Schlafstudie: Jeder vierte Deutsche schläft nicht ausreichend

Alfred Domke

Ein Drittel der Deutschen schläft nicht gut, ein Viertel zu wenig

Schlafmangel gefährdet die Gesundheit: Wer nachts nicht ausreichend zur Ruhe kommt, hat ein erhöhtes Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Adipositas oder Diabetes zu erkranken. Wie eine aktuelle Studie nun zeigt, schläft jeder vierte Deutsche zu wenig. Und etwa ein Drittel der Bundesbürger schlafen nicht so gut.

Gesundheitsgefahr durch Schlafmangel

Wer zu wenig schläft, gefährdet seine Gesundheit. So hat sich in wissenschaftlichen Untersuchungen gezeigt, dass Schlafmangel in vielen Fällen Ursache für Diabetes und Herzinfarkte ist. Auch das Schlaganfall-Risiko wird dadurch erhöht. Zudem kann chronischer Schlafmangel laut Forschern zu einem größeren Taillenumfang und einem erhöhten Body-Mass-Index (BMI) und psychischen Problemen führen. Rund jeder vierte Deutsche schläft jedoch nicht genug. Das geht aus der Schlafstudie 2017 der Techniker Krankenkasse (TK) hervor.

Einer aktuellen Studie zufolge schläft etwa ein Drittel der Deutschen nicht so gut. Ein Viertel der Bundesbürger bekommt nicht genug Schlaf. Schlafmangel gefährdet die Gesundheit. (Bild: natara/fotolia.com)

Jeder Dritte schläft nicht so gut

„Insgesamt sind wir ein ausgeschlafenes Volk: Zwei von drei Erwachsenen haben in der vorliegenden Studie angegeben, dass sie gut oder sehr gut schlafen. Sorgen macht uns dagegen, dass es bei jedem Dritten offenbar nicht so ist“, schreibt Dr. Jens Baas Vorstandsvorsitzender der TK im Vorwort zur Studie „Schlaf gut, Deutschland“.

Jeder Dritte schläft danach nur mittelmäßig, schlecht oder sehr schlecht.

Zudem zeigt die Untersuchung, dass ein Viertel der Erwachsenen (24 Prozent) hierzulande nicht auf die von Gesundheitsexperten empfohlenen sechs Stunden Schlaf kommt.

Der Mensch muss sich erholen

Wie die Krankenkasse in einer Mitteilung berichtet, ist der Anteil der Schlecht-Schläfer unter den Berufstätigen mit unregelmäßigen Arbeitszeiten oder Schichtdienst überdurchschnittlich hoch.

Von diesen sogenannten Flex-Beschäftigten klagen sogar 40 Prozent der Umfrageteilnehmer über schlechte Schlafqualität, die Hälfte schläft höchstens fünf Stunden.

„Wer nicht genug schläft, wird krank. Das Risiko für Herz-Kreislauf- und Magenbeschwerden, für Depressionen und Übergewicht ist höher, wenn der regelmäßige und tiefe Schlaf zu kurz kommt. Das Risiko für Unfälle und Fehler im Job steigt“, sagte Baas.

Der Mensch muss sich erholen, um kreativ und leistungsfähig zu sein. „Im Schlaf sortiert das Gehirn seinen Zwischenspeicher. Dafür muss das System herunterfahren, das ist im laufenden mentalen Betrieb nicht möglich“, so der TK-Chef.

„Gerade in einer Wissensgesellschaft wie der unseren ist erholsamer Schlaf nicht nur physiologisch, sondern auch gesellschaftlich wichtig. Deshalb sollten wir unser Schlafverhalten optimieren, nicht rationalisieren.“

Laut der Studie liegt der Anteil der Flex-Beschäftigten in Deutschland mittlerweile bei 30 Prozent. Und der Bedarf steigt mit dem Anspruch der Verbraucher, rund um die Uhr alles erledigen zu können.

Innere Uhr lässt sich nicht verstellen

Die innere Uhr des Menschen tickt im Tag-Nacht-Rhythmus, ist also am Tag auf Aktivität und in der Nacht auf Ruhe programmiert. Sie lässt sich bei allem gesellschaftlichen Hang zur Selbstoptimierung nicht verstellen.

So geben 42 Prozent der Schichtarbeiter in der TK-Schlafstudie an, dass sie Umstellungs- und Schlafprobleme haben, wenn sich ihr Schichtplan ändert. Untersuchungen zeigen, dass Beschäftigte bei gleicher Tätigkeit zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich beansprucht werden.

Und: „Viele Beschäftigte treibt nachts das Gedankenkarussell um. Knapp 40 Prozent sehen Jobstress als Hauptursache, dass sie nicht in den Schlaf finden. Weitere Gründe sind vor allem private Probleme mit 28 Prozent und gesundheitliche Beschwerden mit 22 Prozent“, erläuterte Peter Wendt , Marktforscher bei der TK.

Gut durch die Nacht kommen

Betroffene können selbst viel dazu beitragen, dass sie gut durch die Nacht kommen. Gewohnheiten und Umstände, die den gesunden Schlaf fördern, bezeichnen Experten als Schlafhygiene.

„Vieles können wir nicht oder nur schwer beeinflussen wie zum Beispiel Straßenlärm oder das Schnarchen des Partners. Die Studie zeigt aber auch, dass man schon mit kleinen Lebensstilveränderungen viel erreicht“, sagte Dr. Utz Niklas Walter, Schlafexperte des Instituts für Betriebliche Gesundheitsberatung.

So beklagen 41 Prozent die Zimmertemperatur, 23 Prozent konsumieren vor dem Schlafen schwere Mahlzeiten und 15 Prozent koffeinhaltige Getränke.

Bei sieben Prozent der Erwachsenen liegt das Smartphone auf dem Nachttisch oder unter dem Kopfkissen. Besonders hoch ist der Anteil bei den Unter-30-Jährigen: Hier stört das Handy bei jedem Fünften den Schlaf.

Tipps für einen besseren Schlaf

Gesundheitsexperten raten in der Regel davon ab, bei Schlafproblemen vorschnell zu Medikamenten zu greifen. Besser versucht man es zunächst mit einigen Tipps zum richtigen Durchschlafen.

Förderlich für einen erholsamen Schlaf ist eine gesunde Lebensweise und der Verzicht auf spätes Essen, Kaffee, Nikotin, Alkohol und intensiven Sport am Abend.

Hilfreich ist zudem, regelmäßige Schlafzeiten einzuhalten und im Falle von Übergewicht sein Gewicht zu reduzieren. Sinnvoll sind auch verschiedene Hausmittel bei Schlafstörungen.

Bewährt hat sich hier beispielsweise ein Beruhigungs-Tee aus Passionsblume oder Kamille, um Anspannungen zu lösen. Entspannungstechniken wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung können ebenfalls wirksam sein. (ad)