Schulessen zum Großteil mangelhaft und ungesund

Fabian Peters

Test: Speiseangebot an Schulen erfüllt die Qualitätsstandards nicht

14.01.2012

Das Essen in den deutschen Schulmensen ist zum Großteil mangelhaft und ungesund. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Hochschule Niederrhein im Rahmen einer umfassenden Studie, die über einen Zeitraum von fünf Jahren die Qualität des Schulessens bei 200 schulischen Essensausgaben untersucht hat.

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Wie Professor Volker Peinelt, Experte für Catering-Services und Lebensmittelhygiene an der Hochschule Niederrhein, gegenüber der „Rheinischen Post“ erklärte, erfüllen „mehr als 90 Prozent der Schulen die Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) an gesundes Essen nicht.“ Bei der Überprüfung des Schulessens in 200 deutschen Mensen stellten die Gladbacher Forscher erhebliche Mängel sowohl bei der Hygiene, als auch bei der Ausgewogenheit der Speisepläne und der Qualität des Essens fest.

Zubereitung des Speiseangebots magelhaft
Einer der Hauptkritikpunkte der Wissenschaftler betrifft die Zubereitung des Speiseangebots. „Das Essen wird extern gekocht, warm angeliefert und in den Schulen oft bis zu sechs Stunden warmgehalten“, doch nach maximal drei Stunden seien Vitamine und Geschmack verloren, betonte Professor Volker Peinelt. So bilden die langen Warmhaltezeiten nach Ansicht des Experten das Hauptproblem. Allerdings war die Qualität des Essensangebots auch in den Schulen, wo frisch gekocht wurde, nicht viel besser, erklärte Peinelt. Über fünf Jahre hatten die Forscher das Essen in 200 Schulmensen kontrolliert und stellten dabei gravierende Mängel insbesondere bei der Qualität der Speisen fest. Die Hygiene und die Qualifizierung der Mitarbeiter ließen laut Aussage der Experten oftmals ebenfalls zu wünschen übrig. Peinelt und Kollegen plädierten daher einerseits für die Einführung einer Zertifizierungspflicht bei Caterern und Schulen sowie anderseits für ein Umdenken in Bezug auf die Bereitstellung des Essens.

Zertifizierung der Caterer und Schulmensen erforderlich
Als Königsweg beschrieben die Gladbacher Forscher die sogenannte „Cook and chill“-Methode, bei der das Essen von professionellen Anbietern vorgekocht, sofort gekühlt und anschließend in den Schulen mit Heißluftdämpfern unmittelbar vor den Mahlzeiten wieder erhitzt wird. So könne sichergestellt werden, dass sowohl die Vitamine als auch der Geschmack einigermaßen erhalten bleiben. Angesicht der aktuellen Studienergebnisse sprach sich auch die Landesregierung Nordrhein-Westfalens für mehr Qualitätsnachweise beim Schulessen aus. Der Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalens, Johannes Remmel (Bündnis 90/Die Grünen) betonte gegenüber der „Rheinischen Post“: „Die Studie zeigt, dass hier Handlungsbedarf besteht.“ Nach Ansicht des NRW-Verbraucherschutzministers sollten die Schulen „daher darauf achten, dass die Caterer zertifiziert sind und dadurch die Qualitätsstandards einhalten.“ Allerdings seien auch die Kommunen in der Pflicht, da diese für die Bereitstellung des Schulessens zuständig sind.

Zweifel an den aktuellen Studienergebnissen zum Schulessen
Die Ergebnisse der Gladbacher Forscher werden von anderer Seite jedoch in Frage gestellt. So bezweifelte der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes NRW, Bernd-Jürgen Schneider, die aktuellen Studienergebnisse und hob hervor, dass die Untersuchung nicht repräsentativ gewesen sei. Seiner Ansicht nach wird durch die regelmäßigen Kontrolle der Gesundheitsämter und den Druck der Eltern eine hohe Qualität des Essens in den Schulen sichergestellt. Demgegenüber steht die Aussage der Wissenschaftler von der Hochschule Niederrhein, die bei ihrer fünfjährigen Untersuchung zu dem Ergebnis kommen, dass über 90 Prozent der Schulen in Deutschland die Qualitätsstandards an gesundes Essen nicht erfüllen. Auch wenn die Studienergebnisse an dieser Stelle möglicherweise zu einer leicht überspitzen Darstellung kommen und sicher alle Schulen bemüht sind, den Heranwachsenden einen ausgewogenes Speiseangebot zu präsentieren, so ist davon auszugehen, dass zumindest in einigen Schulmensen erhebliche Defizite bestehen. Diese zu bestreiten und weiter wie bisher zu verfahren, kann daher keine Lösung sein. Vielmehr sind neue Modelle für das Essensangebot an den Schulen gefragt. (fp)

Bild: S. Media / pixelio.de