Schmerzmedizin soll für Ärzte Pflichtfach werden

Astrid Goldmayer

Schmerzmedizin soll für angehende Ärzte zum Pflichtfach werden

15.03.2012

„Wir sind in der Versorgung gescheitert", heißt es von Schmerzmedizinern. In Deutschland leiden bis zu 18 Millionen Menschen unter chronischen Schmerzen wie Rückenschmerzen, die häufig nicht oder nur unzureichend therapiert werden. Grund dafür ist die Überforderung vieler Ärzte auf diesem Gebiet. Experten fordern nun eine Überarbeitung der Approbationsordnung.

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Zu wenig Schmerzmediziner in Deutschland
Für die 13 bis 18 Millionen Schmerzpatienten gibt es nur 2000 bis 3500 Ärzte in Deutschland, die eine Schmerzsprechstunde anbieten. Hinzu kommen rund 150 regionale Schmerzzentren. Schmerzmediziner schlagen nun Alarm. „Wir sind gescheitert, die Versorgung von Schmerzpatienten nachhaltig und flächendeckend sicherzustellen", erklärte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie, Dr. Gerhard Müller-Schwefe, beim Deutschen Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt.

Patienten, die unter chronischen Schmerzen leiden, haben häufig eine regelrechte Odyssee hinter sich, bevor sie in ein Schmerzzentrum kommen. Durchschnittlich elf Ärzte haben Betroffene zuvor konsultiert. Der Krankheitsbeginn liegt in der Regel bereits viele Jahre zurück. Müller-Schwefe erklärt: „Patienten treffen auf verständnislose Ärzte, weil diese nicht auf die Versorgung vorbereitet wurden.“

Schmerzmedizin soll eigenes Fachgebiet werden
Der Schmerzmediziner setzt sich für eine verpflichtende Aufnahme der Schmerzmedizin in die Approbationsordnung ein. Ein entsprechender Entwurf des Bundesgesundheitsministeriums liegt bereits vor. Darüber hinaus müsse die Schmerzmedizin zum eigenen Fachgebiet erklärt werden, fordert der Experte. Auch die Krankenkassen seien gefordert. Schmerzmedizin müsse in ihren Leistungskatalogen entsprechend abgebildet werden. Immerhin seien chronische Schmerzen in den Morbi-RSA aufgenommen worden. Dies sei ein Erfolg. „Das Geld kommt bei Ärzten aber noch nicht an“, berichtet Müller-Schwefe weiter. Nun sei es wichtig, dass Ärzte die Diagnosen von Schmerzpatienten genau verschlüsseln. Dann könne auch über eine entsprechende Vergütung verhandelt werden.

Enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachbereiche notwendig
Wie Rolf-Detlef Treede, Neurophysiologe der Medizinischen Fakultät Mannheim an der Universität Heidelberg erklärt, sei eine enge Zusammenarbeit von Ärzte, Psychologen und Physiotherapeuten bei der Schmerztherapie unbedingt notwendig. Denn körperliche und psychisch bedingte Schmerzen könnten nicht losgelöst voneinander betrachtet werden. So hätten zum Beispiel Rückenschmerzen häufig keine eindimensionale, am Röntgenbild ablesbare Ursache, sagte Justus Benrath, Leiter des Mannheimer Schmerzzentrums, gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. Vor der Konsultation eines Psychologen schrecken viele Betroffene jedoch zurück, aus Angst davor, „in die Psychoecke abgeschoben zu werden“, erläuterte Treede.

Auch die Naturheilkunde bietet verschiedene Methoden zur Linderung chronischer Schmerzen. Dazu gehören unter anderem Akupunktur, Biofeedback, homöopathische Verfahren, Magnetfeldtherapien, Neuraltherapien oder auch Entgiftungen und Entsäuerungstherapien. Zudem werden auch spezielle Entspannungsmethoden bei der naturheilkundlichen Behandlung chronischer Schmerzen eingesetzt. (ag)