Kaffee mindert Schlaganfall & Herzinfarkt Risiko

Fabian Peters

Kaffee senkt das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen

25.03.2014

Seit Jahren werden die Auswirkungen des Kaffeekonsums auf das Herz-Kreislauf-System äußerst kontrovers diskutiert. Nun haben Forscher der Harvard School of Public Health, der Harvard Medical School (beide in Boston; USA), der National University of Singapore und des National University Health System (beide in Singapur) in dem Fachmagazin „Circulation“ eine Metastudie veröffentlicht, die zu dem Ergebnis kommt das Kaffeekonsum sich bei Mengen unterhalb von neun Tassen pro Tag nicht nachteilig, sondern sogar schützend auf das Herz-Kreislauf-System auswirkt.

Mit der Metaanalyse wollten die Forscher um Frank B. Hu von der Harvard Medical School nach eigenen Angaben „die Dosis-Wirkung-Beziehung zwischen dem langfristigen Kaffeekonsum und dem Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen beurteilen.“ Sie nutzten 36 bestehende Studien mit knapp 1,3 Millionen Teilnehmern, um den Zusammenhang des Kaffeekonsums mit verschiedenen Herz-Kreislauf-Leiden (zum Beispiel koronare Herzkrankheit, Schlaganfall, Herzinfarkt) zu überprüfen. Insgesamt litten 36.352 Studienteilnehmer an Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Doch eine Erhöhung des Risikos aufgrund des Kaffeekonsums ließ sich laut Aussage der Forscher erst bei mehr als neun Tassen Kaffee pro Tag feststellen. Ansonsten habe Kaffee sogar zu einem reduzierten Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen beigetragen.

Kaffee reduziert das Schlaganfall-Risiko um bis zu 20 Prozent
Im Rahmen der Datenauswertung haben die Forscher nach eigenen Angaben „eine nichtlineare Beziehung zwischen dem Kaffeekonsum und dem Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen festgestellt.“ Es sei festzustellen gewesen, dass bei einem Kaffeekonsum von fünf Tassen pro Tag die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems um fünf Prozent geringer ausfiel, als bei vollständiger Kaffee-Abstinenz. Ein moderater Kaffeekonsum von anderthalb Tassen pro Tag sei mit einer durchschnittlichen Reduzierung des Erkrankungsrisikos um rund elf Prozent einhergegangen und die maximale Schutzwirkung wurde offenbar bei 3,5 Tassen Kaffee pro Tag erreicht, berichten die Wissenschaftler. Hier sei das Risiko in einzelnen Studien um bis zu zwanzig Prozent gesunken. Durchschnittlich wurde bei einem Kaffeekonsum von 3,5 Tassen Kaffee am Tag eine um 15 Prozent verringerte Wahrscheinlichkeit von Schlaganfällen, koronaren Herzkrankheiten und anderen Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems festgestellt.

Kaffee erst bei extremen Mengen mit ungünstiger Wirkung
Erst ab einem Konsum von neun oder mehr Tassen Kaffee pro Tag sind den Berechnungen der Forscher zufolge eindeutig negative Effekte zu erwarten. Die früher oftmals unterstellte, allgemein ungünstige Wirkung des Kaffees auf das Herz-Kreislauf-System ist demnach nicht gegeben. „Die Angst, dass Kaffeegenuss das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen könnte, scheint unbegründet“, berichtet daher auf die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) unter Berufung auf die aktuellen Studienergebnisse. „Nach jahrzehntelanger Diskussion und Verunsicherung ist dies sicher eine gute Nachricht für unsere Patienten“, betonte Professor Hans-Christoph Diener, Direktor der Klinik für Neurologie am Uniklinikum Essen und Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Selbst Menschen, die täglich „bis zu sieben Tassen Kaffee tranken, erlitten im Durchschnitt weniger Schlaganfälle, Herzinfarkte und andere Herzleiden als diejenigen, die gar keinen Kaffee tranken“, so die Mitteilung der DGN. Professor Diener ergänzte, dass „die meisten Menschen sich also keine Sorgen zu machen brauchen“ und „lediglich etwa in der Schwangerschaft und bei schwer einstellbarem hohen Blutdruck Zurückhaltung angebracht“ sei.

Zubereitung des Kaffees heute gesünder?
Die Experten der Deutschen Gesellschaft für Neurologie kommen angesichts der überraschend eindeutigen Studienergebnis zu dem Schluss, dass möglicherweise die veränderten Methoden der Kaffeezubereitung im Laufe der Jahrzehnte hier auch eine Rolle spielen. Denn früher sei das Pulver zumeist gekocht worden, wodurch der Kaffee nachweislich das Blutfett Cholesterin erhöht habe. Heute werde indes eher Filterkaffee präferiert, somit der Kaffee schlichtweg „gesünder“ hergestellt, berichtet die DGN. Dies „würde dann aber auch bedeuten, dass die Studienergebnisse nicht auf französischen oder türkischen Kaffee zu übertragen sind“, geben die Experten der DGN zu bedenken. (fp)

Bild: Simone Hainz / pixelio.de