Schwierige Fusion von DAK und BKK Gesundheit

Fabian Peters

Fusion: Drittgrößte gesetzliche Krankenkasse entsteht

12.10.2011

Die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) und die BKK Gesundheit werden fusionieren. Mit künftig 6,6 Millionen Mitgliedern wird die DAK-Gesundheit, so der geplante Name nach dem Zusammenschluss, in Zukunft zur drittgrößten deutschen Krankenkasse. Die Schwierigkeiten der beiden Krankenkassen sind damit jedoch keinesfalls vom Tisch, so die Einschätzung von Branchenkennern. Entsprechend schwierig werden die Startbedingungen für die neue Riesenkrankenkasse.

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Denn aus dem Zusammenschluss der DAK und BKK Gesundheit ergeben sich zwar deutliche Synergieeffekte insbesondere was die Verwaltungsstrukturen, die Verhandlungsmacht gegenüber Leistungserbringern im Gesundheitssystem und die Reichweite der Krankenkasse betrifft, doch die bisher bestehenden Probleme werden nach Einschätzung der Experten nicht einfach verschwinden. So hat insbesondere die DAK überproportional viele ältere, kostentreibende Versicherte in ihren Reihen, beide Kassen litten in der Vergangenheit nicht zuletzt aufgrund der Erhebung von Zusatzbeiträgen unter einem deutlichen Mitgliederschwund und müssen auch nach der Fusion weiterhin einen Zusatzbeitrag in Höhe von acht Euro erheben. So werden die „grundsätzlichen Probleme nicht gelöst, sondern lediglich aufgeschoben“, berichtet die „Financial Times Deutschland“.

Synergieeffekte durch Krankenkassenfusion
Für die beiden angeschlagenen Krankenkassen ergeben sich auf betriebswirtschaftlicher Ebene zwar einige Vorteile, doch beide Versicherungen arbeiten bisher zu teuer, leiden unter der überalterten und somit kostenaufwendigen Versichertenschaft und vor allem die große DAK verfügt über einen überproportional großen Verwaltungsapparat. Diese Schwierigkeiten lassen sich durch eine Fusion zwar beschränken, jedoch nicht gänzlich beheben. So würden durch die Fusion der DAK und BKK Gesundheit zum Beispiel durch die Zusammenlegung von Geschäftsstellen oder eine gemeinsame IT Kosten gespart, doch den großen Durchbruch bringt die Fusion nicht mit sich. Auch die verbesserte Verhandlungsmacht gegenüber den Leistungserbringern im Gesundheitswesen, werde die finanzielle Situation nach der Fusion leicht verbessern, doch die strukturellen Probleme der Krankenkassen, welche in der Vergangenheit die finanziellen Schwierigkeiten bei der DAK und BKK Gesundheit bedingt haben, bleiben. Die Versicherten müssen auch nach der Fusion einen Zusatzbeitrag von acht Euro entrichten, wodurch der Mitgliederschwund und sämtliche damit verbundenen Probleme weiterhin bestehen bleiben.

Abwärtsspirale durch Zusatzbeiträge
Seit Einführung der Zusatzbeiträge hat deren Erhebung einige Krankenkassen in eine Abwärtsspirale gerissen, die im schlimmsten Fall – wie bei der City BKK – eine Insolvenz der Versicherung zur Folge hatte. Durch die Erhebung der Zusatzbeiträge verlassen zahlreiche Versicherte die entsprechenden Krankenkassen, wobei in erster Linie junge, gesunde Menschen sich eine neue Versicherung suchen und alte, kranke Versicherte zurückbleiben. Diese verursachen in der Regel jedoch mehr Kosten, als über die normalen Beiträge von ihnen eingenommen wird, so dass sich die finanziellen Schwierigkeiten der Krankenkasse verstärkten und eine Ausweitung der Zusatzbeiträge erforderlich wird. Dadurch verlassen erneut zahlreiche Mitglieder die Kasse, so dass die Probleme sich kontinuierlich verschärfen. Nach Einschätzung der „Financial Times Deutschland“ wird sich diese Abwärtsspirale durch die Fusion von DAK und BKK Gesundheit kaum stoppen lassen.

Verschärfung des Wettbewerbs unter Krankenkassen
Von der schwarz-gelben Bundesregierung ist die dahinter stehende Verschärfung des Wettbewerbs zwischen den gesetzlichen Krankenkassen ausdrücklich gewünscht, da so Einsparungen im gesamten Gesundheitssystem ermöglicht werden, so der Ansatz von CDU/CSU und FDP. Dass die mit der Gesundheitsreform beschlossenen verschärften Wettbewerbsbedingungen zu eine Konsolidierung im Bereich der Krankenkassen führen würden, sagten Experten bereits unmittelbar nach der Verabschiedung der Beschlüsse voraus. Die Anzahl der gesetzlichen Krankenkassen werde sich von über 150 auf unter 50 reduzieren, so die Prognose der Branchenkenner. Da die übrigen gesetzlichen Versicherungen nach der Insolvenz einer anderen Krankenkassen dazu verpflichtet sind, die Versicherten in ihren Reihen aufzunehmen, ergibt sich aus dem erhöhten Wettbewerbsdruck für die Kunden der Krankenkassen kein Problem, so die Einschätzung der Bundesregierung. Allerdings hat sich bei der Pleite der City BKK gezeigt, dass bereits bei etwas mehr als hunderttausend Versicherten, die eine neue Krankenkasse suchen, erhebliche Schwierigkeiten auftreten können. Ein reibungsloser Übergang war für die Betroffenen kaum zu gewährleisten. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn eine Krankenkasse mit mehreren Millionen Mitgliedern Insolvenz anmelden müsste. Das System wäre an dieser Stelle vermutlich schlichtweg überfordert. So hatten kritische Experten bereits nach der Fusionswelle unter den Krankenkassen im vergangenen Jahr spekuliert, dass einige Zusammenschlüsse lediglich dazu dienen eine systemrelevante Größe zu erreichen, damit – ähnlich wie bei der Bankenkrise – im Fall einer drohenden Insolvenz der Staat zum Eingreifen gezwungen wird. (fp)