Schnell zum Arzt bei verschluckten Magneten

Alfred Domke

Wenn Gegenstände unabsichtlich verschluckt werden

18.08.2013

Erwachsene verschlucken sich gerade jetzt in der Grillsaison eher mal an einem Fleischbrocken. Kinder hingegen nehmen Vieles in den Mund und manches landet dann unbeabsichtigt im Magen. Dies ist nicht nur unangenehm, sondern kann auch sehr gefährlich werden.

Goldring verschluckt um Bezahlung zu umgehen
Vor wenigen Monaten hatte der 52-jährige Ronald Perley in New Hampshire Schlagzeilen gemacht, nachdem er einen 14-Karat-Goldring in einem Geschäft verschluckte, um so der Bezahlung zu entgehen. Anhand einer Röntgenaufnahme wurde er dann aber doch entlarvt. Viel häufiger werden Gegenstände jedoch ganz unabsichtlich verschluckt. So meint Felix Gundling von der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten: „Gerade in der Grillsaison, wenn viel Fleisch gegessen, Alkohol getrunken und viel geredet wird, verschluckt sich häufig jemand."

Fleischbrocken und Zahnprothesen
Gundling, Oberarzt für Gastroenterologie am Klinikum Bogenhausen in München hat mit seinen Kollegen zwischen 2008 und 2010 gezählt, was und wie viel sie jeweils aus ihren Patienten herausgeholt haben. Dabei handelte es sich in mehr als 65 Prozent um Fleischbrocken. Mit jeweils acht Prozent seien Zahnprothesen und Tabletten viel seltener gewesen. „Verschluckte Gebissteile gehören eher zu den seltenen Fällen in der Notaufnahme", so Gundling, „entweder sind sie zu groß, um überhaupt verschluckt zu werden, oder sie sind oft so klein, dass sie den Magen-Darm-Trakt problemlos passieren." An der berüchtigten Fischgräte hätten sich nur zwei der 38 Patienten verschluckt, so die Ärzte in der „Zeitschrift für Gastroenterologie.“

Kinder nehmen viel in den Mund
Kinder hingegen verschlucken weitaus unüblichere Dinge, vor allem in den ersten Lebensjahren. Burkhard Rodeck, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und Chefarzt des Christlichen Kinderhospitals Osnabrück erläutert: „Kinder lernen ihre Umgebung kennen, indem sie diese im wahrsten Sinne des Wortes begreifen. Nahezu jeder Gegenstand wird nicht nur in die Hand genommen, sondern auch in den Mund." Der Experte rät daher, Gegenstände, die verschluckt werden könnten, mit einer einfachen Regel wegzuräumen: „Gefährlich ist all das, was durch eine Toilettenrolle passt."

Kinder verschlucken häufig Münzen
Zu den von Kindern am häufigsten verschluckten Gegenständen gehören Münzen. Solche verschluckte Fremdkörper können zu Thoraxschmerzen führen. Kleinere Geldstücke könnten den Magen-Darm-Trakt oft problemlos passieren, größere jedoch an einer der drei Engstellen der Speiseröhre stecken bleiben. „Ab einer Größe von fünf Cent bleibt das Kleingeld oft hängen", warnt Rodeck. Falls es dazu kommt, dann ist es ratsam schnell einen Arzt aufzusuchen, denn ein fest steckender Fremdkörper kann gefährlich werden. So bestehe etwa das Risiko von schweren Schädigungen der Speiseröhrenwand oder gar eines Durchbruchs mit Entzündung des Brustraumes.

Beweglicher Kunststoffschlauch in die Speiseröhre
Ärzte können unter anderem mit einer Magenspiegelung helfen. Dabei könne man durch einen, in die Speiseröhre eingeführten beweglichen Kunststoffschlauch zum einen mit einer Minikamera mögliche Verletzungen überprüfen und zum anderen Zangen oder Schlingen zur Bergung des Fremdkörpers einführen. In manchen Fällen lasse sich Verschlucktes mit dieser Methode jedoch nicht mehr entfernen. So seien magnetische Spielzeuge in den letzten Jahren zu einem zunehmenden Problem geworden.

Gefahr durch magnetisches Spielzeug
Laut einer Studie des US-amerikanischen Seattle Children`s Hospital haben sich solche Unfälle von 2002 bis 2011 verfünffacht, wie das Team um Notärztin Julie Brown im Fachjournal „Annals of Emergency Medicine“ berichteten. Besonders gefährlich sei dabei, wenn sich verschieden magnetische Teilchen im Darm gegenseitig anziehen. Im US-amerikanischen Oregon wurden bei einem dreijährigen Mädchen 37 kugelige Magnete im Darm durch eine Röntgenuntersuchung festgestellt. Zum Teil waren Magen- und Darmwand infolge des Drucks bereits durchlöchert und nur eine sofortige Operation rettete dem Mädchen das Leben.

Batterien können zu Verätzungen führen
Kleinkindern sollte also der unbeaufsichtigte Zugang zu Magneten verwehrt werden. Bei Batterien verhält es sich ebenso, denn wenn sie verschluckt werden, schädigen sie die Schleimhaut des Magen-Darm-Trakts besonders stark. „Batterien können sich an den Schleimhäuten elektrisch entladen und so zu Verätzungen führen", so Rodeck. Bei anderen verschluckten Gegenständen, wie etwa kleinen Münzen könne man erst einmal abwarten, es sei denn sie bleiben in einer der drei Engen der Speiseröhre stecken. Der Kinderarzt erklärte, dass die Dinge die die Speiseröhre problemlos passieren, normalerweise auch beim Durchgang durch den Darm keine weiteren Probleme bereiten. Blind darauf vertrauen dürfe man aber nicht, sondern es sei genau zu kontrollieren, ob der Fremdkörper auch aus dem Körper flutscht.

Stift 25 Jahre im Magen
Verzichtet man auf eine dementsprechende Kontrolle könnte es einem ergehen, wie einer Britin, die im Jahr 1986 einen Filzstift verschluckte. Dieser landete im Magen und blieb dort ganze 25 Jahre. Ärzte des Royal Devon and Exeter Hospital Foundation Trust holten den Stift erst im Jahr 2011 aus der Patientin. Die Mediziner stellten im Fachjournal „British Medical Journal Case Reports“ mit Erstaunen fest, dass der Stift auch nach einem Vierteljahrhundert im Magen immer noch schrieb. (ad)

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Bildnachweis: Beßler/Havlena / pixelio.de