Schützt Grippe-Impfung vor Herzinfarkt?

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Schützt Grippe-Impfung vor Herzinfarkt?
Grippeschutzimpfungen senken das Herzinfarkt-Risiko. Zu dieser Vermutung kommen britische Forscher aufgrund einer ersten Studie, die den Zusammenhang zwischen Schutzimpfungen und dem Herzinfarktrisiko untersucht. So hat die 79.000 Probanden und 16.000 Herzinfarkt-Patienten umfassende Studie ergeben, dass eine Grippeschutzimpfung das Infarkt-Risiko um 19 Prozent senken kann, wobei jedoch der Zeitpunkt der Impfung entscheidend ist.

Trotz Vorteilen nur geringe Impfquoten in der Bevölkerung
Die Grippesaison hat begonnen. Doch die Deutschen lassen sich trotz eingehender Aufforderungen der Gesundheitsbehörden nur sehr zögerlich eine Grippeschutzimpfung verabreichen. Während bei der Schweinegrippe im vergangenen Jahr die Hysterie und die entsprechende Nachfrage nach Schutzimpfungen noch groß war, folgen dieses Jahr relativ wenig Deutsche den Empfehlungen der Fachleute. Obwohl die Gesundheitsbehörden ihre Impfempfehlung über die bisherigen Risikopatienten hinaus erstmals auch Schwangeren auch auf Schwangere ausgeweitet hat, lehnen immer noch viele Deutsche eine Grippe-Impfung grundsätzlich ab. Grundlos wie die Experten vom Robert-Koch-Institut (RKI) meinen, denn die Vorteile eines umfassenden Impfschutzes in der Bevölkerung lägen klar auf der Hand: zum Beispiel weniger Krankheitstage, geringere Behandlungskosten und ein deutlich verringertes Risiko der Übertragung von Erregern in der Bevölkerung. Schätzungen der Arbeitsgemeinschaft Influenza am Robert-Koch-Institut zufolge sind während der vergangenen Grippesaison rund 2,9 Millionen zusätzliche Arztbesuche sowie 5.300 Influenza-bedingte Einweisungen in Kliniken notwendig gewesen. Rund 1,5 Millionen Influenza-Erkrankte mussten arbeitsunfähig geschrieben werden.

Geringeres Herzinfarkt-Risiko durch Grippe-Impfung
Die Vermutung der Britischen Forscher, dass Grippe-Impfungen auch das Herzinfarkt-Risiko reduzieren können, eröffnet eine neue Perspektive in der Diskussion. Im Rahmen einer Fall-Kontroll-Studie haben die Wissenschaftler 79.000 Probanden untersucht, unter ihnen 16.000 Herzinfarkt-Patienten. Das Ergebnis: Testpersonen die eine Grippeschutzimpfung erhielten, unterlagen einem um 19 Prozent geringeren Herzinfarkt-Risiko als die Kontrollgruppe. Dabei reduzierte sich das Herzinfarkt-Risiko am stärksten, wenn die Schutzimpfung zu Beginn der Grippe-Saison zwischen September und November verabreicht wurde. Rein rechnerisch ergab sich für derartige Impfungen sogar ein um 21 Prozent verringertes Herzinfarkt-Risiko. Spätere Impfungen reduzierten das Risiko immer noch um bis zu zwölf Prozent. Die bisherigen Resultate weisen zwar auf einen Zusammenhang hin, ihre Thesen müssen jedoch im Rahmen weiterer Untersuchungen noch wissenschaftlich verifiziert werden, erklärten die Forscher bei Vorstellung der Studie.

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Sorge vor Nebenwirkungen
Ob die vermutete Reduzierung des Herzinfarkt-Risikos, die Impfbereitschaft der Deutschen steigern wird, darf bezweifelt werden. Denn die Verunsicherung in der Bevölkerung aufgrund der Schweinegrippe-Schutzimpfungen 2009 ist noch nicht abgeklungen. Nicht nur die vermuteten Nebenwirkungen der beigesetzten Wirkverstärker sondern auch das offensichtliche Interesse der Hersteller am Absatz ihrer Produkte, ist noch relativ präsent. Das eine eingehende Untersuchung der Nebenwirkungen des Wirkverstärkers jetzt ergeben hat, dass Beschwerden wie leichtes Fieber, Kopfschmerzen oder das Gefühl eines Muskelkaters zwar häufiger aufgetreten seien, ernsthafte Nebenwirkungen wie etwa zeitweise Lähmungserscheinungen jedoch nicht öfter vorkamen als bei herkömmlichen Impfstoffen, kann die Verunsicherten dabei kaum beruhigen. Vielmehr kräftigen derartige Aussagen eher die Sorge vor den generellen Nebenwirkungen der Grippe-Impfstoffe.

Schweinegrippe wird erneut auftreten
Auch die Warnungen der WHO vor einem erneuten Auftreten der Schweinegrippe und der Hinweis, dass der derzeitige Impfstoff sowohl vor den normalen Grippeerregern als auch vor dem Schweinegrippevirus H1N1 schützt, konnte bisher nicht zu einer maßgeblichen Steigerung der Impfquote in Deutschland beitragen. Die Zielsetzungen der Gesundheitsbehörden von Impfquoten zwischen 50 und 60 Prozent, wie sie in skandinavischen Ländern die Regel sind, bleiben auch mittelfristig in Deutschland kaum erreichbar. Selbst wenn Reinhard Burger, Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), regelmäßig vor dem Unterschätzen der Influenza warnt, die viel zu niedrigen Impfquoten in der Bevölkerung kritisiert und in Zusammenarbeit mit den verschiedenen Gesundheitsbehörden umfassenden Aufklärungskampagnen durchführt, ist die Impfmüdigkeit unter den Deutschen weiterhin stark verbreitet.

Gesundheitliches Risiko nicht zu unterschätzen
Dabei ist das gesundheitliche Risiko durch eine Grippe-Erkrankung nicht unbeachtlich. So betont auch Peter Wutzler, Präsident der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten: „die Influenza ist nicht harmlos. Wir haben seit 20 Jahren jährlich 3000 bis 5000 Todesfälle." Seiner Ansicht nach ist eine Impfung von Kindern, chronisch Kranken, Menschen über 60 Jahre und auch von Schwangeren dringen geboten. Zudem sollte sich das medizinische Personal im Interesse der Patienten häufiger impfen lassen. Kritiker wie der Verein "Ärzte für eine Individuelle Impfentscheidung e.V", sind zwar nicht grundsätzlich gegen vorbeugende Impfungen, zweifeln jedoch die undifferenzierte Diskussion in der Öffentlichkeit an. Ihrer Ansicht nach wird von den bisweilen schweren, unerwünschten Nebenwirkungen, die im Einzelfall auch mit einer bleibenden Beeinträchtigung der Gesundheit enden können, zu wenig berichtet. Denn wie jedes Arzneimittel, können Grippe-Impfstoffe derartige Konsequenzen mit sich bringen, auch wenn dies relativ selten der Fall sei. Patienten müssen nach Ansicht des Vereins umfassend über die möglichen Nebenwirkungen aufgeklärt werden und sollten eine Impfentscheidung davon abhängig machen, ob tatsächlich der medizinische Nutzen das mögliche Risiko überwiegt. Im Idealfall wird diese Entscheidung gemeinsam mit den Arzt des Vertrauens getroffen. (13.10.2010, fp)