Schreien im Schlaf Hinweis auf Parkinson

Fabian Peters

Schreie und heftige Bewegungen im Schlaf könnten Anzeichen für Parkinson sein

11.06.2012

Schreie im Schlaf als Hinweis auf eine bevorstehende Parkinson-Erkrankung? Auf dem Europäischen Neurologenkongress (ENS) in Prag berichten Experten über die neuesten Erkenntnisse aus dem Bereich der Parkinson-Forschung.

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Heftige Bewegungen oder Schreie im Schlaf können Vorboten einer bevorstehenden Parkinson-Erkrankung sein, erläuterte Professor Claudio Bassetti, Direktor und Chefarzt der Berner Universitätsklinik für Neurologie, auf dem Europäischen Neurologenkongress in Prag. Das sogenannte Schenk-Syndrom, als welches die unkontrollierten Bewegungen bezeichnet werden, könne bereits Jahre im Voraus auf die neurologische Erkrankung Parkinson hinweisen, so Bassetti weiter. Auf diese Weise lasse sich die bislang unheilbare Krankheit unter Umständen äußerst frühzeitig erkennen.

Gestörte Bewegungshemmung im Schlaf bei Parkinson-Patienten
Wie Prof. Bassetti erläuterte, erschlafft bei gesunden Menschen in der REM-Schlafphase die Muskulatur. Ihre Erlebnisse im Traum bringen sie daher nicht körperlich zum Ausdruck. Diese sogenannte physiologische Paralyse ist beim Schenk-Syndrom gestört. Die Bewegungshemmung im Traumschlaf ist verloren gegangen, weshalb Betroffene sich beim Träumen bewegen, schreien, um sich treten oder schlagen, betonte der Experte. Die Beeinträchtigung der Bewegungshemmung werde durch einen Prozess im Gehirn bedingt, der unter anderem auch für Parkinson typisch sei, so Bassetti weiter. Zahlreiche Parkinson-Patienten leiden laut Aussage des Berner Neurologen bereits lange vor dem Auftreten der parkinsontypischen Bewegungsstörungen Nachts an dem Schenk-Syndrom. Wenn diese Hinweise richtig gedeutet würden, ließen sich frühzeitig Maßnahmen zur Verzögerung des Krankheitsverlaufes einleiten und für die Betroffenen deutliche Verbesserungen der Lebensqualität erreichen, so Bassetti weiter.

Parkinson beginnt in der Nase
Der Dresdner Neurologie-Professor Heinz Reichmann erläuterte bei seinem Vortag auf dem Europäischen Neurologenkongress, dass Parkinson in der Nase beginnt und so bereits ein einfacher Riechtest Hinweise auf eine bevorstehende Parkinson-Erkrankung liefern könne. In Versuchen mit Mäusen hatte der Dresdener Neurologe Hinweise dafür entdeckt., dass die Entwicklung von Parkinson als erstes in den Nervenzellen des Geruchssinns bemerkbar wird und sich anschließend von hier aus weiter ausbreitet. In der Nase bildet sich im Frühstadium von Parkinson eine Ansammlung von sogenannten Lewy-Körperchen, die den Beginn der Parkinson-Erkrankung signalisiert, so Reichmann. Von den Nervenzellen der Nase aus, wandert die Erkrankung Zelle für Zelle Richtung Magen und von dort über den Vagusnerv zum Gehirn, erläuterte der Präsident der „European Neurological Society“. Zu den wichtigsten Symptomen, die ansonsten auf eine Parkinson-Erkrankung hinweisen, zählen laut Aussage von Prof. Reichmann Verstopfung, Doppel-Sehen, Impotenz, Gefühlsarmut, Harninkontinenz, diffuse Schmerzen, Depressionen und Demenz. Auch eine fettige Haut und übermäßiges Schwitzen könne ein Anzeichen für Parkinson sein. (fp)