Schokolade für die Hautpflege?

Sebastian

Schokolade hilft der Seele, aber nicht bei Hautkrankheiten

25.02.2011

Schokolade in Wellness-Produkten sind voll im Trend. Kosmetikhersteller nutzen den positiven Ruf der Schokolade für die Vermarktung ihrer Produkte. Am bekanntesten sind sogenannte „Hot-Chocolate-Bäder“ oder Gesichtsmasken, die versprechen wohltuend für die Haut zu sein. Der Dermatologe Prof. Hans Meffert zeigt sich angesichts der Vermarktungsstrategien der Hersteller skeptisch. Die Inhaltsstoffe und Anwendungen sind wohltuend für die Seele, der Effekt für die Haut ist aber eher gering, so der Experte. Mit Pflegeprodukten können Anwender mitnichten Hautkrankheiten heilen.

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Schokolade als Lebenselixier
Schokolade gilt seit je her als ein wahres Lebenselixier. Zahlreiche wissenschaftliche Studien konnten mittlerweile nachweisen, dass die sekundären Pflanzenstoffe der Kakaopflanze wahre Wunder bewirken. So soll der regelmäßige Verzehr von hochprozentiger Schokolade das Krebsrisiko mindern, vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie dem Herzinfarkt schützen und Symptome einer Depression mindern. Ganz besonders wertvoll ist die dunkle Schokolade, diese enthält einen hohen Wert an wertvollen Antioxidantien. Laut Forschern der US-Universität Pennsylvania ist der „Radikalfänger“ Anteil sogar höher, als in verschiedenen Fruchtsäften und Obstsorten. Diese Fänger verhindern die Oxidation von empfindlichen Molekülen, die durch eine Reaktion von zumeist Sauerstoff und anderen oxidierenden Chemikalien ausgelöst wird. Doch wie sieht es mit den zahlreichen Schokoladen-Schönheitsprodukten aus? "Hier geht es eher um die psychologische Wirkung, also das Gefühl, sich mit Schokolade etwas Gutes zu tun", erklärte der Hautexperte Prof. Hans Meffert. Zwar stecke in der Schokolade tatsächlich einiges, was der Haut gut tut, die Pflegeprodukte können allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass Hautkrankheiten mit Schokolade in dieser Form nicht geheilt werden können.

Kakao in natürlicher Weise kann Wunden heilen
Meffert verweist in diesem Zusammenhang auf eine wissenschaftliche Studie der Universität Münster. Dort hatten Forscher festgestellt, dass verschiedene Wirkstoffe der Kakaobohne Wunden der Haut heilen können und sogar das Hautzellenwachstum anregen. "Allerdings sind diese positiven Bestandteile in Kosmetik-Produkten nur minimal vorhanden und kommen in dieser dermatologischen Wirkung nicht zum Tragen", erklärt der Dermatologe. Die Kakaobutter kann jedoch die Haut pflegen und „durch sanftes Einfetten und kann trockene Haut vor Feuchtigkeitsverlust“ geschützt werden, erläuterte Meffert. Auch die Fachärztin für Hautkrankheiten, Dr. Sabine Zenker zeigte sich ebenfalls kritisch. Verbraucher sollten bei einem Kauf der Produkte nicht zu hohe Erwartungen hegen. Denn: "Für die Hautpflege gibt es weit bessere Produkte."

Schokolade wohltuend für die Seele
Ganz so wirkungslos sind die Schokoladen-Anwendungen nicht. Es ist vor allem der Duft, der die Körpersinne anspricht und ein wohltuendes Gefühl produziert. Meffert erklärt die positive Wirkung mit einem psychologischen Effekt, der bei solchen Anwendungen eintritt. Der Duft weckt Kindheitserinnerungen und es werden Glücksendorphine ausgeschüttet. Viele Anwender haben dabei das Gefühl, für sich und ihren Körper etwas Besonderes und Schönes zu unternehmen. Schon allein diese Grundhaltung verschafft Entspannung und lässt Glückshormone entstehen. Diese Meinung teilte auch die Kerstin Moog, Spa-Managerin in Bad Zwischenahn. Eine Schoko-Behandlung dauert bis zu drei Stunden, erklärt sie. Während dieser Zeit erleben die Menschen ein „unheimlich schönes Körpergefühl“. Das gilt während, aber auch nach der Zeit der Prozedur.

Vorsicht bei Eigenanwendungen
Im Internet kursieren zahlreiche Anleitungen für selbstgemachte Masken, Peelings und Cremes. Da für Hautanwendungen die Schokolade flüssig sein muss, wird diese zuvor erhitzt und mit weiteren Bestandteilen vermischt. Eben jenes Erhitzen kann zu schweren Verletzungen der Haut führen, wenn die Masse zu früh und noch sehr heiß aufgetragen wird. Es drohen schwere Verbrennungen und unerwünschte rote Stellen auf der Haut. Darüber hinaus sollte man sich klar machen, dass eine belastete Haut, die empfindlich ist und zu Entzündungen neigt, tatsächlich durch eine selbst gefertigte Schokoladenmaske zu sehr belastet wird. Eine selbstgemachte Mixtur kann zu Entzündungen führen, wenn die Hautbeschaffenheit dazu neigt.

Den besten Erfolg erzielen Anwender, wenn sie naturbelassene Kakaobutter-Produkte verwenden, die beispielsweise in Reformhäusern angeboten werden. Sheabutter enthält wirksame Substanzen, die die Haut nachhaltig pflegen und eine Hautalterung verlangsamen. Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind Fettsäuren, Öl, Vitamin E, Allantoin und Provitamin A. (sb)