Schwangerschaft: Rauchen macht kriminell?

Heilpraxisnet

Rauchen Mütter während der Schwangerschaft, so könnten die Nachkommen später kriminell werden. Das jedenfalls behauptet eine US-Amerikanische Studie. Sozialer Status oder Armut fanden in der neuerlichen Studie keine Beachtung.

Rauchen werdende Mütter während der Schwangerschaft, so könnte sich das negativ auf die Gesundheit des Kindes und auswirken. Diese Tatsache ist unter Wissenschaftler und Medizinern unbestritten. Doch eine Studie der US-Amerikanischen Harvard Universität in Cambridge/Massachusetts will nun belegen, dass Rauchen auch das kriminelle Potenzial von Kindern später erhöht. Diese beinahe absurde Theorie hat aller Wahrscheinlichkeit weniger mit dem Zigarettenkonsum als solches zu tun, sondern eher mit den sozialen Umständen, in denen sich die Mütter befinden. Allerdings konnten weitere Studien nachweisen, dass insbesondere das in Zigaretten enthaltene Nervengift Nikotin zu Hirnschäden des Ungeborenen führen kann.

Die Forscher der Harvard University haben die Vorstrafen von rund 4.000 Menschen im Alter zwischen 33 und 40 Jahren ausgewertet und gleichzeitig den Zigarettenkonsum der Mütter während der Schwangerschaft überprüft. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass sich das kriminelle Potenzial der Kinder jeweils erhöht, wenn die Mütter im Schwangerschaftsverlauf mindestens eine Schachtel Zigaretten rauchten. Das Risiko, so die Forscher, steige demnach um 30 Prozent. Dennoch gaben die Autoren der Studie an, dass ein Zweifelsfreier kausaler Zusammenhang zwischen rauchenden Müttern und kriminellen Kindern nicht eindeutig nachgewiesen werden kann. Unabhängig bei dieser Studie war, ob die Nachkommen männlich oder weiblich waren.

Mehr zum Thema:

Zusammenhang mit geringer Kausalität
Die Forscher selbst geben an, dass das Ergebnis der Studie zwar ein Indiz für diesen vermeintlichen Kontext darstellt, ein zweifelsfreier Beweis für eine spätere Kriminalität der Kinder aufgrund des Konsums von Zigaretten der Mütter allerdings nicht erbracht werden kann. Demnach besteht anders als in den meisten Medien publiziert, lediglich ein sehr geringer kausaler Zusammenhang. Nur aus den ausgewerteten Daten leiten die Forscher ab, dass sich das Risiko quasi um 30 Prozent für eine spätere kriminelle Laufbahn erhöht, wenn Frauen im Verlauf einer Schwangerschaft rauchten. Andere wesentliche Faktoren wie akute Armut, psychische und familiäre Probleme oder sozialer Status wurden in der Studie nicht berücksichtigt. So weisen andere Studienergebnisse beispielsweise daraufhin, dass Menschen, die über einen wohlhabenden Status verfügen, gesünder leben und damit auch weniger rauchen.

Sozialer Status der Mütter
Zwar betonten die Forscher der Harvard Universität, dass bei voran gegangen Langzeitstudien der Zusammenhang zwischen dem Rauchen der Mütter und den kriminelle Energien der Nachkommen ebenfalls ein Nachweis erbracht werden konnte. Hier habe man weitere Faktoren wie zum Beispiel psychische Krankheiten, seelische Belastungen und familiäre Nöte oder Armut im Vorfeld ausgeschlossen. Allerdings wurde hier der Zusammenhang zwischen passivem Rauchen der Kinder und dem späteren psychisch auffälligem Verhalten untersucht. Die Forscher schließen daher daraus, dass dieser Zusammenhang auch in der aktuellen Studie bestehe. Die Forscher benennen allerdings nicht, ob weitere Faktoren wie ungesunde Ernährung oder Alkoholgenuss hinzu kamen. Denn hier wurden spätere Verhaltensauffälligkeiten der Kinder durch entsprechende Vorschädigungen innerhalb der Schwangerschaft bereits nachgewiesen.

Rauchen ist schädlich für Kind und Mutter
Unbestritten ist, dass Rauchen und Alkoholkonsum schwere gesundheitliche Folgen für das Ungeborene Kind nach sich ziehen kann. Die Entwickelung des Kindes kann nachhaltig und auf Lebenszeit geschädigt werden. Aufgrund zahlreicher wissenschaftlicher Studie konnte bereits in diesem Zusammenhang festgestellt werden, dass Alkohol und Nikotin zu Verhaltensstörungen wie ADHS oder antisozialen Verhaltensstrukturen wie eine erhöhte Aggressivität führen kann. Der Kinderarztes Prof. Hans-Jürgen Spohr mahnte unlängst, dass schon ein geringer Alkoholkonsum während im Schwangerschaftsverlauf bei den Kindern später von leichten Konzentrationsproblemen bis hin zu starken Schäden in der geistigen und motorischen Entwicklung, Wachstumsstörungen und Gesichtsfehlbildungen führen kann. Auffällig ist nach Angaben von Professor Spohr, dass 70 Prozent der Alkoholkonsumenten auch als Erwachsene nicht ohne Betreuung leben können. Neun von zehn der Mütter, die Alkohol tranken hatten zudem keine Arbeit. Zu mindestens hier wird klar, dass soziale Umstände und psychische Beeinträchtigungen auch beim Konsum von Zigaretten eine Rolle spielen müssen.

Nikotin schädigt Nervenbahnen
Das Nervengift Nikotin, dass ein giftiger Bestandteil von Zigaretten ist, kann die Neigung zur Kriminalität erhöhen. Auch hierauf beziehen sich die Forscher, um eine Kausalität herbei zu führen. Richtig ist, dass insbesondere Neurotransmitter-Rezeptoren durch Nikotin geschädigt werden können. Hieraus könnte sich ein Verhaltensauffälligkeit herleiten, da Kriminelle, die zu Wiederholungstaten neigen, oft unter neurologischen Beeinträchtigungen leiden. Dennoch, und dabei gibt es nichts zu beschönigen, spielt der soziale Status eine tragende Rolle. Die Studienergebnisse können in dem Fachmagazin "Journal of Epidemiology and Community Health" nachgelesen werden. (sb, 17.11.2011)