Schweinegrippe: Zahl der Neuinfektionen steigt

Fabian Peters

Schweinegrippe: Zahl der Neuinfektionen steigt durch bevorstehende Grippewelle

06.01.2011

Die Schweinegrippe weitet sich aus. Nachdem zwei Todesfälle aus der Uniklinik in Göttingen gemeldet wurden, sind nun auch in Leipzig, Kiel und Düsseldorfer Personen mit einer H1N1-Infektion auf die Intensivstation im Krankenhaus eingeliefert worden. Außerdem kommen weitere Fälle an die Öffentlichkeit, die sich bereits Ende letzten Jahres ereignet haben. So sei beispielsweise in Heidelberg Ende Dezember eine mit dem Schweinegrippevirus infizierte Frau verstorben, wobei jedoch erst nach dem Tod der Patientin die H1N1-Infektion festgestellt worden sei, teilte das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg mit.

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Die Zahl der Schweinegrippe-Infektionen steigt im Zuge der Ausweitung der saisonalen Grippewelle immer stärker an, wobei aus vier Bundesländern neue Schweinegrippefälle gemeldet wurden. Sämtliche bisherigen Krankenhauseinlieferungen waren bei Patienten erforderlich, die vom den Gesundheitsbehörden als sogenannte Risikopatienten eingestuft werden. So sei der 25-jährige Patient in Leipzig stark übergewichtig und die anderen Patienten in Kiel und Düsseldorf leiden an erheblichen Vorerkrankungen, wie die örtlichen Kliniken mitteilten. Auch die Ende Dezember in Heidelberg verstorbene Frau habe an erheblichen Vorerkrankungen gelitten, wie das Landesgesundheitsamt bestätigte.

Drei Patienten werden im Krankenhaus behandelt
Der Zustand aller drei Patienten, die aktuelle noch wegen der Schweinegrippe im Krankenhaus stationiert sind, sei weiterhin kritisch, so die Auskunft der behandelnden Ärzte. Die Patienten würden dabei unter strengster Isolation behandelt, um eine weitere Ausbreitung der Schweinegrippe-Erreger möglichst zu vermeiden. Außerdem rät Professor Dieter Häussinger, Chef der Klinik für Infektiologie in Düsseldorf, allen Risikopatienten, wie chronisch Kranken, Schwangeren, Beschäftigten im Gesundheitswesen und Personen im Alter über 60 Jahren auch jetzt noch zur Grippe-Impfung. Diese schütze nicht nur vor den üblichen Influenza-Stämmen sondern auch vor dem Schweinegrippeerreger, so dass keine spezielle Impfung mehr nötig sei, betonte der Experte. Professor Häussinger ist sensibilisiert, da bereits in der letzten Woche mehrere Patienten, die mit dem H1N1-Erreger infiziert waren, in Düsseldorf ambulant behandelt werden mussten. Doch viele Deutsche zögern noch und wissen nicht, ob sie sich impfen lassen sollen. Daher hat das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen eine Hotline eingeführt, um den Betroffenen Antworten auf die häufigsten Fragen in Bezug auf eine Grippeschutzimpfung zu beantworten.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) rät ebenfalls dringend zur Grippeschutzimpfung, denn „wir stehen am Beginn einer Grippewelle“, wie die Sprecherin des RKI, Susanne Glasmacher erklärte. Nach einer Grippeimpfung dauere es etwa zwei Wochen bis der vollständige Schutz aufgebaut sei, was jedoch noch rechtzeitig vor dem erwarteten Höchststand der diesjährigen Grippewelle Ende Januar / Anfang Februar sei.

Lungenversagen bei den Schweinegrippe-Patienten
Der 25-Jähriger Patient in Leipzig wurde indes an eine künstliche Lunge angeschlossen, um die Sauerstoffversorgung zu gewährleisten, wie der Direktor des Instituts für Virologie der Uni-Klinik Leipzig, Uwe Gerd Liebert mitteilte. Wie sich der Patient angesteckt hat, sei dabei bisher völlig unklar. „Rund jeder zweite Infizierte wird auch gar nicht krank“, so dass die Infektionswege bisweilen äußerst schwierig nachzuvollziehen sind. Auch die 45-jährige Frau aus Neumünster die in in Kiel behandelt wird, kam aufgrund von Lungenversagen in die Klinik, wobei sie sich vermutlich bei ihrem Sohn angesteckt hat. Bei diesem war die Schweinegrippe jedoch deutlich harmloser verlaufen, während die Frau mit akutem Lungenversagen zunächst ins örtliche Krankenhaus und dann direkt auf der Intensivstation der Uniklinik Kiel eingeliefert wurde, so die Auskunft der Leiterin des örtlichen Gesundheitsamtes, Angelika Barth, gegenüber dem „Flensburger Tageblatt“. (fp)