Schwarz-Gelb will Gutverdiener in die PKV ziehen

Fabian Peters

Schwarz-Gelb streicht Zusatzangebote der gesetzlichen Krankenkassen – private Krankenversicherungen sollen augenscheinlich profitieren.

(18.08.2010) Die Demontage der gesetzlichen Krankenkassen durch die schwarz-gelbe Regierungskoalition setzt sich fort. Die meisten Angebote mit denen bisher insbesondere gutverdienende Mitglieder gelockt wurden, sollen den gesetzlichen Krankenkassen in Zukunft untersagt sein. Damit ist die nächste Wechselwelle in Richtung der privaten Krankenkassen vorprogrammiert.

Wie die "Financial Times Deutschland" in ihrer Ausgabe am Mittwoch berichtete, haben CDU und FDP im Rahmen der Reform des Gesundheitssystems die Absicht, den gesetzlichen Krankenversicherungen Zusatzangebote und Wahltarife sowie Auslandskrankenversicherungen gesetzlich zu untersagen.

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Die gesetzlichen Krankenkassen haben ihre Zusatzleistungen in den vergangenen Jahren erheblich ausgebaut, um insbesondere die „Besserverdiener“ von einem Wechsel zur privaten Krankenversicherung abzuhalten. So waren Wahltarife ,wie z. B. die Chefarztbehandlung und Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer bei Krankenhausaufenthalten, bisher eine gute Option zur Kundenbindung bzw. -neugewinnung, die viele gutverdienende Versicherte nutzten. Damit ist es nach Planung der Bundesregierung jedoch bald vorbei, denn gesetzliche Krankenkassen sollen in Zukunft ausschließlich Tarife mit Selbstbehalt und Kostenerstattung anbieten können, so die Berichterstattung in der „Financial Times Deutschland“ unter Berufung auf Informationen aus Koalitionskreisen. Demnach sollen die Änderungen bereits in den kommenden Wochen in den Gesetzentwurf zur Reform des Gesundheitssystems eingefügt werden.

Jens Spahn, der gesundheitspolitische Sprecher der CDU hat diese Darstellungen gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters bereits offiziell bestätigt und erklärt, dass die betroffenen Zusatzangeboten, Wahltarifen und Auslandsversicherungen „nicht Aufgabe der gesetzlichen Krankenkassen“ seien. „Das Gesundheitsministerium hat deshalb den Auftrag erhalten, bis zum Kabinettsbeschluss über die Gesundheitsreform in einigen Wochen einen Vorschlag über die klarere Abgrenzung der Wahltarife vorzulegen", erklärte Spahn weiter.

Dass die gesetzlichen Krankenkassen die Planungen entsprechend kritisch betrachten, ist leicht zu verstehen, denn sie sind durch die bisherigen Änderungsvorhaben der Regierungskoalition gleich mehrfach negativ betroffen. So wird auch die angedachte Vereinfachung des Wechsels zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung zu Lasten der gesetzlichen Versicherungen gehen. Unterm Strich sieht die Rechnung so aus, dass immer mehr gut Verdienende, den gesetzlichen Krankenkassen den Rücken kehren und zu einer privaten Krankenversicherung (PKV) wechseln. Damit ist die Solidarität im Gesundheitssystem jedoch ernsthaft bedroht, denn zurück bleiben die Geringverdiener mit häufigen Erkrankungen, die in keiner privaten Krankenkasse unterkommen. Und da die Regierungskoalition auch den Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenversicherung erleichtern will, werden diese gleich doppelt belastet. Erst verlassen die gutverdienenden Mitglieder die gesetzliche Versicherung und sobald sie älter werden, häufiger krank sind und die Kosten ihrer PKV steigen, kehren sie als dementsprechender Kostenfaktor in die gesetzliche Krankenkasse zurück. (fp)