Schmerzhafte Frauenleiden: Jedes Jahr 40.000 neue Endometriose-Patientinnen

Alfred Domke
Endometriose: Das unterschätzte Frauenleiden
Endometriose gilt unter Fachleuten als eines der häufigsten aber auch der am schwierigsten zu diagnostizierenden Frauenleiden. Laut Schätzungen leiden etwa eine Million Frauen in Deutschland an dieser chronischen Erkrankung, bei der die Gebärmutterschleimhaut krankhaft wuchert. Jedes Jahr kommen rund 40.000 neue Fälle hinzu.

Häufige Ursache für Unfruchtbarkeit
Unter Gesundheitsexperten gilt Endmetriose als eines der häufigsten aber auch der am schwierigsten zu diagnostizierenden Frauenleiden. Bei der schmerzhaften chronischen Erkrankung wuchert die Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutterhöhle. Endometriose bleibt oft über Jahre hinweg unerkannt. Schätzungen zufolge leiden hierzulande etwa eine Million Frauen daran. In jedem Jahr gibt es in Deutschland 40.000 neue Fälle. Die Erkrankung zählt zu den häufigsten Ursachen für Unfruchtbarkeit. Das Universitätsklinikum Münster (UKM) berichtet in einer aktuellen Mitteilung über den Fall einer betroffenen Frau.

Endometriose gilt als eines der häufigsten aber auch der am schwierigsten zu diagnostizierenden Frauenleiden. Die gutartigen Wucherungen von Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter gehen unter anderem mit starken Regelschmerzen einher. (Bild: pathdoc/fotolia.com)

Bis zur Diagnose dauert es durchschnittlich acht bis zwölf Jahre
Christel Fröse freut sich auf das Älterwerden. Seit sie zwölf war, ist ihr Leben von ihrer Krankheit geprägt. Sie leidet unter Endometriose, also unter gutartigen Wucherungen von Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter.

Die heute 47-Jährige wurde als Teenager wegen ihrer unerklärlich starken Unterleibsbeschwerden regelmäßig ohnmächtig. „Ich habe viele Tränen gelassen, bis ich irgendwann die Diagnose bekam und damit wusste, woher meine Schmerzen kommen“, so Fröse.

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Laut UKM dauert es im Schnitt acht bis zwölf Jahre, bis Ärzte die oft diffusen Beschwerdebilder ihrer Patientinnen richtig zu deuten wissen. Denn die Wucherungen des Gebärmuttergewebes führen zu Verklebungen und Verwachsungen an vielen Organen und sogar Nerven.

Hauptsächlich sind der Bauch- und Beckenraum betroffen – grundsätzlich kann das Endometrium aber überall im Körper wachsen.

Starke Regelschmerzen
Zu den typischen Symptomen der Krankheit zählen unter anderem starke Regelschmerzen, chronische Unterbauchschmerzen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.

Wenn die Endometriose in der Blase oder im Darm auftritt, sind zudem in selteneren Fällen Blut im Urin, Blut im Stuhl oder Beschwerden beim Wasserlassen möglich.

In vielen Fällen bilden sich auch schmerzhafte Zysten. Bei einigen Frauen treten zudem unspezifische Beschwerden wie Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Schwindel und Magenprobleme auf.

Typischer Verlauf der unterschätzten Krankheit
Bei Christel Fröse führten die Endometriose-Herde zu unerträglichen Unterleibsschmerzen – für die sie lange belächelt wurde. Sie wurde sogar in die „psychosomatische Ecke“ gestellt, sagt sie.

„Das ist ein ganz typischer Verlauf dieser unterschätzten Krankheit“, erläutert Dr. Sebastian Schäfer als behandelnder Gynäkologe der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe unter Leitung von Prof. Ludwig Kiesel.

„Die Frauen schleppen jahrelang ihre Schmerzen als vermeintliches Frauenleiden mit sich. Unbehandelt können diese aber chronifizieren. In solchen Fällen verändert sich im Gehirn sogar die Verschaltung der Nerven. So brennt sich der Schmerz ins Gedächtnis ein und dass, obwohl die Ursache – die Endometriose – häufig schon operativ entfernt wurde“, mahnt Kiesel.

Positive Erfahrungen mit alternativen Heilmethoden
„Endometriose metastasiert wie Krebs“, weiß Prof. Ludwig Kiesel. Zwar ist er gutartig und oft auch hormonell zu behandeln, trotzdem bleibt in vielen Fällen letztlich nur die Operation, insbesondere wenn die Endometriose einen Kinderwunsch verhindert.

Die Hälfte aller betroffenen Frauen haben laut UKM Schwierigkeiten, Nachwuchs zu bekommen.

Neben den schulmedizinischen Behandlungsmethoden sind, insbesondere nach einer Operation, auch alternative Heilmethoden denkbar.

Im Vordergrund stehen dabei die Ziele, „die Symptome zu reduzieren, die Schmerzen zu verringern und das Wohlbefinden der Frau physisch und psychisch wieder herzustellen oder zu stärken“, schreibt die Endometriose-Vereinigung Deutschland auf ihrer Webseite.

Der Vereinigung zufolge gibt es bereits positive Erfahrungen mit Akupunktur, Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM), Homöopathie und der Pflanzenheilkunde (Phytotherapie).

Die Erkrankung kann zudem durch eine sinnvolle Umstellung der Ernährung, die Reduktion von Stress und durch moderate Bewegung positiv beeinflusst werden.

Chronische Schmerzen positiv umnutzen
Bei Christel Fröse sind trotz erfolgreicher Operationen die Schmerzen in den vielen Jahre, in denen die Krankheit unbehandelt war, chronisch geworden.

Sie kann ihren derzeitigen Beruf nur noch schwer ausüben und überlegt, künftig als Entspannungstrainerin zu arbeiten, gerade auch mit Endometriose-Patientinnen.

Im Moment macht sie ein Praktikum in der Klinik von Prof. Kiesel, um möglichst viel über den Umgang mit der Krankheit zu erfahren.

„Frau Fröse hat zum Glück die Fähigkeit, die chronischen Schmerzen positiv für sich umzunutzen“, so Schäfer. Er hat seine Patientin gerade wegen ihrer lebensfrohen Einstellung gebeten, demnächst vor anderen Ärzten von ihren Krankheitserfahrungen zu berichten. (ad)