Schwankende Sehschärfe erstes Anzeichen für mögliche Hornhautverkrümmungen

Fabian Peters
Hornhautverkrümmung kann schlimmstenfalls zur Erblindung führen
Sehstörungen sind nicht nur mit erheblichen Einschränkungen im Alltag verbunden, sie können auch auf ernsthafte Krankheiten wie beispielsweise eine Schlaganfall hinweisen. Ebenso sind Erkrankungen am Auge als mögliche Auslöser zu nennen, wobei diese sich heute jedoch in vielen Fällen erfolgreich therapieren lassen. Eine dieser Erkrankungen ist die Verformung der Augenhornhaut, bei der schlimmstenfalls eine Erblindung der Betroffenen. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung ist hier dringend angeraten.

Die krankhaften Verformung der Augenhornhaut (Keratokonus genannt) ist ein durchaus verbreitetes Beschwerdebild, das erhebliche Beeinträchtigungen der Sehschärfe zur Folge hat. Während bei einem gesunden Auge die Hornhaut flach auf Augapfel und Linse liegt, kommt es „beim Keratokonus zu einer zunehmend kegelartigen Verformung und Verdünnung der Augenhornhaut“, erklärt Dr. Stefan Lang, Facharzt an der Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg. Die Sehkraft der Betroffenen werde hierdurch erheblich eingeschränkt.

Die Verformung der Augenhornhaut hat erhebliche Beeinträchtigungen der Sehstärke zur Folge und kann schlimmstenfalls zur Erblindung führen. (Bild: vicu9/fotolia.com)

Symptome der Hornhautverkrümmung
Die Verformung der Hornhaut führt zu einer stark schwankenden Sehstärke, einer verzerrten Wahrnehmung der Umgebung oder gar Hornhauteinrissen und einer daraus folgenden Hornhauteintrübung, welche schlimmstenfalls eine Erblindung zur Folge haben kann, so die Mitteilung des Freiburger Uniklinikums. Der Erkrankungsbeginn liege dabei in der Regel schon in der Pubertät, allerdings kann es eine Weile dauern, bis eine entsprechende Diagnose gestellt wird.

Langfristig meist beide Augen betroffen
Im Zuge der Erkrankung zeigen sich „zunächst meist nur eine zunehmende Kurzsichtigkeit und Hornhautverkrümmung, weshalb häufig die Brille gewechselt wird“, erläutert Dr. Lang. Bei Verdacht auf eine Hornhautverkrümmung könne die Augenhornhaut mittels Keratometrie präzise vermessen werden. Dabei zeige sich oftmals zunächst nur ein Auge betroffen, aber in den meisten Fällen verschlechtere sich auch das zweite Auge im Laufe der Zeit, so der Augenfacharzt weiter.

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Verlauf individuell sehr unterschiedlich
Wie schnell und schwerwiegend die Krankheit verläuft, ist von Patient zu Patient sehr unterschiedlich, berichtet der Experte. Insbesondere bei jüngeren Patienten mit einem hohen Risiko zum Fortschreiten der Erkrankung sei eine sehr engmaschige Betreuung durch erfahrene Ärzte geboten, um zeitnah einschreiten zu können. Denn die Behandlung müsse kontinuierlich angepasst werden.

Verschiedene mögliche Behandlungsansätze
Anfangs lässt sich die schlechter werdende Sehschärfe meist durch eine Brille ausgleichen, doch diese hält die zunehmende Verformung der Hornhaut nicht auf. Durch formstabile Kontaktlinsen kann dieser Verformung entgegengewirkt werden. Auch könne eine Vernetzungsbehandlung sinnvoll sein, um das Fortschreiten der Erkrankung zu stoppen oder zumindest zu verlangsamen, berichtet die Freiburger Uniklinik. Hierfür werde das sogenannte Crosslinking genutzt, bei dem die weiche Augenhornhaut mit UV-Strahlen behandelt wird, um eine Versteifung und damit eine langsamere Verformung zu erreichen.

Schlimmstenfalls eine Hornhauttransplantation erforderlich
Ist die Verformung bereits sehr weit fortgeschritten, kann eine Hornhauttransplantation (Keratoplastik) das Sehvermögen wieder sehr gut herstellen, berichtet der Freiburger Experte weiter. Eine Hornhauttransplantation zeige bei Patienten mit Keratokonus eine sehr gute Prognose und könne viele Jahre halten, so Dr. Lang. „Trotzdem kann durch Abstoßungsreaktionen oder eine erneute Verformung die Lebensdauer eines Transplantates begrenzt sein“, erläutert der Augenfacharzt.

Ursachen nicht abschließend geklärt
Um die Therapie weiter zu verbessern, wird laut Dr. Lang weltweit an neuen Behandlungsansätzen wie beispielsweise einer Weiterentwicklung des Crosslinking-Verfahrens oder einer optimierten Transplantation der Hornhaut geforscht. „Wir arbeiten intensiv daran, die Behandlung zu verbessern, um so den Patienten möglichst gut helfen zu können“, betont Dr. Lang. Auch zur Erforschung der Ursachen des Krankheitsbildes bedarf es noch weiterer Arbeiten, da bislang der Entstehungsweg nicht abschließend geklärt ist und sich hier neue Behandlungsoptionen eröffnen könnten. Bekannt ist bislang lediglich, dass „neben genetischen Faktoren und möglichen Umwelteinflüssen bestimmte Erkrankungen, etwa eine Neurodermitis, einen Keratokonus begünstigen“, so der Freiburger Augenfacharzt. Bei einer vorliegenden Hornhautverkrümmung könne diese zudem durch häufiges Augenreiben verschlimmert werden. (fp)