Schulprobleme durch häufige Computernutzung

Sebastian

Kinder und Jugendliche, die einen hohen Medienkonsum aufweisen, leiden häufiger unter Schulproblemen

29.02.2012

Ein erhöhter Computer- und Fernsehkonsum führt bei vielen Schülern zu schlechteren Schulnoten und sozialen Problemen. Das berichtet eine aktuelle Beobachtungsstudie der DAK Gesundheit in Zusammenarbeit mit der Universität Lüneburg. Laut der Ergebnisse verbringt mittlerweile jeder fünfte schulpflichtige Jugendliche mehr als sechs Stunden pro Tag am PC oder vor dem Fernseher. Häufig, so das Resümee der Forscher, führt die häufige Bildschirmzeit zu Schulproblemen. Auswirkungen auf das soziale Leben habe ein häufiger Medienkonsum allerdings nicht.

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Laut einer Studie der DAK und Wissenschaftlern der Leuphana Universität in Lüneburg verbringen zahlreiche Schüler zu viel Zeit am Computer oder vor dem Fernseher. Beinahe jeder fünfte Jugendliche verbringt mehr als 6 Stunden pro Tag am Computer oder TV-Gerät. Diejenigen, die viel Zeit mit Internet-surfen oder Computerspielen verbringen, berichten signifikant häufiger über unzufriedene Schulleisten und Unlust, als Schüler die insgesamt einen geringeren Medienkonsum aufwiesen. Besonders stark betroffen sind Jugendliche zwischen 15 und 16 Lebensjahre. Hier lag der Anteil der intensiven Nutzer bei 23 Prozent.

Nach Ansicht der Kasse „deuten die Ergebnisse daraufhin, dass übermäßiger Medienkonsum häufiger zu Schulproblemen führt“, wie der DAK-Sprecher Cornelius Erbe erklärte. Die Forscher schließen nicht aus, dass auch eine „umgekehrte Wirkungsweise“ möglich ist. „Wer Schwierigkeiten in der Schule hat, versucht sich möglicherweise mit einem hohen Medienkonsum abzulenken.“

Soziales Leben findet trotz PC oder Fernseher weiterhin statt
Vereinsamen die intensiven Computernutzer, wie vielfach angenommen? Vermutlich hat der Medienkonsum keine Negativfolgen für das soziale Leben. Jugendliche, die viele Stunden vor dem PC hocken, treffen sich sogar häufiger mit Freunden und Bekannten als andere. Soziale Netzwerke wie Facebook und Co animieren zum Verabreden und Medien werden oft in der Freizeit gemeinsam genutzt. Viele Jugendliche treffen sich zum gemeinsamen Computerspielen oder schauen zusammen TV-Serien oder Filme. Über 90 Prozent der Umfrageteilnehmer gab beispielsweise an, vier oder mehr Freunde zu haben. 61 Prozent der intensiven Nutzer sagten, sie würden sich dreimal oder häufiger in der Woche mit Freunden treffen. Bei den Wenig-Nutzern waren es zum Vergleich nur 47 Prozent. Aktive Bewegung, organisierte Freizeitangebote oder Sport werden bei häufigem Medienkonsum laut Studiendaten jedoch eher vernachlässigt.

Besonders hoch ist die Quote der intensiven Nutzer bei den Haupt- und Realschülern. 39 Prozent der Gruppe gab an, mehr als drei Stunden am Tag vor dem Fernseher zu sitzen. Schüler der Oberstufen (Gymnasien) gaben an, im Durchschnitt 17 Prozent sich mehr als drei Stunden den Medien hinzugeben.

Verantwortlicher Umgang mit dem Internet
Diplom-Psychologin Ina Cramer von der Leuphana Universität Lüneburg erklärte, für „Kinder und Jugendliche ist die Nutzung von Medien und sozialen Netzwerken ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens“ geworden. Der Umgang mit dem Internet ist in den meisten Fällen viel verantwortlicher, als allgemein angenommen wird. Wenn die häufige Nutzung des Internets zu einem auffälligen Verhalten führt und die Schulleistungen darunter leiden, sollten Eltern das Gespräch mit ihrem Kind suchen und nach Kompromissen suchen. Um zu wissen, was die Kinder und Jugendlichen in ihrem Alltag beschäftigt, „sollten Eltern sich mit Thema neue Medien beschäftigen“, sagt Sozialarbeiterin Gritli Bertram.

Lehrer brauchen mehr Medienkompetenz
Nach Meinung der Psychologin sollten auch die Schulen ihre Augen nicht verschließen. Ihnen kommt eine besondere Bedeutung in Sachen Prävention von riskantem Medienverhalten zu. Aus diesem Grund sollten nach Ansicht der Expertin Pädagogen und Lehrkräfte in „Vermittlung von Medienkompetenzen" geschult werden. "Der kritischen Reflektion von Medien, ihren Funktionen und ihren Inhalten kommt künftig eine gewichtige Rolle zu."

Die vorliegende Studie „Medienkonsum von Schülerinnen und Schülern“ entstand im Rahmen der Initiative „Gemeinsam gesunde Schule entwickeln“. Die Studie dauerte insgesamt drei Jahre und wurde an unterschiedlichen Schulen durchgeführt. An den Umfragestudie im Mai 2008, Mai 2009 und Mai 2010 nahmen fast 6000 Schüler und beinahe 1.300 Lehrer von neun Haupt-, Real- und Regionalen Schulen, drei Gesamtschulen, sieben Gymnasien und sechs Berufsschulen teil. (sb)