Schlechtes Mineralwasser: Verband gegen Stiftung

Heilpraxisnet

Verband wehrt sich gegen Stiftung Warentest

27.07.2014

Nur sechs von 30 Mineralwasser-Sorten konnten in dem Test der Stiftung Warentest bestehen. Im Handel herrschen laut der Experten erhebliche Qualitätsunterschiede. Doch die Hersteller wehren sich. Sie werfen der Stiftung „falsche Standards“ vor. Gleichzeitig fordern sie EU-weite Standards.

Mineralwasser gilt gemeinhin als das gesündeste Getränk überhaupt und wird gerade bei den derzeit hochsommerlichen Temperaturen zur Erfrischung oft literweise getrunken. Doch offenbar herrschen unter den im Handel erhältlichen Sorten erhebliche Qualitätsunterschiede. Laut Stiftung Warentest können daher von aktuell 30 getesteten Produkten lediglich sechs Medium-Wassersorten uneingeschränkt empfohlen werden.

Abbauprodukte von Pestiziden und Korrosionsschutzmittel nachgewiesen
Die Experten hatten in einem neuen Test 30 Medium-Mineralwässer untersucht, unter anderem „Apollinaris“, „Justus Brunnen“ und die Wässer der Eigenmarken von ALDI Süd, Edeka und Rewe. Das ernüchternde Ergebnis: Bei jedem Dritten konnten die Prüfer Verunreinigungen aus oberirdischen Schichten nachweisen, wobei hauptsächlich der künstliche Süßstoff Acesulfam-K, aber auch Abbauprodukte von Pestiziden und einem Korrosionsschutzmittel gefunden wurden. Diese Stoffe seien der Stiftung nach zwar nicht gesundheitlich riskant, dennoch würden die Befunde die „ursprüngliche Reinheit“ von Mineralwasser gefährden – welche nach der sogenannten „Mineral- und Tafelwasserverordnung“ eine Grundvoraussetzung für die Bezeichnung als „natürliches Mineralwasser“ ist.

Verband wirft Stiftung falsches Messen vor
Arno Dopychai vom Verband Deutscher Mineralbrunnen kritisierte gegenüber dem Deutschlandfunk, die Stiftung Warentest würde angeblich mit falschen Standards arbeiten. So müsse ein „natürliches Mineralwasser laut Gesetzeslage aus unterirdischen und geschützten Wasservorkommen stammen. Dieses Wasser sei „ursprünglich rein“. „Ein Nullstandard, wie die Stiftung es da tut, kann man allerdings nicht anlegen, so wie die Welt heutzutage nun mal ist, und vor allem bei den modernen Untersuchungsmethoden, die bis zu Nanogramm pro Liter, also milliardstel Gramm pro Liter messen“, so Dopychai.

Zudem gebe es keine einheitlichen gesetzlichen Regelungen, sondern lediglich Orientierungswerte. Solche EU-Grenzwerte sollten aber laut des Verbandssprecher eingeführt werden. Man würde sich seit Jahren seitens der Branche für solche Grenzwerte einsetzen. Denn die „ursprüngliche Reinheit“ müsse „handhabbar geregelt“ werden.

Nur wenig Mineralstoffe in den meisten Testprodukten
Neben den Verunreinigungen fanden die Experten bei ihrer Prüfung einen weiteren Mangel: Anders als vielfach beworben, war in 18 der 30 Test-Wässern nur ein geringer Gehalt an Mineralstoffen gefunden worden (weniger als 500 Milligramm pro Liter). Dies habe vor allem die Eigenmarken des Handels betroffen, wie beispielsweise das „Rewe /Ja“-Wasser aus der Gebirgsquelle in Rhens, welches zudem den höchsten Nickelgehalt im Test aufwies und daher mit einem „mangelhaft“ bewertet wurde. Lediglich sechs Marken schafften es laut der Stiftung, sowohl geschmacklich als auch in Hinblick auf die Anforderungen der Mineral- und Tafelwasserverordnung, zu überzeugen, unter anderem „Frische Brise“ und „Vio“ sowie die Eigenmarken von Kaufland („K-Classic“) und Lidl („Saskia“). (sb)

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