Schule in Erftstadt wegen Masern geschlossen

Astrid Goldmayer

Masern-Ausbruch an Walldorfschule in Erftstadt

05.07.2013

Wegen eines Masern-Ausbruchs im Rhein-Erft-Kreis musste gestern eine Schule geschlossen werden. An der freien Waldorfschule Erftstadt sind mehrere Schüler erkrankt, so dass das Gesundheitsamt aus Sicherheitsgründen alle 396 Schüler nach Hause schickte. Bereits am Montag informierte der Schulleiter, Matthias Nantke, die Behörden darüber, dass drei Geschwister an Masern litten. Seitdem seien weitere Kinder erkrankt.

Masern breiten sich im Rhein-Erftkreis aus
Nachdem zunächst vor allem Bayern und Berlin vom Ausbruch der Masern betroffen waren, scheint die Erkrankung nun auch in Nordrhein-Westfalen um sich zu greifen. Wie Franz-Josef Schuba, Leiter des Gesundheitsamtes im Rhein-Erft-Kreis, gegenüber der Zeitung „Rheinische Post“ mitteilte, hatten sich drei Geschwister m Alter von 16, 18 und 19 Jahren aus der Gemeinde Vettweiß durch den Kontakt zu einer Münchner Familie, in deren Umfeld ebenfalls Masern aufgetreten waren, angesteckt. Die betroffenen Schüler besuchen die freie Walddorfschule Erftstadt, die daraufhin aus Sicherheitsgründen geschlossen wurde. „Seitdem haben sich sieben weitere Schüler angesteckt. Und wir rechnen damit, dass es stündlich mehr werden", erklärte Schuba. Nach einer Kontrolle der Impfpässe durch Mitarbeiter des Gesundheitsamtes sei „eine Impfquote von nur 26 Prozent" festgestellt worden. Deshalb wird die Schule vorerst bis nächsten Dienstag geschlossen bleiben. „Nicht nur die Schüler, auch unsere 40 Kollegen müssen erst einmal ihren Impfstatus abklären. Bis dahin kann kein Unterricht stattfinden", sagte Alfons Thelen-Brücher, Sprecher der Freien Waldorfschule Erftstadt, der Zeitung.

Jan Leidel, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts (RKI), wies gegenüber dem Blatt daraufhin, dass es bis zum aktuellen Masernausbruch in Nordrhein-Westfalen nur 30 Fälle gegeben habe. 2012 seien lediglich 166 Masernfälle registriert worden. In diesem Jahr litten jedoch bis zum 30. Juni bereits 1.073 Menschen an Masern. Die meisten Erkrankungen traten mit 478 Fällen in Bayern und mit mehr als 400 in Berlin auf. Die hohe Anzahl sei „nicht dramatisch, aber ärgerlich und deprimierend", so Leidel. „Die Schwankungen sind nicht ungewöhnlich, doch nach den guten Zahlen 2012 enttäuschend."

Jugendliche und Erwachsene häufig nicht gegen Masern geimpft
Wie Martin Terhardt vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Deutschland (BVKJ) gegenüber der Zeitung berichtete, bestehe das Hauptproblem nicht darin, dass Kleinkinder nicht geimpft würden, sondern vielmehr im fehlenden Impfschutz von Jugendlichen und Erwachsenen. Er rät Erwachsenen und Kindern dazu, ihren Impfstatus überprüfen zu lassen und sich bei mangelhaftem Impfschutz schnell impfen zu lassen. „Geschieht dies innerhalb von drei Tagen, kann man den Krankheitsverlauf deutlich abschwächen", so Terhardt.

„Die hohe Zahl von Masernerkrankungen in Deutschland zeigt, dass die bisherigen Impfkonzepte nicht genügend wirken“, mahnte Wolfram Hartmann, Präsident des BVKJ. „Wir brauchen verbindliche Regeln, die sichern, dass alle Kinder vor der Aufnahme in eine Kindertageseinrichtung einen altersgemäßen Impfschutz nachweisen, dass sie also entsprechend den aktuellen Empfehlungen der STIKO, die den wissenschaftlichen Standard in Deutschland darstellen, geimpft sind, sofern keine medizinischen Kontraindikationen für eine Impfung vorliegen.“

Auch Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hatte sich kürzlich für die Einführung einer Impfpflicht gegen Masern ausgesprochen. Es sei unverantwortlich, wenn Eltern ihre Kinder nicht impfen ließen, erklärte der Politiker. Leidel sieht darin jedoch keine Lösung. „Unsere Gesellschaft steht jedem Zwang skeptisch gegenüber. Damit wäre eine Pflicht kontraproduktiv." Zudem stelle er sich die Frage, welche Konsequenzen bei Nicht-Einhaltung folgen sollten.

Masern können schwere Erkrankungen verursachen
Obwohl Masern zu den gefährlichen Infektionskrankheiten gehören, werden sie häufig als Kinderkrankheit verharmlost. Doch vor allem bei älteren und immunschwachen Patienten können schwere Krankheitsverläufen beispielsweise mit Lungenentzündungen auftreten. Aber auch gesunde, junge Menschen können an einer lebensgefährlichen Masern-Infektion erkranken. So verursacht die sogenannte subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE, generalisierte Entzündung des Gehirns mit Nerven-Entmarkung) schwerste Schäden und führt unweigerlich zum Tod des Patienten. Etwa jeder zehntausende Patienten ist als Spätfolge davon betroffen. Einer von 1.000 Patienten erleidet eine ebenfalls lebensbedrohliche Gehirnentzündung.

Die Inkubationszeit von SSPE beträgt mehrere Jahre. Zunächst kommt es bei Betroffenen zum Verlust der Gehirnnervenzellen, die sich durch psychische und intellektuelle Veränderungen und Aussetzer zeigen. Dann treten epileptische Anfälle und Ausfälle wichtiger Nervenfunktionen auf bis der Patienten im letzten Krankheitsstadium stirbt. (ag)

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Bild: Cornelia Menichelli / pixelio.de