Schnellere Facharzttermine bei akuten Problemen

Heilpraxisnet

Mit A- und B-Überweisungen schneller zum Facharzt

14.05.2014

In Mecklenburg-Vorpommern können Patienten mit dringenden medizinischen Problemen binnen eines Werktages einen Termin beim Facharzt bekommen. Das Modell mit A- und B-Überweisungen habe sich bewährt, hieß es von Seiten der Kassenärztlichen Vereinigung und der AOK Nordost.

Facharzttermin innerhalb eines Werktages
In Mecklenburg-Vorpommern erhalten Patienten mit einem dringenden medizinischen Problem einen schnellen Termin bei einem Facharzt. Zu diesem Ergebnis kommen die Kassenärztliche Vereinigung und die AOK Nordost nach Auswertung des in Mecklenburg-Vorpommern erprobten Modells mit A- und B-Überweisungen. Die behandelnden Ärzte unterscheiden bei diesem System zwischen drei Kategorien. Eine A-Überweisung erhalten Patienten mit hochakuten Erkrankungen; sie werden innerhalb eines Werktages von einem Facharzt übernommen. Patienten mit weniger dringlichen gesundheitlichen Problemen, bei denen sich jedoch beispielsweise bei einer laufenden Therapie eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes eingestellt hat, bekommen eine B-Überweisung und einen Facharzttermin innerhalb einer Woche. Und alle anderen Überweisungen, wie etwa für Routineuntersuchungen, erhalten keine Kennzeichnung und haben damit keinen Anspruch auf einen Termin innerhalb dieser Fristen.

Effektives und bürokratiearmes Modell
Wie es hieß, habe sich der Weg, dass der behandelnde Arzt im Vorfeld die medizinische Bewertung vornimmt und seinen Fachkollegen unbürokratisch einbezieht, bewährt. Die Zahlen würden deutlich machen, dass die behandelnden Ärzte das Instrument nur in begründeten Fällen anwenden. So griffen sie im vergangenen Jahr im Quartalsdurchschnitt landesweit nur etwas über 20.000 Mal auf eine dringliche Überweisung zurück. Das sind rund 1,3 Prozent aller 1,65 Millionen Überweisungen pro Quartal. Dies jedoch mit kontinuierlich steigender Tendenz. Bislang stellt ein Arzt in Mecklenburg-Vorpommern die dringliche Überweisung im Durchschnitt zwischen vier und sechs Mal im Quartal aus. Kassenärzte und AOK Nordost sehen in dem Überweisungsmodell, dass sie 2011 zusammen eingeführt haben, eine funktionierende Lösung für geringe Wartezeiten beim Facharzt. Wie es hieß, gebe es ebenfalls mit anderen Kassen solche Verträge. Auch unter den Ärzten sei es akzeptiert, da es effektiv und zugleich bürokratiearm sei. Die AOK Nordost beobachte im Zusammenhang mit dem Modell eine höhere Patientenzufriedenheit.

Passgenaue Lösungen ohne gesetzgeberischen Einfluss
Gelobt wurde das Modell auch vom Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung, Axel Rambow: „Das Konzept ermöglicht es, dass zwischen der gefühlten Dringlichkeit einer Behandlung vom Patienten und der tatsächlichen medizinischen Dringlichkeit unterschieden wird, weil immer ein Arzt die Kategorisierung nach der medizinischen Notwendigkeit vornimmt.“ In wirklich dringenden Fällen verkürze dies die Wartezeit der Patienten. Nachlassende Sehkraft, Kribbeln in den Gliedern oder ein Juckender Hautausschlag seien keine belanglosen Beschwerden. Betroffene bräuchten möglichst schnell ärztliche Hilfe. Der grüne Bundestagsabgeordnete Harald Terpe sagte laut der „Schweriner Volkszeitung“, dass das Modell zeige, „dass vor Ort ohne gesetzgeberischen Einfluss schon heute passgenaue Lösungen erprobt und umgesetzt werden.“

Kritik an Überlegungen der schwarz-roten Regierung
Kritik gibt es an den Erwägungen der schwarz-roten Bundesregierung, die Ärzteschaft zu verpflichten, Service-Center einzurichten, die Patienten am Telefon einen Termin beim Facharzt vermitteln sollen. AOK und Kassenärztliche Vereinigung sehen das skeptisch. „Das wird zum anonymen Massengeschäft“, so Rambow. Dabei bestehe die Gefahr, dass Patienten an einer Hotline nur noch Nummern in ihr Handy eintippen. Der Schweriner Kardiologe Karsten Bunge meinte, dass das persönliche Gespräch zwischen Arzt und Patienten aber nicht wegfallen dürfe. (sb)

Bild: Thommy Weiss / pixelio.de