Schnarchen: Keine schlimmen Atemaussetzer im Schlaf durch Zungenschrittmacher

Alfred Domke

Zungenschrittmacher hilft gegen Atemaussetzer im Schlaf

Bis zu 20 Prozent der Erwachsenen über 50 Jahren sollen an einer Schlafapnoe leiden. Dabei kommt es immer wieder zu gefährlichen Atemaussetzern. Gegen diese wurde nun erstmals ein „Zungenschrittmacher“ eingesetzt, der die Muskulatur der Zunge während des Schlafs mit Stromimpulsen stimuliert.


Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Unregelmäßiges Schnarchen kann ein Hinweis für eine sogenannte „Schlafapnoe“ sein. Studien gehen davon aus, dass bis zu 20 Prozent der Erwachsenen über 50 Jahren an dieser Atmungsstörung, die mit gefährlichen Atemaussetzern einhergeht, leiden. Das Syndrom kann zur Lebensgefahr werden. Denn durch den Sauerstoffmangel besteht ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt und Schlaganfall. Ein neues Verfahren kann gegen die Atemaussetzer im Schlaf helfen.

Am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) wurde erstmals ein „Zungenschrittmacher“ bei Patienten eingesetzt, die während des Schlafs an Atemaussetzern leiden. (Bild: JPC-PROD/fotolia.com)

Zungenschrittmacher gegen Atemaussetzer im Schlaf

HNO-Experten am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) haben erstmals einen „Zungenschrittmacher“ bei Patienten eingesetzt, die während des Schlafs an Atemaussetzern leiden.

„Der Schrittmacher stimuliert die Muskulatur der Zunge während des Schlafs mit Stromimpulsen. So können die Atemaussetzer verhindert werden“, erklärt der Oberarzt der UKD-Klinik für Hals- Nasen- und Ohrenheilkunde, Dr. Christian Plettenberg, in einer Mitteilung.

Den Angaben zufolge könne das neue Verfahren dann eingesetzt werden, wenn die übliche Behandlung mit der Atemmaske zu keiner Verbesserung führt oder nicht möglich ist.

Keine erholsamen Tiefschlaf- und Traumphasen

Hintergrund der Schlafapnoe: Im Schlaf können sich durch eine Entspannung der Muskeln Atemwege verengen, da die Spannkraft der Zungen- und Rachenmuskulatur nachlässt. Die Folge sind Atemaussetzer mit Abfallen des Sauerstoffgehalts im Blut.

„Eine Konsequenz ist, dass die betroffenen Patienten nicht die erholsamen Tiefschlaf- und Traumphasen erreichen. Tagsüber fühlen sie sich müde und unkonzentriert. Auch das Risiko für einen Schlaganfall und einen Herzinfarkt steigt an“, so Dr. Plettenberg.

Liegt das Problem auf Höhe des Zungengrunds, kann der Schrittmacher helfen, so der HNO-Experte, der eng mit dem Schlafzentrum an der Düsseldorfer Uniklinik zusammenarbeitet.

Patient kann Schrittmacher per Fernbedienung einschalten

Der Schrittmacher hat die Größe eines „normalen“ Standard-Herzschrittmachers und wird im Brustbereich unterhalb des Schlüsselbeins eingesetzt. Über einen Sensor werden Informationen über die Atmung vermittelt.

Eine Elektrode unter der Zunge gibt dann nachts beim Einatmen einen Stromimpuls ab. Dieser Impuls wirkt dann auf die Zungenmuskulatur und sorgt so für die nötige Bewegung. Der Fachbegriff lautet: „Hypoglossusstimulation“, oder einfacher: Zungengrundstimulation.

Der Patient kann nach dem Einsetzen den Schrittmacher mit einer Fernbedienung aus- und einschalten. „Dabei kann man auch eine Einschlafzeit programmieren, so dass das Gerät erst nach einer gewissen Zeit einsetzt und nicht beim Einschlafen stört“, erläutert Dr. Plettenberg.

Die ersten Eingriffe dauerten jeweils zwei Stunden. (ad)