Schwangerschaft: Schmerzmittel Paracetamol kann Jungs später verweiblichen

Alexander Stindt
Wie wirkt es sich auf Kinder aus, wenn Mütter während der Schwangerschaft Paracetamol nehmen?
Forscher fanden jetzt heraus, dass die Verwendung von Paracetamol während der Schwangerschaft die Entwicklung der männlichen Verhaltensmuster bei Mäusen hemmen kann. Das Medikament kann sowohl den Sexualtrieb als auch aggressives Verhalten reduzieren.

Die Wissenschaftler der University of Copenhagen stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft sogenanntes männliche Verhaltensmuster reduzieren kann. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Reproduction“.

Die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft führt zu Veränderungen des Verhaltens bei den Kindern. Das Schmerzmittel hemmt männliche Verhaltensmuster und führt dazu, dass weibliche Mäuse im späteren Leben weniger Eizellen in ihren Eierstöcken produzierten. (Bild: BestForYou/fotolia.com)

Paracetamol schadet der Entwicklung von männlichen Verhaltensweisen
Das Medikament Paracetamol wird besonders für seine schmerzlindernde Wirkung geschätzt. Schwangere sollten sich aber besser zweimal überlegen, ob sie Paracetamol verwenden. In einen Tiermodel führte das Medikament dazu, dass die Entwicklung von männlichen Verhaltensweisen unterdrückt wurde, sagen die Autoren der Studie.

Paracetamol kann Fehlbildungen der Hoden bewirken
Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass Paracetamol die Entwicklung des männlichen Sexualhormons Testosteron bei den Föten hemmen kann. Dadurch wird das Risiko einer Fehlbildung der Hoden bei Säuglingen erhöht. Aber ein reduzierter Testosteronspiegel im fetalen Stadium ist auch für das Verhalten der erwachsenen Männchen signifikant, erklären die Wissenschaftler.

Veränderungen konnten noch im Erwachsenenalter festgestellt werden
Ein reduzierter Testosteronspiegel führt dazu, dass männliche Eigenschaften sich nicht so entwickeln, wie sie es eigentlich sollten, sagen die Forscher. Wenn die Versuchstiere Paracetamol im fetalen Stadium ausgesetzt waren, konnten sie nicht auf die gleiche Weise kopulieren, wie die Gruppe von Kontrolltieren. Die sogenannte männliche Programmierung war während der fetalen Entwicklung nicht ordnungsgemäß etabliert worden, was auch noch später im Erwachsenenalter bei den Tieren beobachtet werden konnte, fügen die Autoren in einer Pressemitteilung hinzu.

Ähnliche Versuche an Menschen wären unangebracht
Die den Mäusen verabreichte Dosierung entsprach ungefähr der empfohlenen Dosierung für schwangere Frauen. Weil die Versuche auf Mäuse beschränkt sind, können die Ergebnisse nicht direkt auf den Menschen übertragen werden, erläutern die Mediziner. Angesicht der Gewissheit über die schädlichen Auswirkungen von Paracetamol in der Schwangerschaft seien ähnliche Versuche an Menschen jedoch unangebracht.

Welche männlichen Verhaltensweisen waren betroffen?
Testosteron ist das primäre männliche Sexualhormon. Es hilft die männliche Programmierung des Gehirns zu entwickeln. Die verminderten maskulinen Verhaltensweisen bei Mäusen, die von den Forschern beobachtet wurden, waren die Aggressivität gegenüber anderen männlichen Mäusen, die Fähigkeit zu kopulieren und die Neigung zur territorialen Markierung. Die von Paracetamol betroffenen Mäuse reagierten bei allen drei Faktoren deutlich passiver als normal. Sie griffen andere männliche Mäuse nicht an, sie hatten Probleme sich zu vermehren und verhielten sich wie weibliche Mäuse, wenn es um die territoriale Markierungen ging, sagen die Wissenschaftler.

Wie wirkt sich der Mangel von Testosteron auf das Gehirn aus?
Nach der Beobachtung der veränderten Verhaltensmuster untersuchten die Forscher die spezifischen Auswirkungen eines Mangels an Testosteron im Gehirn. Die Ergebnisse zeigten sich auch hier deutlich. Der Bereich des Gehirns, der den Sexualtrieb kontrolliert, enthielt in den Paracetamol-Mäusen halb so viele Neuronen, erklären die Experten. Die Hemmung von Testosteron führte außerdem zu einer Halbierung der Aktivität in einem Bereich des Gehirns, welcher für männliche Eigenschaften signifikant ist.

Auswirkungen auf weibliche Mäuse
Diese Studie konzentrierte sich auf die Wirkung von Paracetamol auf männliche Eigenschaften. Die Verwendung von Paracetamol während der Schwangerschaft beeinflusst aber auch das spätere Leben von weiblichen Mäusen, erläutern die Studienautoren. Im Jahr 2016 habe beispielsweise eine andere Studie ergeben, dass weibliche Mäuse weniger Eizellen in ihren Eierstöcken hatten, wenn ihre Mütter während der Schwangerschaft Paracetamol erhielten. Dies führte dazu, dass diese Mäuse schneller unfruchtbar wurden. (as)