Schmerzmittel verursachen steigende Kosten

Sebastian

Schmerzmittel verursachen steigende Kosten im Gesundheitssystem. Die meisten Patienten leiden unter Rücken- und Kopfschmerzen.

07.01.2011

Die ärztliche Verordnung von Schmerzmitteln bei chronischen Schmerzen ist kontinuierlich angestiegen. Durch den Anstieg des Arzneimittelkonsums steigen auch die Kosten im Gesundheitssystem deutlich an. Das hat eine Auswertung der Krankenkasse KKH-Allianz ergeben. Dabei könnten Schmerzmittel in vielen Fällen überflüssig werden, wenn Betroffene gezielte Therapien unternehmen würden.

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Laut Auswertung der Arzneimitteldatenbank der Krankenkasse KKH-Allianz ist der Konsum von Schmerzmitteln im Vergleich zu den Vorjahren deutlich angestiegen. Im Vergleich zum Jahr 2007 wurden insgesamt 14 Prozent mehr Schmerzmittel-Packungen durch einen Arzt verschrieben. Dadurch seien die Kosten für Arzneischmerzmittel im Vergleichszeitraum um 31 Prozent gestiegen, wie die Kasse mitteilte. Patienten mit einem chronischen Schmerzleiden gehen im Jahresdurchschnitt rund 44-mal zum Arzt. „Das ist eine besorgniserregende Entwicklung“, sagte der KKH-Allianz Vorstandsvorsitzende Ingo Kailuweit. „Schmerzpatienten haben einen immensen Leidensdruck, verursachen aber auch hohe Kosten für die Krankenkassen. Deshalb gilt es, neue Behandlungswege für Schmerzpatienten zu finden, damit die Betroffenen in erster Linie wieder mehr Lebensqualität erfahren.“

Rückenschmerzen sind Hauptbeschwerden
Chronische Schmerzen liegen dann vor, wenn die Schmerzen über einen längeren Zeitraum von einigen Monaten bis Jahren anhalten und keine Verbesserung eintritt. Laut der KKH-Allianz leiden rund sechs bis acht Millionen Menschen in Deutschland unter chronischen Schmerzen. Bei den Geschlechtern zeigen sich allerdings deutliche Unterschiede. Frauen leiden doppelt so häufig unter Schmerzen, wie Männer. Das mag allerdings auch damit zusammenhängen, dass Männer nach wie vor in der Regel seltener einen Arzt aufsuchen als Frauen. Am häufigsten klagen Patienten mit manifestierten Schmerzen unter Rückenschmerzen. 30 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen beklagen ein lang anhaltendes Rückenleiden. Die zweithäufigsten chronischen Schmerzen sind die Kopfschmerzen. Etwa 20 Prozent der Männer und 35 Prozent der Frauen leiden unter wiederkehrende Kopfschmerzen und Migräne-Anfälle.

Wenige nehmen eine spezielle Schmerztherapie in Anspruch
Anscheinend hat sich der Medikamentenkonsum in Deutschland als Bewältigungsstrategie verfestigt. Denn nur wenige nehmen laut der KKH-Analyse eine Therapie bei einem Facharzt oder Spezialisten in Anspruch. Beispielsweise unternahmen nur etwa ein Prozent der Schmerzpatienten eine Therapie in einer Schmerzklinik. Nach Angaben der Krankenkasse fehlt aber auch vielen Betroffenen offenbar eine genaue Diagnose. In vielen Fällen fehlt zudem eine Vernetzung unter den verschiedenen Haus- und Fachärzten.

Wirtschaftliche Einbußen durch chronische Schmerzen
Chronische Schmerzen bereiten nicht nur den Betroffenen ein Leiden, die Folgen der chronischen Schmerzen sind auch aus wirtschaftlicher Sicht nicht unerheblich. Im Schnitt verursachen die Patienten etwa 38 Milliarden Euro Kosten pro Jahr. Ein volkswirtschaftlicher Verlust entsteht vor allem durch Arbeitsausfälle durch akute Schmerzanfälle des Betroffenen. „Auch Arbeitgeber sollten angesichts hoher Fehlzeiten von Schmerzpatienten ein Interesse daran haben, die Gesundheit ihrer Mitarbeiter schnell wieder herzustellen“, sagte die KKH-Allianz Sprecherin. Die Kasse könne aber aus den Erfahrungen ihrer Gesundheitsprogramme berichten, die einen positiven Effekt erzielt haben. Zielgerichtete Kopfschmerz- und Migräne Therapien konnten in rund 50 Prozent der Fälle eine deutliche Linderung der Beschwerden bewirken.“Das bedeutet einen Gewinn in dreierlei Hinsicht: Für die Betroffenen steigt die Lebensqualität, Arbeitgeber erhalten mehr Produktivität und für Krankenkassen sinken die Kosten.“

Jeder einzelne kann mit gezielten Übungen bei Rückenschmerzen Beschwerden lindern. Denn durch den erhöhten Konsum von Schmerzmitteln können zahlreiche Nebenwirkungen entstehen, die zusätzliche Beschwerden vor allem im Magen-Darm-Trakt verursachen. Gerade bei Schmerzen im unteren Bereich des Rückens können Übungen bei Rückenschmerzen sehr hilfreich sein. (sb)