Schweden: Gericht kippt Homöopathie-Verbot

Heilpraxisnet

Schwedische Ärzte dürfen straffrei homöopathisch behandeln

28.10.2011

Nachdem ein Arzt in Schweden zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war, weil er einen Patienten mit homöopathischen Arzneimitteln behandelt hatte, entschied nun das oberste Gericht (Högsta Förvaltningsdomstolen) in Schweden, das Urteil aufzuheben. Der Arzt hat nach Ansicht des Gerichts nach bestem Wissen gehandelt und der Patient sei durch die homöopathische Behandlung keinem Risiko ausgesetzt gewesen. Einzelheiten zum Krankheitsfall sowie zur Therapie wurden nicht bekannt gegeben.

Mehr zum Thema:

Die schwedischen Richter setzen mit ihrem Urteil neue Maßstäbe, denn bisher waren die Homöopathie und die Abgabe homöopathischer Arzneimittel in Schweden offiziell verboten. Der schwedische Rundfunk (Sveriges) hatte bereits im Vorfeld der Urteilsverkündung über eine Stellungnahme des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) zum Verfahren berichtet. „Die Entscheidung des Gerichts ist ein Meilenstein“, sagt Cornelia Bajic, 1. Vorsitzende des DZVhÄ. „Mit dem Urteil dürfte die Kriminalisierung homöopathischer Ärzte in Schweden beendet sein.“

Schwedische Ärzte können nun die Homöopathie offen anwenden, ohne eine Haftstrafe zu riskieren. Darüber hinaus trägt die neue Situation dazu bei, dass sich mehr schwedische Ärzte homöopathisch aus- und weiterbilden lassen. Die Entwicklung in Schweden ist ein weiterer Indikator dafür, dass die Homöopathie weltweit eine stetig steigende Akzeptanz findet. Zahlreiche Regierungen erkennen die Homöopathie offiziell als medizinische Heilmethode an. Dazu gehören beispielsweise in Zentral- und Südamerika Brasilien, Chile, Kolumbien, Kuba, Ecuador und Mexiko, in Asien gehören Indien, Pakistan und Sri Lanka dazu und in Europa ist die Homöopathie u. a. durch die Regierungen von Belgien, Deutschland, Ungarn, Portugal, Russland, der Schweiz und Großbritannien, anerkannt. In einigen dieser Staaten ist die Homöopathie ein fester Bestandteil des staatlichen Gesundheitssystems, wie zum Beispiel in Brasilien, Indien, Mexiko, Pakistan, Großbritannien und nach einer Volksabstimmung auch in der Schweiz. Der Weltverband homöopathischer Ärzte, die Liga Medicorum Homoeopathica Internationalis (LMHI), zählt homöopathische Ärzte und Ärzteverbände aus über 70 Ländern zu seinen Mitgliedern – das sind mehr als die Hälfte der von den Vereinten Nationen (UN) anerkannten Staaten. Im vergangenen Jahr öffnete auch China die Tür für die Homöopathie.

Das Repertorium von Kent, eines der grundlegenden Werke in der Homöopathie, wurde ins Mandarin übersetzt, die meistgesprochene Sprache der Welt, und eine nationale homöopathische Ärztevereinigung gegründet. Doch es gibt auch eine Kehrseite der Medaille: In einigen Ländern – wie bisher auch in Schweden – sind homöopathische Ärzte bei ihrer Arbeit oder bei der Aus- und Weiterbildung ihrer ärztlichen Kollegen unterschiedlichen Repressionen ausgesetzt. „Als führendes Mitglied der LMHI sieht es der DZVhÄ als seine Pflicht an, sich aktiv und weltweit mit verfolgten oder unterdrückten homöopathischen Ärzten zu solidarisieren“, sagt Bajic. Die LMHI veranstaltet jährlich den „International Homeopathy Day“ in Staaten, in denen homöopathische Ärzte behindert werden. In diesem Jahr fand der „International Homeopathy Day“ in Kroatien statt. „Die LMHI schafft mit dem International Homeopathy Day mediale Aufmerksamkeit und führt Gespräche auf der Regierungsebene des jeweiligen Landes, um die Situation der homöopathischen Ärzte vor Ort zu verbessern“, erklärt Caroline Geiser, Sprecherin der LMHI. Ziel sei es, dass die ärztliche Homöopathie in diesen Ländern offiziell als medizinische Heilmethode anerkannt werde, so etwa in Polen und der Slowakei. (DZVhÄ)

Bild: Paul-Georg Meister / pixelio.de