fotolia.com)
Nina Reese
Schlaflosigkeit und Atemaussetzer stellen eine Gefahr für die Gesundheit dar
Menschen, die unter Schlafproblemen leiden, haben offenbar ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall. Dies geht aus einer neuen Studie der Universität Duisburg-Essen hervor, welche aktuell im US-Fachblatt „Neurology“ veröffentlicht wurde. Demnach verlaufe durch Schlaflosigkeit oder nächtliche Atemaussetzer auch die anschließende Erholungsphase nach einem Schlaganfall ungünstiger als bei anderen Patienten. Diese Zusammenhänge würden verdeutlichen, dass Betroffene unbedingt auf Schlafstörungen hin untersucht werden müssen, so der Studienleiter Prof. Dirk M. Hermann.

Fehlende Nachtruhe belastet Körper und Psyche
Etwa 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung leiden hierzulande laut der Charité Universitätsmedizin Berlin an einer behandlungsbedürftigen bzw. chronischen Schlafstörung. Betroffene liegen stundenlang wach, können nicht einschlafen, wälzen sich immer wieder von rechts nach links oder schrecken ständig wieder auf. Statt erholsamer Ruhe herrscht purer Stress und am nächsten Morgen fühlt man sich weder ausgeruht noch leistungsfähig.

Wer unter Schlafstörungen leidet, hat einer neuen Studie zufolge ein erhöhtes Risiko für einen Hirnschlag. (Bild: Dan Race/fotolia.com)
Wer unter Schlafstörungen leidet, hat einer neuen Studie zufolge ein erhöhtes Risiko für einen Hirnschlag. (Bild: Dan Race/fotolia.com)

Insomnie und Schlafapnoe haben unterschiedliche Auswirkungen
Schlafstörungen wirken sich nicht nur sehr belastend auf die Psyche aus, sondern können auch für den Körper gefährlich sein. Dies bestätigt eine neue Studie von Prof. Dirk M. Hermann, Inhaber des Lehrstuhls für vaskuläre Neurologie, Demenz und Altersforschung an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen am Universitätsklinikum Essen. Demnach führen Schlaflosigkeit oder Atemaussetzer offenbar zu einem erhöhten Schlaganfall-Risiko sowie zu einem ungünstigen Verlauf des Erholungsprozesses nach einem Hirnschlag, so die Pressemitteilung der Universität.

Bei den beiden Phänomenen handelt es sich um verschiedene Formen von Schlafstörungen: Im Fall schlafbezogener Atmungsstörungen, wie der obstruktiven Schlafapnoe, kommt es während des Schlafs immer wieder zu Unterbrechungen der Atmung. Schlaf-Wach-Störungen wie die Insomnie oder das so genannte „Restless-Legs-Syndrom“ wirken sich hingegen auf die Gesamtdauer des Schlafs aus, informiert die Universität.

Schlaganfallpatienten werden zu selten untersucht
Prof. Hermann hatte gemeinsam mit dem Direktor der Klinik für Neurologie des Inselspitals Bern, Claudio L. Bassetti, die aktuelle Datenlage zu den Zusammenhängen zwischen Schlafstörungen und Schlaganfall untersucht. Es bestätigte sich, dass Betroffen unbedingt auf Schlafprobleme hin untersucht werden sollten. Gleiches gelte für Menschen mit einer transitorisch-ischämischen Attacke (TIA), eine vorübergehende Durchblutungsstörung des Gehirns, welche häufig häufig als Vorbote eines „großen“ Schlaganfalls auftritt.

Bislang würden solche Untersuchungen zu selten durchgeführt – obwohl Schlaganfallpatienten häufig unter Schlafproblemen leiden, berichtet die Uni weiter. „Da sie öfter einen weiteren Schlaganfall erleiden oder sich schlechter davon erholen, müssen Patienten mit Schlafstörungen oder schlafbezogenen Atemstörungen zum Beispiel häufiger in ein Pflegeheim verlegt werden als andere Patienten nach einem Schlaganfall“, erklärt Studienautor Professor Hermann.

Atemmasken können Abhilfe schaffen
Gezielte Maßnahmen könnten jedoch den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Den Experten zufolge könnten Schlafapnoepatienten spezielle Atemmasken bekommen, durch welche Atemaussetzer vermieden werden. Bei Schlaf-Wach-Störungen könnten je nach Ausprägung z.B. niedrig dosierte Antidepressiva oder Stimulantien eingesetzt werden. Hier sei jedoch in jedem Fall ärztliche Beratung erforderlich, denn gerade bei Schlafmitteln besteht eine sehr hohe Abhängigkeitsgefahr.

Gesunde Lebensweise fördert guten Schlaf
Förderlich für einen erholsamen Schlaf ist eine gesunde Lebensweise und der Verzicht auf spätes Essen, Kaffee, Nikotin, Alkohol und intensiven Sport am Abend. Wer regelmäßige Schlafzeiten einhält und im Falle von Übergewicht sein Gewicht reduziert, kann für eine erhebliche Verbesserung des Schlafes sorgen.

Statt zu Schlaftabletten oder Beruhigungsmitteln zu greifen, können auch verschiedene Hausmittel bei Schlafstörungen helfen. Bewährt hat sich beispielsweise ein Beruhigungs-Tee aus Passionsblume oder Kamille, um Anspannungen zu lösen und innere Unruhe zu lindern. Sehr wirksam können auch Entspannungstechniken wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung sein. (nr)

Advertising