Bereits der „kleine Klaps“ auf den Po schadet der Kindererziehung

Forscher fanden heraus, dass Prügel bei der Kindererziehung negative Folgen haben. Durch solche Maßnahmen werden die Mannieren der Kinder nicht verbessert. Sie führen eher zu Trotz, Aggressionen und psychischen und kognitiven Schwierigkeiten. (Bild: Kitty/fotolia.com)
Alexander Stindt
Der sogenannte Klaps auf den Hintern verbessert nicht die Manieren, er verschlechtert sie sogar
Kindererziehung ist nicht immer einfach und es gibt viele verschiedene Ansichtsweisen, wie Kinder erzogen werden sollten. Wissenschaftler stellten jetzt fest, dass ein Klaps auf den Hintern ihr Kind nicht dazu veranlasst, bessere Manieren zu entwickeln. Eher das Gegenteil ist der Fall.

Forscher fanden bei einer Studie heraus, dass körperliche Züchtigung durch die Eltern bei Kindern keinesfalls die Entwicklung besserer Manieren beim Nachwuchs zur Folge hat. Eine solche Erziehung führt nicht zu einem besseren Verhalten, sondern bewirkt, dass die Kinder weiter schlechte Verhaltensweisen entwickeln, berichten Forscher der University of Texas und der University of Michigan. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer aktuellen Studie zu dem Thema in der Fachzeitschrift „Journal of Family Psychology“.

Forscher fanden heraus, dass Prügel bei der Kindererziehung negative Folgen haben. Durch solche Maßnahmen werden die Mannieren der Kinder nicht verbessert. Sie führen eher zu Trotz, Aggressionen, psychischen und kognitiven Schwierigkeiten. (Bild: Kitty/fotolia.com)
Forscher fanden heraus, dass Prügel bei der Kindererziehung negative Folgen haben. Durch solche Maßnahmen werden die Mannieren der Kinder nicht verbessert. Sie führen eher zu Trotz, Aggressionen, psychischen und kognitiven Schwierigkeiten. (Bild: Kitty/fotolia.com)

Negativen Ergebnissen bei der Erziehung
Forscher von der University of Texas und der University of Michigan analysierten für ihre neue Untersuchung 75 Studien mit mehr als 150.000 beteiligten Kindern. Die Studien deckten die letzten 50 Jahre ab. Das ist eine breite Menge von Kindern und die Ergebnisse sind unglaublich konsistent, sagt Hauptautor Dr. Elizabeth Gershoff. Die Untersuchung zeige, dass es eine Korrelation zwischen körperlicher Züchtigung und negativen Erziehungsergebnissen besteht und absolut keine Korrelation zwischen körperlichen Maßnahmen und positiven Ergebnisse zu entdecken war, fügt die Medizinerin hinzu. Schläge auf den Hintern führen nicht zu sofortigem besseren Verhalten und auf lange Sicht gesehen verschlechtern sie sogar das Verhalten der Kinder. Außerdem sind betroffene Kinder im späteren Leben öfter aggressiv und unsozial, sagt Dr. Gershoff.

85 Prozent der Kinder erhalten auch heutzutage noch Prügel
Ironischerweise verwenden Eltern oft Schläge auf den Hintern, wenn ihre Kinder sich aggressiv benehmen. Dadurch denken die Kinder, dass es möglich ist, Prügel einzusetzen um zu bekommen, was man will, sagen die Forscher. In der heutigen Zeit gebe es einige Eltern, die Prügel als eine veraltete Erziehungstechnik bewerten. Dennoch sind in vielen Haushalten körperliche Züchtigungen noch ein Normalfall, sagt Dr. Gershoff. Andere Untersuchungen zeigten, dass zu dem Zeitpunkt, wenn die meisten Kinder auf eine weiterführende Schule kommen, mindestens 85 Prozent schon einmal körperlich bestraft wurden. Also werden nach wie vor die meisten Kinder in ihrer Erziehung verprügelt, betont Dr. Gershoff. Die Art und Menge der Bestrafung habe sich vielleicht geändert und Eltern nutzen heutzutage selten Objekte wie Gürtel, Ruten oder Kochlöffel, um ihre Kinder zu züchtigen. Aber Prügel sind immer noch ein aktiver Teil der meisten Erziehungen, fügt die Medizinerin hinzu.

Schläge in der Erziehung führen zu Trotz, Aggression, psychischen und kognitiven Problemen
Einige Menschen verprügeln ihre Kinder, weil sie selber als Kinder geschlagen wurden. Sozusagen wurde das Verhalten von Generation zu Generation weitergegeben, erläutern die Wissenschaftler. Andere tun es, weil ihnen ihre Religion vermittelt, dass solch eine Erziehung in Ordnung ist. Sicher gehen die Ansichten über Prügel in der Erziehung auseinander. Somit konzentrierte sich die Untersuchung auf das, was die meisten Amerikaner als Prügel bezeichnen würden und keinesfalls auf potenziell missbräuchliche Verhaltensweisen, erklärt Dr. Gershoff. Sie definierte Prügel als Schläge mit der offenen Hand auf den Hintern oder andere Extremitäten. Diese konnten mit 13 von 17 negativen Auswirkungen verknüpft werden. Zu den Auswirkungen gehörten beispielsweise trotzige Reaktionen gegenüber den Eltern, Aggressionen, psychische Probleme und kognitive Schwierigkeiten, sagt Dr. Gershoff.

Kinder sollten lernen in einer positiven und produktiven Weise mit anderen Menschen umzugehen
Der gesunde Ansatz für eine gute Erziehung ist nicht eine einzelne Technik. Es ist eine Vielzahl von Verhaltensweisen, die Eltern berücksichtigen sollten, raten die Mediziner. Zwischen Kindern und Eltern sollte generell eine gute Beziehung bestehen, außerdem sollten die Eltern das Kind belohnen, wenn es das Richtige tut, erklärt Dr. Gershoff. Manche Eltern würden befürchten, dass sie zu weich sind und ihre Kinder sie als Schwächlinge ansehen, wenn sie keine Prügel in der Erziehung einsetzen. Eltern können aber auch gewaltlos erziehen und trotzdem hohe Erwartungen haben, so die Forscherin weiter. Eltern müssen ihre Kinder nicht schlagen, um ihnen zu zeigen, wer das Sagen hat, fügt die Autorin hinzu. Das Ziel sollte sein, Kindern den Unterschied zwischen richtig und falsch zu vermitteln, erklären die Experten.

„Wir sollten ihnen beibringen, dass sie immer in einer positiven und produktiven Weise mit anderen Menschen umgehen sollten. Das sollte zu einer goldenen Regel werden, die unsere Kinder durch ihr gesamtes Leben begleitet. Eltern sollten Vorbilder sein“, betonen die Autoren. Also verhalten Sie sich so, wie Sie wünschen, dass sich ihre Kinder später einmal verhalten sollen. Die Gesellschaft werde immer gereizter und gewaltbereiter, wir sollten also versuchen diese negativen Auswirkungen unserer Kultur bei unseren Kindern zu minimieren, fügen die Wissenschaftler hinzu. (as)

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