Schwangerschaft trotz Rheuma

Heilpraxisnet

Was Frauen mit Rheuma bei einer Schwangerschaft beachten sollten

17.07.2014

Frauen, die an Rheuma leiden, sind im Alltag häufig eingeschränkt. Um die Beschwerden in den Griff zu bekommen, sind sie meist ein Leben lang auf starke Medikamente angewiesen. Während Ärzte früher betroffenen Frauen nicht selten von einer Schwangerschaft abgeraten haben, können sich Frauen heute in vielen Fällen ihren Kinderwunsch trotz Rheuma erfüllen. Wer sich Nachwuchs wünscht, sollte die Schwangerschaft aber gut planen. Die Nachrichtenagentur „dpa“ sprach mit einer Rheuma-Patientin und Ärzten über mögliche Probleme und deren Lösungen bei einer Schwangerschaft mit Rheuma.

Bestimmte Medikamente gegen Rheuma können das ungeborene Kind schädigen
Es sind rund 300 verschiedene rheumatische Krankheitsbilder bekannt, deren Verlauf und Ausprägung zum Teil stark von einander abweicht. So kann Rheuma die Gelenke und Knochen, die Muskeln, die Organe, das Bindegewebe und die Gefäße betreffen. Ebenso gehen Stoffwechselstörungen wie Gicht mit rheumatischen Beschwerden einher. Weltweit ist 0,5 bis ein Prozent der Bevölkerung von einer rheumatoiden Arthritis betroffen, die durch Entzündungen der Gelenke gekennzeichnet ist. Frauen sind dreimal häufiger betroffen als Männer, wobei etwa ein Fünftel die Diagnose vor der ersten Schwangerschaft erhält.

Maria Krauser erkrankte im Alter von vier Jahren an einer frühen Form von rheumatoider Arthritis. Seit dem leidet die heute 32-Jährige an den schmerzhaften Entzündungen der Gelenke, die sich über die Jahre zum Teil verformten. Um die Beschwerden einzudämmen, nimmt die junge Frau dauerhaft starke Medikamente, zu denen auch Methotrexat (MTX) gehört. Das Mittel wirkt embryoschädigend und sollte deshalb nicht während einer Schwangerschaft eingenommen werden. Mit Mitte Zwanzig wünschte sich Maria Krause ein Kind. Aber welche Medikamente könnte sie während einer Schwangerschaft nehmen, die einerseits die Krankheit in Schach hielten und anderseits das Kind nicht schädigten?

Manchmal ist ein Kaiserschnitt bei Rheuma-Patientinnen notwendig
Nach einer eingehenden Beratung durch ihre Ärzte setzte die junge Frau MTX ab und nahm stattdessen unter anderem ein niedrig dosiertes Kortison-Präparat. „Glücklicherweise bekam ich keinen Krankheitsschub", berichtet sie gegenüber der Nachrichtenagentur. „Die erste Schwangerschaft verlief gut, ich fühlte mich fit und nahm auch nicht zu viel zu." Ihr erster Sohn kam 2009 per Kaiserschnitt zur Welt. „Ich hatte 2007 eine künstliche Hüfte bekommen und wollte kein Risiko eingehen, dass während der Geburt etwas passiert am Gelenk."

Wie Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, gegenüber der Nachrichtenagentur erläutert, wird aber nicht jeder Rheuma-Patientin zu einem Kaiserschnitt geraten. Bei einer sehr schwachen Muskulatur oder einer stark betroffenen Wirbelsäule und Hüfte sei aber ein geplanter Kaiserschnitt besser.

Im Jahr 2010 musste sich Maria Krauser erneut einer Hüft-Operation unterziehen, bei der das zweite Hüftgelenk ersetzt wurde. Sie nahm aber weiterhin kein MTX, da sie sich ein weiteres Kind wünschte. Ihr zweiter Sohn wurde drei Jahre später geboren. „Bei der zweiten Schwangerschaft und auch nach der Geburt war alles stressiger", berichtet die 32-Jährige.

Inzwischen hat sich Maria Krauser gut in ihren Alltag mit der Krankheit und zwei kleinen Kindern eingefunden. Sie berät ehrenamtlich betroffene Frauen und junge Rheuma-Kranke für die Rheuma-Liga. Zudem betreut sie die Gruppe „Familie trotz Rheuma – die etwas andere Gesprächsgruppe". „Es gibt einen regen Austausch oder auch Tipps, wie man die Kinder beispielsweise trotz Gelenkbeschwerden, heben, tragen oder wickeln kann", erzählt die junge Frau. „Mit einem guten Netzwerk und guter Beratung ist ein Leben mit Rheuma und Familie prima möglich."

Können Rheuma-Medikamente während der Schwangerschaft eingenommen werden?
Eine Schwangerschaft und Rheuma schließt sich heute nicht mehr aus. „Früher hat man diesen Frauen nicht selten ganz von einem Kind abgeraten. Das ist heute nicht mehr so, aber eine Schwangerschaft und auch die Zeit danach sollte möglichst optimal geplant sein", erläutert Rebecca Fischer-Betz von der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) gegenüber der Nachrichtenagentur. Laut einiger Studien treten bei Frauen mit rheumatoiden Arthritis häufiger Wachstumsverzögerungen des Babys in der Gebärmutter auf. Zudem soll das Risiko für Frühgeburten erhöht sein. Darüber hinaus komme es häufiger zu sogenannten Schwangerschaftsvergiftungen mit einem starken Blutdruckanstieg zur Geburt hin, berichtet Albring. „Deswegen werden wir diese Frauen aufmerksam überwachen."

Die Schwangerschaft hat gleichzeitig auch einen positiven Effekt auf das Rheuma. Etwa bei der Hälfte der Patientinnen gehen die Schmerzen und Gelenkschwellungen während sie schwanger sind aufgrund der Hormonumstellung zurück. Nach der Geburt komme es aber häufig zu einem erneuten Krankheitsschub, so Albring. Dann seien nicht selten stärkere Medikamente nötig. Eine rheumatoide Arthritis tritt oft in Schüben auf. „Ich empfehle, eine Schwangerschaft in einer Phase anzugehen, bei der das Rheuma stabil ist", rät Fischer-Betz. Medikamente, die dem Kind nicht schaden, sollten während der Schwangerschaft weiter eingenommen werden, um das Risiko von Krankheitsschüben und Schwangerschaftskomplikationen zu verringern.

Alternative zu starken Rheuma-Medikamenten während der Schwangerschaft
Die Rheumatologin, die an der Universitätsklinikum Düsseldorf tätig ist, betont aber, dass es sehr wichtig sei MTX und auch bestimmte andere Medikamente abzusetzen. MTX solle mindestens drei Monate vor der Empfängnis nicht mehr eingenommen werden. Dieses und andere Mittel können schwere Fehlbildungen beim Kind verursachen. „Wir gehen davon aus, dass das Risiko von Skelett-Fehlbildungen bei sechs bis acht Prozent liegt, wenn MTX in den ersten Wochen einer Schwangerschaft eingenommen wurde, das Risiko einer Fehlgeburt liegt bei etwa 40 Prozent", erläutert Fischer-Betz. Im Normalfall liegt das Risiko für Fehlbildungen bei etwa drei Prozent.

Seit zehn bis 20 Jahren sind sogenannte TNF-alpha-Blocker auf dem Markt, die unter Umständen statt MTX eingenommen werden können. „Wir haben aus Fallserien und Registern einen Überblick über etwa 1000 Schwangerschaften, bei denen in frühen Phasen der Schwangerschaft TNF-alpha-Blocker genommen wurden, es gibt aktuell keinen Anhalt für vermehrte Fehlbildungen", berichtet die Ärztin. „Doch wir hätten gerne noch mehr Sicherheit, um klare Empfehlungen aussprechen zu können.“

Bild: JMG / pixelio.de