Schlaganfall bei Dicken seltener tödlich

Fabian Peters

Übergewichtige mit besseren Überlebenschancen nach einem Schlaganfall

04.01.2013

Bei Übergewichtigen und Fettleibigen verläuft ein Schlaganfall seltener tödlich als bei Normalgewichtigen, so das Ergebnis einer Studie des Forscherteams um Professor Wolfram Döhner vom Centrum für Schlaganfallforschung an der Berliner Charité. Die Mediziner hatten die Zusammenhänge zwischen dem Body-Mass-Index (BMI) und den gesundheitlichen Folgen eines Schlaganfalls anhand der Daten von 1.521 Patienten aus „einer multizentrischen Schlaganfallstudie aus den Jahren 2003 bis 2005“ untersucht, berichtet die Charité in einer aktuellen Pressemitteilung.

Das Ergebnis der Forscher überrascht. Zwar erleiden übergewichtige und fettleibige Menschen häufiger einen Schlaganfall als Normalgewichtige, die langfristigen Folgen sind bei ihnen jedoch oft weniger dramatisch. „Patientinnen und Patienten mit Übergewicht oder Fettleibigkeit sterben nach einem Schlaganfall seltener und tragen weniger Behinderungen davon als Idealgewichtige“, so die Mitteilung der Berliner Charité. Auch stellten die Forscher fest, dass dicke Menschen zwar häufiger einen ersten Schlaganfall erleiden, das Risiko eines zweiten Schlaganfalls für übergewichtige Patienten, die bereits einen Schlaganfall hatten, jedoch keineswegs höher liegt als bei Normalgewichtigen. Die Studienergebnisse haben Professor Döhner und Kollegen im Fachmagazin „European Heart Journal“ veröffentlicht.

Schlaganfälle bei Übergewichtigen und Fettleibigen häufiger, aber weniger schwer
Die Analyse der Daten der Schlaganfall-Patienten hat ergeben, dass „Menschen mit Untergewicht am schwersten von einem Schlaganfall betroffen“ sind, berichtet die Berliner Charité. Bei den Übergewichtigen lag das Risiko, an einem Schlaganfall zu sterben, indes um 14 Prozent niedriger, als bei Menschen mit vermeintlichem Idealgewicht (BMI 18,5 bis 25). Fettleibige (BMI über 30) Patientinnen hatten sogar ein um 24 bis 45 Prozent geringeres Sterblichkeitsrisiko nach einem Schlaganfall. Die scheinbar widersprüchlichen Zusammenhänge werden von den Medizinern als „Obesity Paradox“ bezeichnet. Dies sei „in der Vergangenheit bereits bei anderen chronischen Erkrankungen, wie zum Beispiel bei Herzinsuffizienz, beobachtet“ worden, so die Mitteilung der Charité. Die aktuelle Studie belege nun „zum ersten Mal, dass der Obesity Paradox bei Schlaganfall ebenfalls zutrifft.“ Dies komme darin zum Ausdruck, dass übergewichtige Menschen seltener an einem Schlaganfall versterben, weniger Behinderungen davontragen und seltener pflegebedürftig werden als Normalgewichtige.

Behandlungsleitlinien für Schlaganfall-Patienten müssen angepasst werden
Ein möglicher Grund für die besseren Überlebenschancen der Übergewichtigen nach einem Schlaganfall ist laut Aussage der Forscher, dass die Fettpolster dem Stoffwechsel in Stresssituationen als Reserven zur Verfügung stehen. Grundsätzlich sei „die Erkenntnis für Patienten mit Schlaganfall neu“, denn „die Behandlungsleitlinien für Schlaganfälle in Deutschland, in Europa und in den USA empfehlen bisher alle eine Gewichtsreduzierung nach einem ersten Schlaganfall, sofern Übergewicht oder Fettleibigkeit besteht“, berichtet die Berliner Charité. So stünden die aktuellen Studienergebnisse im Gegensatz zu „der landläufigen Empfehlung für Patientinnen und Patienten, nach einem ersten Schlaganfall abzunehmen.“ Hier müsse das Gewichtsmanagement bei Patienten mit bereits bestehenden Erkrankungen grundsätzlich neu ausgerichtet werden, betonte Prof. Döhner. Allerdings widerstrebe diese Erkenntnis „unserem eingehämmerten Mantra des Schlankseins als universellem Gesundheitsgaranten.“ In Bezug auf die Primärprävention eines Schlaganfalls gilt weiterhin,dass bei Übergewicht durch eine Gewichtsreduktion das Risiko eines ersten Schlaganfalls deutlich reduziert werden kann. (fp)