Schulzentrum Heide: Verletzte durch Schülerstreich

Fabian Peters

Schülerstreich: Rund 50 Schüler müssen im Krankenhaus behandelt werden. Jugendliche lösten Gas-Alarm im Schulzentrum Heide aus. Die Polizei geht nach eigenen Angaben ersten Hinweisen nach. Bislang konnten noch keine Täter ermittelt werden.

(05.11.2010) 50 Schüler mussten nach einen unüberlegten Streich im Schulzentrum Heide mit schweren Atemwegsbeschwerden und Übelkeit ins Krankenhaus eingeliefert werden. Bisher unbekannte Mitschüler hatten Chemikalien in die Toilette geschüttet, welche bei Kontakt mit Wasser eine massive Gasentwicklung verursachten. Nachdem sich die ersten Schüler über Atembeschwerden beklagt hatten und zahlreiche Mädchen und Jungen sich vor Übelkeit erbrechen mussten, wurde Großalarm für alle Rettungskräfte der Region ausgelöst und die Schule umgehend geschlossen.

Polizei geht ersten Hinweisen nach
Einen Tag nach dem Schülerstreich geht die Polizei ersten Hinweisen nach. So sagte der Sprecher Michal Baudzus der Polizeidirektion Itzehoe am Freitag: „Wir gehen allen Hinweisen nach“. Aus Ermittlungsaspekten wollte die Polizei noch keine genauen Angaben machen, um die möglichen Täter nicht zu warnen. Ungeklärt ist bislang auch, um welche Chemikalie es sich handelte. Es kann allerdings davon ausgegangen werden, dass die Täter sehr bald gefasst sind.

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Rund 100 Verletzte, 50 Schüler mussten in die umliegenden Krankenhäuser verbracht werden
Um 9.30 Uhr wurde der Unterricht im Schulzentrum Heide-Ost von Schulleiter Günter Orgis über die Lautsprecher schlagartig als beendet erklärt. Alle Schülerinnen und Schüler waren aufgefordert das Gebäude zu verlassen. Der Grund: Gasentwicklung auf einer Toilette und entsprechende Atemwegsreizungen bei zahlreichen Schülern, verbunden mit Übelkeit und Kopfschmerzen. Der Direktor löste Großalarm aus und die kurz danach eintreffenden Rettungskräfte der Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks richteten in der angrenzenden Turnhalle umgehend ein provisorisches Behandlungszentrum ein, um die über 100 Verletzten zu versorgen. 50 Schülern ging es jedoch so schlecht, dass sie zur Behandlung in das Westküstenklinikum und weitere Kliniken medizinisch behandelt werden mussten.

Chemikalie in die Toilettenbecken gekippt
Was genau passiert ist, können weder die die Rettungskräfte noch die Polizei bisher eindeutig sagen. Fest steht nur, dass eine bisher nicht identifizierte Chemikalie in die Toilette gekippt wurde und hier mit dem Wasser reagierte. Dabei entstanden Gase, die sich schnell im Gebäude verbreiteten und von den Schülern eingeatmet wurden. Es roch plötzlich so komisch und im selben Moment habe er auch schon ein Kratzen im Hals gespürt und musste Husten, erklärte einer der betroffenen Schüler. Anderen wurde so schlecht dass sie sich übergeben mussten. Welche Chemikalie dies ausgelöst hat, hoffen die Fachleute im Rahmen der Analyse des Wassers und der Gasrückstände im Gebäude herauszufinden. Die von den Chemikern und Spezialisten der Feuerwehr genommenen Proben werden zur Analyse nach Hamburg geschickt.

Streich könnte für den Täter teuer werden
„Ein schlimmer Schüler-Streich mit immensen Folgen“ beurteilte Itzehoes Polizeisprecher Michael Baudzus die Situation. Er geht davon aus, dass einer der 1.400 Schüler des Schulzentrums die Chemikalie in das Toilettenbecken gekippt hat. Ob die Polizei schon einem Verdächtigen auf der Spur ist, wurde von Baudzus jedoch nicht kommentiert. Die Ermittlungen laufen. Wenn die Polizei den Täter tatsächlich fasst, wird diesen der „Dumme-Jungen-Streich“ auf jeden Fall sehr teuer zu stehen kommen. Denn neben den eventuellen Schmerzensgeld-Forderungen der zahlreichen verletzten Schüler, wären auch die Kosten des Einsatzes mit mehr als 100 Helfern von Polizei, Feuerwehr oder Technischem Hilfswerk zu begleichen. Zuzüglich der Kosten für mehrere Dutzend Notarzt- und Rettungswagen, welche aus der ganzen Region für den Einsatz am Schulzentrum Heide-Ost abgestellte wurden.

Eltern sollten betroffene Kinder beobachten
Den Eltern der Schüler des Schulzentrums Heide-Ost riet die Polizei, ihre Kinder zu beobachten und bei auftretenden gesundheitlichen Störungen, wie Unwohlsein oder Atemwegsbeschwerden umgehend einen Arzt aufzusuchen. Zudem haben die Eltern die Möglichkeit zusätzliche Informationen beim von der Schule eingerichteten Bürgertelefon unter der Rufnummer 0481-971597 zu erhalten. Am heutigen Freitag bleibt die Schule nach Angaben der Polizei vorerst geschlossen. Ob am Montag dann der normale Schulbetrieb einfach so weiter gehen kann, bleibt jedoch zu bezweifeln, da Schüler und Lehrer sicher einige Zeit brauchen werden, um die Erlebnisse zu verarbeiten. Zwar fallen manche Schüler immer wieder durch besonders dumme Streiche auf, die teilweise auch ihre Mitschüler ernsthaft gefährden, doch eine so weitreichende Wirkung wie der jetzige Fall haben diese nur selten. Die in jüngster Vergangenheit bereits mehrfach zu beobachtenden Großalarme an den Schulen in Schleswig-Holstein waren anders als im Fall Heide-Ost meist durch vermeintliche Amokdrohungen bedingt, auf welche die Behörden jeweils mit entsprechenden festgelegten Notfallplänen reagierten. Zum Ernstfall kam es dabei bisher glücklicherweise nicht. (fp)