Schmallenberg-Virus: Immer mehr Lämmer betroffen

Fabian Peters

Neuartige Tierseuche: Schmallenberg-Virus breitet sich aus

20.01.2012

In vielen Schafherden wütete eine neue Tierseuche, die zur Folge hat, dass die Lämmer der infizierten Tiere mit schweren Missbildungen und nicht lebensfähig zur Welt kommen. Das nach seinem Fundort im Sauerland benannte Schmallenberg-Virus kann auch Ziegen und Kühe gefährlich werden, eine Infektionsgefahr für Menschen besteht den aktuellen Erkenntnissen zufolge jedoch nicht.

Mehr zum Thema:

Immer mehr Betriebe haben in den letzten Wochen Totgeburten und schwere Missbildungen bei neugeborenen Lämmern gemeldet. Mehr als 20 deutsche Schafzuchtbetriebe sind bereits von der Infektionskrankheit betroffen. Vor allem in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen ist derzeit eine massive Ausbreitung des Schmallenberg-Virus zu beobachten, aber auch aus Hessen wurden bereits erste Verdachtsfälle gemeldet. Der Schafzuchtverband aus Nordrhein-Westfalen erklärte, dass die neue Tierseuche sich rasant verbreitet.

Erhöhte Anzahl von Infektionen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen
Zwar sind die bisher betroffenen Betriebe noch relativ überschaubar, doch die Ausbreitung der Erreger bereitet den Experten erhebliche Sorgen. So sei das Virus bereits in Schafbestände im nordrhein-westfälischen Hopsten, Emmerich am Rhein, Borken, Rees, Wesel, Kempen, Essen, Dinslaken, Hünxe, Hamminkeln, Balve, Schmallenberg und Hamm aufgetreten. In Niedersachsen waren Schafherden in Bassum, Großenkneten, Großefehn, Jade, Wardenburg und Wingst betroffen. Laut Aussage der Experten vom NRW-Schafzuchtverband ist das Virus auch in den Nachbarländern Belgien und den Niederlanden bei einigen Tieren aufgetreten. So seien in den Niederlanden bereits 52 Infektionen mit dem Schmallenberg-Virus gemeldet worden und in Belgien 14. Frankreich und Großbritannien haben angesichts der Ausbreitung des Virus ihre Überwachung deutlich intensiviert.

Ausbreitung der neuartigen Tierseuche kontrollieren
Um die Ausbreitung des Virus zu erfassen, hat die Bundesregierung eine Meldepflicht für Infektionen mit dem Schmallenberg-Virus erlassen. Außerdem sollen vom Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit bundesweit jeweils 60 Blutproben von Rindern und Schafen in sämtlichen Bundesländern genommen und analysiert werden. Seit das Schmallenberg-Virus im Jahr 2011 erstmals nachgewiesen wurde, hat sich der Erreger relativ schnell in Norddeutschland und den nordwestlichen Nachbarländern verbreitet. Übertragen werden die Erreger durch Stechmücken, wobei die Erkrankung für erwachsene Tiere relativ wenig Risiken mit sich bringt, bei einer Infektion von trächtigen Muttertiere jedoch schwere gesundheitliche Folgen für die ungeborenen Lämmer drohen. Sie kommen missgebildet und oftmals nicht lebensfähig zur Welt. Zwar gehen die aktuellen Erkenntnisse davon aus, dass für die Menschen keine Infektionsgefahr besteht, doch eine abschließende Einschätzung der Gesundheitsrisiken liegt bisher nicht vor. (fp)

Bild: Makrodepecher / pixelio.de