Studie: Schweißgeruch kann Menschen glücklich machen

Sebastian
Studie: Schweißgeruch kann andere glücklich machen
Schweißfüße, Kalter Schweiß, Angstschweiß: Schwitzen wird in der Regel nicht mit Positivem assoziiert. Dabei ist Schwitzen eine ganz normale Reaktion, um die Körpertemperatur zu regeln. Forscher haben nun eine weitere Funktion festgestellt: Ihrer Studie zufolge kann der eigene Schweißgeruch andere Menschen glücklich machen.

Für Schweißgeruch braucht man sich nicht zu schämen
Beim Thema Schwitzen denken viele Menschen zunächst an Angstschweiß, Schweißfüße und unangenehmen Geruch. Doch wenn man einen Satz hört wie „Puh, wasch´ Dich mal, du riechst total nach Schweiß!“, braucht man sich künftig nicht mehr zu schämen. Anstatt sofort zu duschen, sollte man ruhig noch ein wenig weiter müffeln, denn durch den eigenen Körpergeruch könnte man Menschen in der Umgebung glücklich machen! Die Aussage klingt zwar zunächst etwas komisch, basiert aber auf einer psychologischen Untersuchung, über die die Nachrichtenagentur dpa in einer aktuellen Meldung berichtet.

Schweiß macht Mitmenschen glücklich? Das jedenfalls behauptet eine aktuelle Studie. Bild: ArTo/fotolia

Schweißgeruch funktioniert ansteckend wie Gesichtsausdrücke
Die Ergebnisse der Studie von Wissenschaftlern aus den Niederlanden, Großbritannien, der Türkei und Portugal wurden kürzlich im Fachjournal „Psychological Science“ veröffentlicht. Die Studienautoren wollen den Angaben zufolge herausgefunden haben, dass bestimmte chemische Stoffe im Schweiß andere Menschen positiv stimmen können. Gün Semin von der Utrecht Universität in den Niederlanden erklärte in einem Statement: „Unsere Studie legt nahe, dass unter Freude produzierter Schweiß eine Art emotionales Abbild dieser guten Laune in demjenigen hervorruft, der den Körpergeruch riecht.“ Demnach funktioniert Schweißgeruch scheinbar ähnlich ansteckend wie bestimmte Gesichtsausdrücke: Wenn man beispielsweise einen glücklichen, lachenden Menschen ansieht, kann das oft auch die eigenen Gesichtszüge aufhellen.

Frauen mussten Männerschweiß riechen
Es hilft aber nicht, in unglücklichen Zeiten von Achselhöhle zu Achselhöhle zu rennen, um sich aufzuheitern, denn Schweißgeruch kann nicht nur gut gelaunt machen, sondern auch negative Emotionen hervorrufen. Hierfür ist entscheidend, in welcher Stimmung der Schwitzende gerade ist. Wenn man also den Angstschweiß eines gestressten Menschen riecht, reagiert man eher negativ. Riecht man jedoch den Schweiß einer gut gelaunten, glücklichen Person, stimmt dies eher positiv. Das haben die Forscher anhand von einem Dutzend schwitzender Männer und einer Gruppe von 36 Frauen herausgefunden. Letztere mussten an dem Schweiß der Männer riechen. Mit den „feineren Fühlern“ erklärten die Wissenschaftler den Umstand, dass nur die Damen dem Körpergeruch ausgesetzt wurden. Sowohl der Geruchssinn als auch die Empfänglichkeit für emotionale Signale sei bei Frauen ausgeprägter.

„Freudenschweiß“ führt zu ehrlichem Lächeln
Den männlichen Studienteilnehmern wurden saugfähige Pads unter die Arme geklebt, nachdem sie ihre Achseln gewaschen und abgetrocknet hatten. Die Probanden sahen sich anschließend einen angsteinflößenden oder einen glücklich stimmenden Videoclip an. Einer Kontrollgruppe wurde ein Film mit neutralem Inhalt gezeigt. Für den zweiten Teil der Studie wurden 36 Frauen eingeladen, die an drei verschiedenen Pads riechen mussten, die jeweils eine andere Emotion – Angst, Freude oder Neutralität – ausströmten. Bei den Probandinnen, die an einem „Angstschweiß“-Pad schnüffelten, zeigten die Gesichtsmuskeln vor allem im Stirnbereich Aktivität, sie runzelten also Brauen und Stirn. Wenn die Teilnehmerinnen jedoch an einem „Freudenschweiß“-Pad rochen, aktivierten sie eher die Gesichtsmuskeln, die für ein sogenanntes „Duchenne-Lächeln“, einem ehrlichen, von Freude ausgelöstem Lächeln, gebraucht werden. Dazu gehören Mund- und Augenwinkel.

Ergebnisse für Parfum-Hersteller interessant
Also brachte der Geruch von „glücklichem“ Schweiß die Frauen wirklich zum Strahlen, der Geruch von „unglücklichem“ Schweiß hingegen löste einen eher unzufriedenen Gesichtsausdruck aus. Den Wissenschaftlern zufolge zeigen die Ergebnisse, dass wir positive und negative emotionale Zustände über chemische Signale kommunizieren – und zwar zu einem solchen Ausmaß, dass eine „Verhaltenssynchronisation“ zwischen schwitzender und riechender Person entsteht. Der Psychologe Güm Semin meinte, dass die Ergebnisse unter anderem für die Parfum-Industrie interessant sein könnten.

Schwitzen erfüllt verschiedene Funktionen
Grundsätzlich ist Schwitzen ein natürlicher Vorgang, der verschiedene Funktionen erfüllt. Zum einen wird beim Schwitzen überschüssige Wärme abgegeben und die Temperatur reguliert. Doch wie unter anderem die neue Studie zeigt, hat Schweiß über den Geruchssinn auch eine Signalwirkung. Lange bekannt ist, dass Schweiß auch Sexualduftstoffe enthält, sogenannte Pheromone, die bei sexueller Erregung und Fortpflanzung eine wichtige Rolle spielen. Zudem sorgt Schweiß für den Erhalt des Säureschutzmantels der Haut, indem Lipide zur Hydrierung der Haut beitragen. Übermäßiges Schwitzen jedoch ist nicht nur unangenehm, sondern kann auch ein Hinweis auf eine ernsthafte Erkrankung, wie eine Infektion oder Diabetes sein. (ad)