Sehr lange Wartezeiten für Psychotherapie

Sebastian

Unterversorgung in ländlichen Regionen für Psychotherapie

15.02.2011

Laut einer Studie im Auftrag der Deutschen Psychotherapeuten-Vereinigung (DptV) ist das Versorgungsangebot ambulanter Therapieplätze vor allem für ältere Patienten, für Menschen auf dem Land und für Männer noch immer unzureichend. Die aktuellen Studiendaten der Universität Duisburg weisen auf eine akute Unterversorgung der Psychotherapie in einigen Regionen Deutschlands hin.

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Unterversorgung in den ländlichen Gebieten
In zahlreichen ländlichen Regionen Deutschlands besteht ein Unterangebot für ambulante Psychotherapien. Im Auftrag der Deutschen Psychotherapeuten-Vereinigung (DptV) unternahm der der Lehrstuhl für Medizinmanagement der Universität Duisburg-Essen eine Umfragestudie. Insgesamt wurden 2500 ambulant tätige Psychotherapeuten zur Versorgung von Patienten befragt. Dabei stellte sich heraus, dass etwa 52 Prozent aller befragten Therapeuten eine lange Warteliste führen. In ländlichen Regionen und in Kleinstädten beträgt die durchschnittliche Wartezeit über einhundert Tage (104). in Großstädten und Ballungsgebieten etwa 62 Tage.

„Die Versorgungssituation mit ambulanter Psychotherapie in weniger dicht besiedelten Regionen ist unzureichender als in Großstädten“, stellte angesichts der Studienergebnisse Prof. Jürgen Wasem fest. Im Vergleich zu epidemiologischen erfassten Daten ergebe sich, dass vor allem Männer, Senioren und Menschen der unteren Einkommensschichten psychotherapeutisch unterversorgt sind. „Ausgehend von diesen Ergebnissen empfiehlt sich eine Evaluation von vorliegenden Hemmschwellen und Maßnahmen zu ihrer Überwindung“, unterstreicht Professor Wasem.

Keine großen Unterschiede bei den Patientengruppen
Am häufigsten nahm die Patientengruppe der 41- bis 50jährigen ein Therapieangebot wahr. Männer stellten in der Patientenstruktur einen Anteil von 29 Prozent und Frauen 27 Prozent. Ältere Patienten zwischen 60 und 90 Lebensjahren stellen eine deutliche Minderheit dar. Hier lag der Anteil bei nur null bis maximal fünf Prozent. Die meisten Klienten verfügten zu 32 Prozent einen Realschulabschluss. 26 Prozent der Patienten absolvierten eine Hochschulreife und 20 Prozent einen Hauptschulabschluss. Etwa 19 Prozent sind Akademiker.

Fast drei Monate Wartezeit für einen Therapieplatz
Die Wartezeit für einen Therapieplatz beträgt bundesweit durchschnittlich 2,5 Monate. In einigen Regionen ist die Wartezeit allerdings deutlich höher. Nur etwa fünf Prozent der niedergelassenen Therapeuten können sofort bei Anfrage einen Termin vergeben. Akzeptabel sind allerdings nur 3 Wochen, wie Dieter Best, Bundesvorsitzender des Verbandes sagte. Liegt eine psychische Erkrankung mit akuten Symptomen vor, muss allerdings sofort behandelt werden.

52 Prozent wurden durch Ärzte überwiesen
Über die Hälfte der Patienten war zuvor bei einem Hausarzt, der eine Überweisung an einen Psychotherapeuten ausstellte (52 Prozent). Die allermeisten Patienten gehen auf eigenen Wunsch und mit eigener Motivation zum Therapeuten oder nehmen ein Therapieangebot auf Anraten von Angehörigen und Freunden in Anspruch. Daher sollte es auch Psychotherapeuten zukünftig erlaubt sein, Klinikeinweisungen bei Krisensituationen oder Krankmeldungen auszustellen, wie der Verband in einer Stellungnahme forderte. Zudem sollte die Bedarfsplanung geändert werden, damit strukturschwache oder ländliche Regionen nicht unterversorgt bleiben.

Für die Behandlung chronisch Erkrankter die beispielsweise unter einer manifestierten Depression oder Psychose leiden, werden längerfristige Therapiemethoden benötigt, da oftmals eine vollständige Genesung nicht zu erwarten ist. Hierbei spielt die Früherkennung eine gewichtige Rolle, da psychische Störungen oftmals zu spät erkannt werden. Daher sollte die Früherkennung z.B. für Kinder ebenfalls perspektivisch zum Aufgabenfeld eines Psychotherapeuten gehören. (sb)