Schlechte Noten bei Öko-Test: Vegane Fleischersatzprodukte sind oft ungenügend

Vegetarische Schnitzel werden immer beliebter. Doch Vorsicht: Denn laut „Öko-Test“ enthalten Fleischersatzprodukte oft ungesundes Palmfett, Mineralöl-Rückstände und zu viel Salz.
Nina Reese
Nur wenige Veggie-Produkte erhalten gute Bewertungen
Ob Tofuwürstchen, Lupinen-Schnitzel oder Gemüse-Burger: Vegetarische und vegane Lebensmittel erleben seit einigen Jahren einen wahren Boom. Während der beliebte Fleischersatz früher nur im Bioladen oder Reformhaus erhältlich war, gehören die Produkte heute in fast jedem Supermarkt zum festen Sortiment. Die pflanzlichen Alternativen wirken auf den ersten Blick weitaus gesünder als „echtes“ Fleisch – doch offenbar trügt hier der Schein. Denn wie eine aktuelle Untersuchung des Magazins „Öko-Test“ zeigt, enthalten viele Produkte unter anderem schädliches Mineralöl und sind daher alles andere als empfehlenswert.

Mehr als 20 Produkte im Test
Immer mehr Menschen verzichten aus gesundheitlichen, ökologischen, moralischen oder ethischen Gründen auf Fleisch und ernähren sich vegetarisch oder sogar vegan. Dementsprechend steigt seit Jahren die Nachfrage nach Alternativen wie vegetarischen Würstchen und Schnitzeln, die optisch und geschmacklich an Produkte aus „echtem“ Fleisch erinnern.

Öko-Test prüfte nun die so genannten „Fleischersatzprodukte“ und kam zu einem niederschmetternden Ergebnis. Nur eines der 22 getesteten vegetarischen Produkte bekam die Note „gut“, nämlich das Bio Soja-Schnitzel von Aldi Nord. Fast die Hälfte bewertete das Magazin mit „mangelhaft“, acht sogar mit „ungenügend“, zum Beispiel die „Veggie-Bratwurst“ von Life Food Taifun und die „Valess Filet, fleischfreie Filets“ von Friesland Campina. „Befriedigend“ waren „Purvegan Alberts Lupinenschnitzel“, „Alnatura Veggie Aufschnitt Paprika“ und „Tofutown Veggie Life Power Hacksteak“.

Vegetarische Schnitzel werden immer beliebter. Doch Vorsicht: Denn laut „Öko-Test“ enthalten Fleischersatzprodukte oft ungesundes Palmfett, Mineralöl-Rückstände und zu viel Salz.
Vegetarische Schnitzel werden immer beliebter. Doch Vorsicht: Denn laut „Öko-Test“ enthalten Fleischersatzprodukte oft ungesundes Palmfett, Mineralöl-Rückstände und zu viel Salz.

Mineralöl-Rückstände
Fast alle Produkte enthielten Mineralölkohlenwasserstoffe, die mutmaßlich über die Kunststoffverpackungen in die Lebensmittel gelangten. Sie gelten als gesundheitsschädlich und führen vermutlich zu Organschäden – wenn sie sich im Körper anreichern. Die Konzentration von Mineralöl war teilweise so hoch, dass sie das Ergebnis um vier Noten verschlechterte. Ohne Mineralöl waren unter anderem „Rügenwalder Vegetarischer Schinken Spicker, Bunter Pfeffer“, der insgesamt mit „befriedigend“ abschloss und Lidls „My Best Veggie Vegetarische Mini-Frikadellen Klassik“. Die Bulletten ohne Fleisch schafften jedoch auch ohne Mineralöl nur ein „ausreichend“.

Geschmacksverstärker Glutamat kann Kopfweh verursachen
Glutamat als Zusatz führte zu weiteren Abzügen – der Geschmacksverstärker verursacht bei manchen Menschen Kopfschmerzen. Die Angaben auf den Produkten waren dabei bisweilen falsch. So enthielt „Like Meat Döner-Chunks“ den Hinweis „Ohne Geschmacksverstärker“, enthielt aber Würze mit Glutamat. Ein weiterer Kritikpunkt war der teilweise viel zu hohe Salzanteil.

Mineralien und Vitamine zugesetzt
Die Anbieter bewerben manche der Produkte mit einem hohen Gehalt an Mineralien wie Eisen, Zink oder Calcium, sowie Vitaminen wie B12. Dabei handelt es sich jedoch meist um zugefügte Stoffe wie dem Calciumalginat E404, das als Geliermittel dient.

Herkunft oft unklar
Die großen Discounter Aldi Nord, Penny, Edeka und Lidl kauften die Ware mehr in China, USA und Kanada ein, als kleinere Hersteller. Allerdings schwiegen Anbieter wie Heirler und Reformhaus über die Ursprungsländer ihrer Produkte. „Alberts Lupinenschnitzel“ schnitt besonders gut ab, da es Lupinen als regionale Alternative zu Soja verwendet.

Gesunde Alternative?
Fleischlose Ernährung ist modern als ethische und gesunde Alternative zu Fleischprodukten. Tofu, Seitan, Quom, Weizengluten und Co: Was alles in Fleischersatz enthalten ist, weiß derweil kaum jemand. Die Seitan-Schnitzel, Tofu-Bratwürste oder Soja-Döner bestehen nicht aus Äpfeln, Nüssen und frischem Gemüse: Um eine Konsistenz zu bekommen, die an Burger, Steaks oder Filet erinnert und auch, um den vertrauten Geschmack zu zitieren, braucht es Zucker, Salz und Palmfett. Zu viel dieser Stoffe steigert das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle.

Hoher Fettgehalt
Manche der Produkte enthielten ebenso viel Fett wie die imitierten Fleisch- und Wurstwaren. Negativ fielen dabei Aldi Süd, Topas und Edeka auf, die laut Ökotest Palm oder Kokosfett einsetzten, das wegen seinen ungesättigten Fettsäuren kaum zu einer gesunden Ernährung beiträgt – besser ungesundes Palmöl gänzlich ersetzen.

Do it yourself
Wer Wert auf vegetarische Burger, Schnitzel oder Aufstriche legt, die außerdem gesund sind, stellt sie am besten selbst her: Kichererbsen, Bohnen, Tofu, Vollkorngetreide, Olivenöl oder Nüsse bieten eine gute Basis.(Dr.Utz Anhalt, nr)

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