Schweinegrippe ist zurück: RKI empfiehlt Impfung

Fabian Peters

Die Schweinegrippe ist zurück: Behörden empfehlen Schutzimpfung. Ein Grund zur Panik ist allerdings nicht gegeben

06.01.2011

Das mediale Echo auf die ersten Todesfälle durch den H1N1-Erreger nach dem offiziellen Ende der Schweinegrippe-Pandemie in Deutschland hält seit Tagen an. Doch ist die Rückkehr des H1N1-Virus nach Ansicht der Gesundheitsbehörden kein Grund zur Panik, denn es sei absehbar gewesen, dass die Schweinegrippe in der saisonalen Grippesaison wieder auftreten würde. Wer gegen Grippe geimpft ist, müsse sich zudem keine Sorgen bezüglich der Schweinegrippe machen, da der diesjährige Impfstoff auch Schutz gegen die H1N1-Erreger biete.

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Saisonale Grippewelle auf dem Weg zum Höchststand
Die saisonale Grippewelle ist auf dem Weg zu ihrem diesjährigen Höhepunkt. In vielen Großstädten wie beispielsweise Hamburg, liegt der Anteil der Influenza-Patienten bei den Hausärzten bereits bei bis zu 30 Prozent. Die Experten des Robert-Koch-Institut (RKI) erwarten den Höchststand der diesjährigen Grippewelle gegen Ende Januar / Anfang Februar. Bis dahin sei weiter mit einer drastischen Zunahme der Erkrankungen zu rechnen. In Hamburg sind bereits jetzt die Wartezimmer der Arztpraxen vollkommen überfüllt und auch aus Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland werden ähnliche Zunahmen der Influenza-Patienten gemeldet. Dies ist nach Angaben der Experten vom RKI jedoch ein jährlich im Rahme der saisonalen Grippewelle wiederkehrendes Phänomen und insgesamt betrachtet, falle die momentane Ausbreitung der Influenza noch relativ moderat aus. Für Verunsicherung in der Bevölkerung sorge dabei die starke Verbreitung der Schweinegrippeerreger, doch dies sei unbegründet, da stets mit einer Rückkehr der Schweinegrippe zu rechnen gewesen sei, betonten der Grippespezialist des RKI, Walter Haas.

Schweinegrippe verdrängt die gängige Influenza
Im Zuge der Schweinegrippe-Pandemie haben die H1N1-Viren einen Großteil der gängigen Influenza-Viren verdrängt und so sei es nicht verwunderlich, dass die Schweinegrippe als saisonale Grippe wieder zurückgekehrt ist, erklären die Fachleute des RKI. Grund zur Panik ähnlich wie beim erstmaligen Auftreten der H1N1-Viren im Jahr 2009 bestehe nicht, so die Experten weiter. Zwar gelte für alle Grippeerkrankten weiterhin das gleiche Gesundheitsrisiko wie in den vergangenen Jahren, eine besondere gesundheitliche Bedrohung gehe von der Schweinegrippe jedoch nicht aus, betonten die Wissenschaftler des RKI. Lediglich für chronisch Kranke und Schwangere seien die H1N1-Erreger eine besondere Bedrohung, so dass für diese Personengruppen vom RKI eine explizite Impfempfehlung ausgesprochen wurde. Generell verdrängen Pandemie-Viren häufig die saisonalen Erreger – wie auch im Fall der Schweinegrippe – und werden so selber zu gewöhnlichen, regelmäßig wiederkehrenden Influenza-Viren. Daher sei es wenig überraschend, wenn auch in diesem Jahr wieder ungeimpfte Menschen in Folge einer H1N1-Infektion sterben, erklärten die Experten des RKI.

Drei Viertel der Patienten tragen H1N1-Erreger in sich
Der Influenza Wochenbericht des RKI aus den Kalenderwochen 51 und 52 des Jahres 2010 verdeutlicht, dass die Schweinegrippe bereits auf dem besten Weg ist, zu einer saisonalen Grippewelle zu werden. So enthielten nach Angaben des RKI 77 Prozent der Proben, die zwischen Anfang Oktober und Ende Dezember von Influenza-Patienten in Deutschland genommen wurden, auch das H1N1-Virus, den Erreger der Schweinegrippe. Die bisher gängigen Influenza-Viren H3N2 seien hingegen nur in drei Prozent der Proben nachgewiesen worden und Influenza-B-Erreger in rund 20 Prozent, erklärten der Grippespezialist des RKI, Walter Haas. Damit dominieren die Schweinegrippe-Erreger in Deutschland, was auch Ausdruck der Entwicklung zur saisonalen Grippe sei, so die Experten des RKI weiter. Diese Entwicklung sei außerdem in ganz Europa ähnlich. So seien europaweit in zwei Drittel der analysierten Influenza-Proben H1N1-Erreger festgestellt worden und in 30 Prozent Influenza B, hieß es von Seiten des RKI.

Jährlich starke Schwankungen bei den Grippe-Infektionen
Die Zahl der Todesfälle durch die jährlichen Grippewellen können nach Angaben des RKI in Abhängigkeit von den jeweiligen Grippeviren stark schwanken. Die bisher offiziell gemeldeten zwei Todesfälle, seien jedoch äußerst gering, wobei der Höhepunkt der diesjährigen Grippesaison allerdings auch noch bevorstehe. Die schwächsten Grippewellen des vergangenen Jahrzehnts haben nach Angaben des RKI rund 100 Todesfälle mit sich gebracht, die stärksten bis zu 15.500. Wie das Fazit nach der diesjährigen Influenza-Saison ausfallen wird, bleibt abzuwarten. Bisher seien die Grippeneuinfektionen vor allem in den Bundesländern Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland deutlich erhöht, allerdings bewege sich die Grippewelle insgesamt noch in einem überschaubaren Rahmen, so das RKI. Die Zahl der direkt durch die Schweinegrippe verursachten Grippe-Opfer, lasse sich in Zukunft jedoch nicht mehr so eindeutig bestimmen wie bisher, da mit dem offiziellen Ende der Pandemie die Schweinegrippe ab diesem Jahr nicht mehr meldepflichtig ist. So werden keine genaue Zahl der Infizierten und Toten im Zusammenhang mit der Schweinegrippe mehr ermittelt und die Dunkelziffer dürfte wahrscheinlich deutlich höher als die bisher offiziell genannten zwei Todesfälle liegen, so die Vermutung der Experten des RKI.

Gesundheitsbehörden wiederholen ihre Impfempfehlung
Sowohl das RKI als auch die die ständige Impfkommission der Bundesregierung (STIKO) haben eine eindeutige Impfempfehlung für Personengruppen wie chronisch Kranke mit Asthma, COPD, Herzerkrankungen, Diabetes oder anderen chronischen Leiden in jedem Lebensalter, Personen im Alter über 60 Jahren, Schwangere und medizinisches Personal ausgegeben. Die beiden Gesundheitsbehörden wiesen außerdem darauf hin, dass die Impfung auch jetzt noch nachgeholt werden könne, obwohl bereits zahlreiche Influenza-Fälle gemeldet werden. Zwar dauere es rund zwei Wochen bis nach der Grippeimpfung ein zuverlässiger Schutz aufgebaut werde, jedoch sei die Aktivität der Influenza-Viren derzeit noch sehr gering und der Höchststand der saisonalen Grippewelle werde ohnehin erst in drei bis vier Wochen erwartet, betonten die Fachleute der STIKO und des RKI. Die Gefahr, sich noch vor dem Aufbau des Impfschutzes anzustecken, sei außerdem relativ gering, erklärte der Grippeexperte des RKI, Walter Haas. Der diesjährige Grippe-Impfstoff biete dabei nicht nur Schutz vor der Schweinegrippe sondern richte sich gegen alle drei derzeit zirkulierenden Influenza-Stämme. (fp)