Schwangerschaft: Verzicht auf Alkohol ist Pflicht

Fabian Peters

Schwangerschaft – Verzicht auf Alkohol ist Pflicht.

Tausende Kinder kommen in Deutschland jährlich mit Alkoholschäden zur Welt. So warnen die Ärzte auf eine Neues davor, dass Alkohol während der Schwangerschaft wie Gift wirken kann. Denn etwa 4.000 bis 10.000 Babys entwickeln jährlich aufgrund des Alkoholkonsums schwangerer Frauen bereits im Mutterleib schwere körperliche und geistige Schäden .Zwölf bis fünfzehn Prozent der werdenden Mütter konsumieren mindestens einmal pro Monat Alkohol, wobei dieser über die Plazenta direkt in den Blutkreislauf des ungeborenen Kindes gelangt.

Geringe Mengen Alkohol schon gefährlich für das Baby.
Dabei gilt bereits der Konsum geringer Menge als potenziell gefährlich für die Kinder, da diese den Alkohol nicht wie ein erwachsener Organismus abbauen können und daher länger der schädigenden Wirkung ausgesetzt sind.. Die möglichen Folgen sind vielfältig und können nach Aussage des Kinderarztes Prof. Hans-Jürgen Spohr von leichten Konzentrationsproblemen bis zu starken Schäden in der geistigen und motorischen Entwicklung, Wachstumsstörungen und Gesichtsfehlbildungen reichen. Oft haben die Zöglinge ein Leben lang unter den Folgen zu leiden. So mahnt auch Prof. Hans-Jürgen Spohr anlässlich des .„Tag des alkoholgeschädigten Kindes“ am 9. September, dass dies „eine Hypothek fürs ganze Leben“ ist und da die Ärzte „nicht genau wissen, wann und wie stark Alkohol in der jeweiligen Phase der Schwangerschaft wirkt, sollten Frauen auf jedes Glas verzichten, sobald sie wissen, dass sie schwanger sind“.

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Prof. Hans-Jürgen Spohr leitet mit dem Gynäkologen Prof. Joachim Dudenhausen an der Berliner Charité eines der wenigen deutschen Beratungszentren für Kinder mit Fetalem Alkoholsyndrom (FAS) bzw. mit Alkoholembryopathie (AE). Initiiert wurde das Beratungszentrum von der „Stiftung für das behinderte Kind“. Die Ärzte diagnostizieren mit Hilfe des „4-Punkte-Untersuchungsprogramms“ vorerst die Schädigungen der betroffenen Kinder. Denn laut Prof. Spohr ist „die größte Hilfe für die Familie (…) meist, dass die Betroffenen endlich wissen, was los ist“. Chancen auf Heilung gibt es jedoch keine, sondern den FAS-Patienten können nur verschiedene Therapieansätze angeboten werden, um je nach Ausprägung der Behinderung den Alltag besser zu bewältigen: Denn auch die Langzeitdaten sind ernüchternd. 70 Prozent der Betroffenen können auch als Erwachsene nicht ohne Betreuung leben und neun von zehn waren ohne Job. So werden nach Aussage von Prof. Spohr aus „stark alkoholgeschädigten Kindern (…) Erwachsene, die selten mit dem Leben klar kommen. Und junge Männer haben es besonders schwer“.

Neben dem Down-Syndrom ist FAS die häufigste Ursache für angeborene Behinderungen, wobei diese jedoch in 100 Prozent der Fälle vermeidbar wären. So ist absoluter Alkoholverzicht während der Schwangerschaft und der Stillzeit ein Muss, denn der Alkohol gelangt nicht nur über die Plazenta sondern auch über die Muttermilch in den Blutkreislauf des Kindes und kann anschließend zu schweren psychischen und physischen Schädigungen führen. Zudem sollte ebenfalls auf den Konsum anderer Giftstoffe wie z. B. Nikotin verzichtet werden. Frauen, die aufgrund ihrer persönlichen Sucht nicht auf Alkohol bzw. andere Drogen in der Schwangerschaft verzichten können, wird dringend geraten, sich ärztlichen Beistand zu holen und offen über ihr Problem zu reden. Denn noch schlimmer als der Konsum schädlicher Substanzen während der Schwangerschaft ist, wenn die werdenden Mütter aus Scham schweigen und weder dem Kind noch ihnen geholfen werden kann. Generell ist ein Gespräch mit dem Arzt über die Gefährdung des Ungeborenen durch den Konsum von Sucht- und Genussmitteln niemals verkehrt. (fp)