Schwitzen mit Strom-Stößen: EMS-Training ohne Bewegung

Sebastian
EMS-Stromsport reizt Muskeln

Sport treiben, ohne Sport zu treiben? Eine neue Methode, für die immer mehr Fitness-Studios werben, ist das Elektromyostimulationstraining (EMS). „Zeitersparnis, Effizienz und wenig Aufwand“, das sind gängigsten die Versprechen der Anbieter. Doch was bringt das EMS-Training, bei dem die Muskeln durch elektrische Impulse stimuliert werden, wirklich?

Muskelabbau ohne große Anstrengung? Das ist der Wunsch von Vielen. EMS soll mindestens eine unterstützende Wirkung haben. Bei dieser Methode werden auf einer speziellen Kleidung, auf dem kompletten Körper, kleine Elektroden angebracht. Durch diese werden Stromstöße abgegeben, um die Muskeln zum kontrahieren zu bringen. Der Muskelaufbau werde so gefördert. Doch das Training sollte immer unter ein fachkundigen Anleitung stattfinden. Denn gerade auf Strom reagiert der Körper hochempfindlich. Aus diesem Grund sollten vor allem Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen oder anderen schwerwiegenden Krankheiten zuvor einen Arzt konsultieren.

Ein Sportwissenschaftler und ein Personal Trainer erläutern die Vor- und Nachteile der EMS Trainingsform, die immer öfter in zahlreichen Zentren angeboten wird.

Rückenschmerzen ist ein häufiger Grund ein EMS-Training zu unternehmen. Denn die Einheiten bringen den Stoffwechsel ordentlich in Fahrt. Auch Patienten mit einer Bindegewebsschwäche können ihr Bindegewebe strafen. „Die Stromstöße stimulieren tieferliegende Muskeln und die Skelettmuskulatur, wie man es vom Pilates kennt”, berichtet der Personal Trainer Gregor Alexander Braun, der bereits seit 2 Jahren mit Elektrostimulationstraining arbeitet.

EMS hat einige Gefahren
Prof. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln warnt: „Die Muskeln werden beim EMS maximal kontrahiert, es entstehen hohe bis höchste Belastungen. Der Blutdruck schießt in die Höhe, es wird punktueller Druck ausgeübt wie beim Gehen mit Stöckelschuhen”. Dr. Johannes Rehhagen warnt vor den generellen Gefahren. „Der Mensch reagiert sehr empfindlich auf elektrische Ströme. Bereits bei einer Spannung von 40 Volt reagieren einige Menschen beispielsweise durch eine starke Schweißbildung mit Verbrennungen oder einer Einschränkung der Funktion der peripheren Nerven.“ Auch können gefährliche Herzrhythmusstörungen ausgelöst werden, da durch den Strom Erregungsleitungen zerstört werden können. Doch bislang sind solche Fälle sehr selten. Patienten mit multipler Sklerose, Schwangerschaft, Krebs, Thrombose, Herzschrittmachern, und Epileptiker sollten generell kein EMS-Training unternehmen. Wichtig sei eine fachkundige Anleitung.

Fast immer mit Muskelkater
Wenn alle Gefahren ausgeschlossen sind, zeigen sich die ersten Erfolge bereits nach 10 Trainingseinheiten. Gerade Menschen mit Rückenproblemen bemerken eine deutliche Verbesserung. Die Muskulatur wird stärker, Schmerzen nehmen ab. „EMS ist eine wunderbare Form, um den Muskelabbau zu verhindern und den Aufbau zu unterstützen”, sagt Froböse.

Die Muskeln benötigen nach dem Training eine größere Regenerationszeit. „Meistens merkt man erst nach zwei Tagen, dass sich die tieferliegenden Muskeln melden”, erläutert Braun. „Bei Männern schmerzt dann oft das Gesäß, bei Frauen sind es die Arme.”

Gute Unterstützung für das Ausdauertraining
„EMS ist eine gute Ergänzung zu herkömmlichen Trainingsmethoden. Hier werden kleine Muskeln stimuliert”, sagt Froböse. Ausdauersportler profitieren von der Beanspruchung von Muskelpartien, die wesentlich seltener angeregt werden.

Ein solches Training hat allerdings auch seinen Preis. Zwischen 35 und 100 Euro kostet ein solche Trainingseinheit. Obwohl EMS bei Rückenproblemen hilft, zahlen die Krankenkassen keinen Cent. Allerdings kann EMS konventionellen Sport nicht ersetzen, sondern höchstens unterstützen. (sb)

Bild: FotoHiero  / pixelio.de