Schutz vor Krebs: Experten empfehlen HPV-Impfung jetzt auch bei Jungen

Alfred Domke

Krebserregende humane Papillomviren: STIKO empfiehlt HPV-Impfung auch für Jungen

Schon seit März 2007 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die HPV-Impfung für Mädchen, mit dem Ziel, die Zahl der Gebärmutterhalskrebsfälle deutlich zu verringern. Nun raten die Gesundheitsexperten, auch Jungen gegen die Viren zu impfen. Die Impfung schützt auch vor verschiedenen anderen Krebsarten, die Männer betreffen.


Viren können Krebs verursachen

Humane Papillom-Viren (HPV) sind Krankheitserreger, die Entzündungen und Hautveränderungen, schlimmstenfalls aber auch Krebs auslösen können. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die HPV-Impfung für Mädchen ab neun Jahren schon seit 2007. Dadurch soll die Zahl der Gebärmutterhalskrebsfälle deutlich verringert werden. Manche Gesundheitsexperten fordern schon seit Jahren, die HPV-Impfung auch für Jungen zu empfehlen, da diese unter anderem vor Genitalwarzen und Vorstufen des Penis- und Analkarzinoms schützen kann. Einer dieser Experten ist der Medizin-Nobelpreisträger Harald zur Hausen. Gegenüber dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) meinte er, es „wurde auch höchste Zeit“, dass die HPV-Impfung für Jungen empfohlen wird.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat beschlossen, die Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) für alle Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren zu empfehlen. (Bild: esben468635/fotolia.com)

Impfung gegen humane Papillomviren auch für Jungen

Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) auf seiner Webseite berichtet, hat die STIKO auf ihrer 90. Sitzung am 05. Juni 2018 folgenden Beschluss gefasst:

„Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) für alle Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Eine Nachholimpfung wird bis zum Alter von 17 Jahren empfohlen. Die HPV-Impfempfehlung für Mädchen bleibt unverändert.“

Diese Empfehlung ist die Grundlage für eine Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen, erklärt das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in einer Pressemitteilung, in der der Medizin-Nobelpreisträger Harald zur Hausen zum Thema befragt wurde.

Harald zur Hausen, ehemaliger Vorstandvorsitzender des DKFZ, hat mit seiner Forschung den Zusammenhang von Viren und Gebärmutterhalskrebs belegt und damit die Grundlage für die Entwicklung der HPV-Impfstoffe geschaffen.

Dafür wurde er 2008 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet.

Schutz vor vermeidbaren Krebserkrankungen

Zur Hausen hatte schon seit der HPV-Impfstoff 2007 in Deutschland zugelassen wurde, gefordert, nicht nur Mädchen, sondern auch Jungen gegen HPV zu impfen.

Über die STIKO-Entscheidung sagte er: „Das wurde auch höchste Zeit! Es gibt ja schon seit langem eine ganze Reihe an zwingenden Gründen dafür, auch Jungs zu impfen: Das offensichtlichste Argument ist, dass in nahezu allen Kulturen die jungen Männer mehr Sexualpartner haben als Frauen der gleichen Altersgruppe. Damit sind Männer die wichtigsten Verbreiter der Infektion.“

Zudem profitieren auch die Männer von der Impfung, da sie nicht nur die Überträger, sondern auch die Opfer der Viren sind.

„Die Impfung schützt ja nicht nur vor Gebärmutterhalskrebs, sondern auch vor verschiedenen anderen Krebsarten, die auch Männer treffen können, und die durch die gleichen HPV-Typen ausgelöst werden, etwa Mund-Rachen-Krebs oder Analkrebs“, so der Medizin-Nobelpreisträger.

„Ich kann daher nur an die Eltern aller Jungs appellieren: Nutzen Sie die Chance und schützen Sie Ihren Sohn und seine zukünftigen Partnerinnen vor diesen vermeidbaren Krebserkrankungen“, sagte der Experte.

Den Angaben zufolge gehen pro Jahr in Deutschland etwa 1.000 Krebsfälle bei Männern auf das Konto von HPV.

„Neben dem wirksamen Schutz vor Krebs kann die Impfung auch vor den weitverbreiteten Genitalwarzen schützen, die zwar nicht lebensbedrohlich, dafür aber sehr hartnäckig und unangenehm sind“, so zur Hausen.

Gut verträgliche Impfstoffe

Die derzeit verwendeten Impfstoffe gelten laut dem DKFZ als sicher und gut verträglich.

Die häufigsten beobachteten Nebenwirkungen sind – ähnlich wie bei anderen Impfungen – Hautreaktionen an der Einstichstelle wie Rötungen, Juckreiz, leichte Schmerzen und Schwellungen.

Seltener können beispielsweise Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Schwindel oder Überempfindlichkeitsreaktionen wie Atembeschwerden auftreten. (ad)