Schwangerschaftsdiabetes: Risiko für Diabetes-Typ2

Nina Reese

Schwangerschaftsdiabetes begünstigt spätere Erkrankung an Diabetes Typ 2

27.06.2013

Frauen, die während der Schwangerschaft an einer vorübergehenden Schwangerschaftsdiabetes erkranken, haben ein deutlich erhöhtes Risiko, innerhalb von acht Jahren nach der Entbindung dauerhaft an Diabetes Typ 2 zu erkranken – zu diesem Ergebnis ist eine südkoreanische Langzeit-Studie gekommen, die aktuell im „Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism“ veröffentlicht wurde.

Mehr als ein Zehntel bereits nach zwei Monaten erhöhte Blutzuckerwerte
So ergab die Langzeitstudie, für die insgesamt 843 Frauen nach einer Schwangerschaftsdiabetes regelmäßig untersucht worden waren, dass „bereits zwei Monate nach Entbindung 105 (12,5%) Probandinnen erhöhte Blutzuckerwerte hatten („Early-Converter“) und von den 370 übrigen Frauen, die mehr als 1 Jahr lang weiter untersucht worden waren, 88 Probandinnen (23,8%) erneut an Typ 2-Diabetes erkrankten („Late-Converter“)“, so die südkoreanischen Forscher in ihrem Fachartikel im „Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism“.

Häufigkeit bestimmter Genvarianten ausschlaggebend
Dabei hätte sich den Wissenschaftlern nach gezeigt, dass die so genannten „Early-Converter“ häufiger eine bestimmte Genvariante (HHEX) aufwiesen, die die Anfälligkeit für Typ-2-Diabetes steigert, wohingegen bei den Frauen, die die Typ-2-Diabetes später entwickelten ("Late Converter“), eine andere Gen-Variante (CDKAL1) relativ häufig vorlag – womit laut Professor Dr. med. Andreas Fritsche, Pressesprecher der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) aus Tübingen, Studien bestätigt würden, „die auf eine erbliche Veranlagung für eine Typ-2-Diabetes hinweisen", so eine aktuelle Pressemitteilung der DDG.

Langzeit-Studie untersucht schwangere Frauen in Tübingen, München und Düsseldorf
Auch das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) in Tübingen, München und Düsseldorf beschäftigt sich derzeit mit dem Thema „Schwangerschaftsdiabetes“ – hier sollen im Rahmen der „Deutschen Gestationsdiabetes Studie“ (PREG) schwangere Frauen mit und ohne Schwangerschaftsdiabetes über insgesamt zehn Jahre nachuntersucht und frühzeitig Diabetes-Vorstufen festgestellt sowie unter Umständen vorbeugende Maßnahmen angeboten werden, so die Information auf der Website der DZD.

Vier Prozent aller Schwangeren erkranken an Gestationsdiabetes
Der Hintergrund: Laut der Deutschen Diabetes Gesellschaft tritt bei vier Prozent aller Schwangeren eine Gestationsdiabetes auf, wobei jede zweite der Betroffenen im Zeitraum von zehn Jahren nach der Entbindung eine Typ-2-Diabetes entwickeln würde – trotz eines nach der Geburt zunächst normalisierten Blutzuckerspiegels. Dementsprechend könne die aktuelle Gestationsdiabetes-Studie neue wichtige Erkenntnisse liefern: „Wir erhoffen uns von dieser Studie, das Erkrankungsrisiko in Zukunft besser abschätzen zu können und individualisierte Präventionsmaßnahmen anbieten zu können“, so Professor Dr. med. Andreas Fritsche.

Typ-2-Diabetes-Erkrankung nach Gestationsdiabetes „kein unabwendbares Schicksal“
Doch trotz des erhöhten Risikos für eine Typ-2-Diabetes nach einer Gestationsdiabetes sei eine Erkrankung laut der Deutschen Diabetes Gesellschaft „kein unabwendbares Schicksal“ – denn Frauen mit Gestationsdiabetes, die nach der Geburt stillen, „haben auf lange Sicht ein um 40 Prozent verringertes Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken“, zudem hätten US-Studien gezeigt, „dass Ernährungsumstellung und Gewichtsreduktion das Risiko für Typ-2-Diabetes halbieren können“, so die Mitteilung der DDG weiter.

Mindestens drei Monate stillen
Doch gerade beim Stillen gehe es vor allem um die Dauer – so hatten Wissenschaftler des Instituts für Diabetesforschung bereits 2012 herausgefunden, dass „nur wer länger als drei Monate stillte, ein 15-Jahres-Risiko für Typ-2-Diabetes von 42 Prozent“ hatte. Noch mehr konnten die Probandinnen ihr Erkrankungsrisiko verringern, wenn sie in diesem Zeitraum ihr Baby ausschließlich mit Muttermilch ernährten (15-Jahres-Risiko von 34,8 Prozent)“ so die DZD.

Wichtig: Nach der Entbindung regelmäßig den Glukosestoffwechsel kontrollieren
Zur Vorsorge empfiehlt die DDG neben dem Stillen und einer gesunden Ernährung bzw. Gewichtsreduktion zudem, den Glukosestoffwechsel nach der Entbindung regelmäßig kontrollieren zu lassen – selbst dann, wenn sich die Werte zunächst wieder normalisiert haben: „Wir empfehlen eine erste Blutglukosemessung sechs bis zwölf Wochen nach der Geburt", so DDG-Präsident Erhard Siegel – wenn sich dabei keine Auffälligkeiten zeigen, sollte die Kontrolle auf Empfehlung Siegels alle zwei bis drei Jahre wiederholt werden. (nr)

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Bild: knipseline / pixelio.de