Schuheinlage schützt vor diabetischem Fuß

Heilpraxisnet

Neue „intelligente Einlegesohle“ soll Bildung von Geschwüren verhindern

16.09.2014

Eine neue Schuhsohle verspricht Hilfe bei Diabetes. Wie das Universitätsklinikum Magdeburg aktuell berichtet, habe die Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Diabetologie und Endokrinologie gemeinsam mit den Firmen ifak System und OrthoFit Schuhtechnik GmbH in Magdeburg eine „intelligente Einlegesohle“ entwickelt. Mit Hilfe dieser sollen Diabetes-Patienten in Zukunft vor schlecht heilenden Wunden und Amputationen im Bereich der Füße geschützt werden.

Nervenschädigungen durch hohen Blutzucker
Wer bereits seit Jahren an Diabetes mellitus erkrankt ist, läuft Gefahr, ein Diabetisches Fußsyndrom (DFS) zu entwickeln. Der Grund: Hoher Blutzucker schädigt die peripheren Nervenbahnen, welche bis in die kleinen Zehenspitzen führen und dafür sorgen, dass Menschen sensibel auf Berührungen und Druckbelastungen reagieren. In der Folge kommt es zu massiven Gefühlsstörungen, denn „dadurch können Druck- und Temperatursignale nicht mehr von der Haut bis in das Gehirn und zurück übertragen werden“, erklärt Prof. Dr. Peter Mertens, Direktor der Magdeburger Universitätsklinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Diabetologie und Endokrinologie. Eine nicht seltene Entwicklung, denn „nach durchschnittlich einem Jahrzehnt treten bei etwa der Hälfte der Diabetiker derartige periphere Nervenschäden auf“, so Prof. Mertens weiter.

Wundheilung benötigt teilweise Monate
Bei gesunden Menschen sorgen die peripheren Nervenbahnen beispielsweise bei längerem Stehen an der gleichen Stelle dafür, dass das Gewicht ganz „automatisch“ nach einer gewissen Zeit von einem Fuß auf den anderen verlagert wird. Diabetiker merken hingegen durch die Nervenschädigungen oft gar nicht, dass ihre Zehen, Ferse oder ein anderer Teil des Fußes zu stark belastet wird. Daher wird der Fuß oftmals gar nicht entlastet, wodurch Druckgeschwüre entstehen können, die jedoch ebenfalls nicht bemerkt werden. Dies kann weitreichende Folgen haben: Denn schon eine kleine unebene Stelle oder ein winzig kleiner Stein im Schuh können so dazu führen, dass offene Wunden oder starke Zerstörungen des Gewebes entstehen. Zudem führt ein so genannter diabetischer Fuß dazu, dass die Wunden schlecht heilen und sich dadurch schnell entzünden: „Es braucht mitunter viele Monate intensiver Pflege und Klinikaufenthalte, bis ein Geschwür ausgeheilt ist. Und nicht immer gelingt es“, so die Diabetologin und Oberärztin an der Universitätsklinik, Dr. Silke Klose.

Temperaturmessungen weisen auf mögliche Entstehungsorte von Geschwüren hin
Die Behandlung von Diabetes-Patienten erfolgte nach Angaben der Uni Magdeburg bislang mit einer sogenannten „diabetesadaptierten Fußbettung“. Dabei handelt es sich um ein individuell angefertigtes Einlagenbett mit einem speziellen Schaumpolster, welches standardmäßig „im Gang“ gemessen werde. „Ziel ist eine individuell maßgefertigte, druckausgleichende Fußbettung“, erklärt Orthopädie-Schuhmachermeister Volker Herbst von der Magdeburger Firma OrthoFit. Doch laut dem Experten könne auch ein solches Einlagenbett Betroffenen keinen 100%igen Schutz vor Geschwüren bieten. Dementsprechend wurde weiter an der Entwicklung von Hilfsmitteln gearbeitet – geleitet von Studien aus den USA, die schon Anfang des 21. Jahrhunderts zu interessanten Ergebnissen gekommen waren: Demnach konnten regelmäßige Temperaturmessungen an den Füßen von Diabetes-Patienten auf mögliche Entstehungsorte von Geschwüren hinweisen, denn bereits eine Woche vor Ausbruch eines solchen sei die Temperatur durchschnittlich um 4°C. gestiegen. Wurde der Fuß dann umgehend entlastet, konnte so die Ausbildung des Geschwürs verhindert werden.

„Intelligente Einlegesohle“ zeigt sich in 95% der Fälle als zuverlässig
Diese Erkenntnisse flossen nun in einen neuartigen technischen Ansatz ein, der von den Firmen ifak System und OrthoFit, gemeinsam mit Medizinern der Magdeburger Universitätsklinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Diabetologie und Endokrinologie entwickelt wurde: „In diese neu konstruierte intelligente Einlegesohle wurden außer Drucksensoren zusätzlich auch acht Temperatursensoren in gefährdete Fußsohlenregionen integriert“, erklärt Dipl.-Ing. Fred Samland von der ifak. Damit die Technik funktioniert, benötige der Patient laut der Uni Magdeburg jedoch ein Smartphone, denn die von Computerchips in der Einlegesohle analysierten Messungen würden per Funk-App übertragen. „Das Display ist denkbar einfach gehalten, um Interpretationsfehler zu vermeiden“, erklärt Dipl.-Ing. Thorsten Szczepanski, Geschäftsführer der ifak GmbH. Das „Warnsystem“ für die Betroffenen erinnere dabei an eine Ampel, denn während bei „grün“ alles in Ordnung sei, zeige „gelb“ bereits an, dass Betroffene den Fuß entlasten sollten. Befindet sich dieser jedoch schon im „roten Bereich“, werde dies deutlich über einen Signalton oder Vibration angezeigt. Spätestens dann sollte laut Prof. Mertens die Fußbelastung verändert werden, um die Durchblutung des Gewebes zu fördern, „bei Anstieg der Fußtemperatur soll der Fuß ganz entlastet und auf ein beginnendes Geschwür hin durch den Patienten untersucht werden. Eine Vorstellung bei dem betreuenden Arzt wäre dann der nächste Schritt.“ Wie die Universität weiter berichtet, sei die „intelligente Einlegesohle“ bislang an zwanzig Patienten im Stehen getestet worden, wobei sie sich in 95 Prozent der Fälle als „zuverlässig“ gezeigt habe. Nun solle in den kommenden Monaten eine umfassendere Studie folgen.

Tägliche und richtige Fußpflege besonders wichtig
Wird ein Diabetischer Fuß nicht behandelt, kann dies ein böses Ende nehmen. Allein hierzulande müssten laut der Universität jährlich rund 45.000 Amputationen aufgrund zu spät erkannter Folgen der so genannten „Zuckerkrankheit“ amputiert werden. Dennoch können einige Tipps helfen, das Risiko zu verringern. Hierzu zählt vor allem die tägliche und richtige Fußpflege, indem die Füße jeden Tag mit einer milden Seife gründlich gewaschen und sorgfältig auf Druckstellen, Hornhaut oder Verletzungen hin kontrolliert werden. Warme Fußbäder sollten hingegen nur kurz durchgeführt werden, da ansonsten die Gefahr besteht, dass Keime in das aufgeweichte Gewebe gelangen. Wichtig ist außerdem das Eincremen der trockenen Haut, um Risse zu vermeiden. Treten Wunden auf, müssen diese umgehend medizinisch versorgt werden. Erste Hilfe bildet hier Desinfektionsmittel und eine sterile Kompresse, anschließend sollte jedoch sofort ein Arzt aufgesucht werden, um keine Folgeschäden zu riskieren. (nr)

Bild: Matthias Balzer/ Pixelio.de