Seltene Hautkrankheit: Extreme Wucherungen beim „Baummann“ kehren zurück

Alfred Domke

Nach erfolgreichen Operationen: „Baummann“ erleidet schweren Rückfall

Abul Bajandar aus Bangladesch leidet an einer extrem seltenen Hautkrankheit, die zu rindenartigen Wucherungen an seinen Händen und Füßen führten. Ärzte konnten ihn in zahlreichen Operationen von den rund fünf Kilogramm schweren Wucherungen befreien. Doch nun hat der Patient, der als „Baummann“ bekannt wurde, einen schweren Rückfall erlitten.


„Baummann“ geht es wieder schlechter

Der an einer seltenen Hautkrankheit leidende Abul Bajandar aus Bangladesch hat einen schweren Rückfall erlitten. Anfang vergangenen Jahres war noch berichtet worden, dass Hoffnung bestehe, dass der als „Baummann“ bekannt gewordene Patient nach zahlreichen Operationen bald aus der Klinik entlassen werden könne. Doch daraus wurde nichts. Nun hat der 28-Jährige einen schweren Rückschlag erlitten.

In Bangladesch wurden einem Patienten, der als „Baummann“ bekannt wurde, fünf Kilo rindenartige Wucherungen an Händen und Füßen entfernt. Doch nun wachsen dem Mann erneut Warzen an den Händen. (Bild: edwardolive/fotolia.com)

Extrem seltene Erkrankung

Nach der in Europa gültigen Definition gilt eine Krankheit als selten, wenn weniger als fünf von 10.000 Menschen betroffen sind. Insgesamt sind sogenannte seltene Erkrankungen gar nicht so selten. Allein in Deutschland sind rund vier Millionen Menschen betroffen.

Eine Krankheit, die in der Tat äußerst selten ist, heißt Epidermodysplasia verruciformis (oder auch Lewandowsky-Lutz-Dysplasie beziehungsweise Lutz-Lewandowsky Epidermodysplasia verruciformis). Gesundheitsexperten zufolge kommt sie weltweit nur bei einer Handvoll Menschen vor.

Abul Bajandar ist einer der wenigen Patienten, der daran erkrankt ist. Schon vor über zehn Jahren begannen sich seine Hände und Füße zu verändern. Wegen der rindenartigen Wucherungen wird der inzwischen 28-Jährige auch der „Baummann“ genannt.

Vor rund einem Jahr galt der Patient nach zahlreichen Operationen als vermeintlich „geheilt“. Doch die Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. Die Krankheit ist wieder zurück.

Hände wie Baumwurzeln

Im vergangenen Jahr konnten Ärzte in Bangladesch ein Mädchen, das am sogenannten „Baummann-Syndrom“ litt, von seinen Wucherungen befreien.

Bereits Wochen zuvor war es Medizinern in der Universitätsklinik von Dhaka (Hauptstadt von Bangladesch) gelungen, die rindenartigen Wucherungen an Händen und Füßen, des ebenfalls an dieser seltenen Hautkrankheit leidenden Abul Bajandar, zu entfernen.

Die Ärzte befreiten den früheren Rikscha-Fahrer damals in einer aufwendigen, aber kostenlosen Behandlung von insgesamt fünf Kilogramm überflüssigem Gewebe. 24 Operationen waren dafür nötig.

Nun sollen ihm in einer erneuten OP Warzen entfernt werden, die wieder an seinen Händen wuchsen. Und dabei wird es womöglich nicht bleiben:

„Ich habe Angst vor weiteren Operationen“, erklärte der Familienvater gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. „Ich glaube nicht, dass meine Hände und Füße wieder in Ordnung kommen werden.“

Derzeit gibt es keine endgültige Heilung

Auch die behandelnden Ärzte räumten ein, sich zu früh gefreut zu haben: „Wir dachten, wir hätten es geschafft. Doch offensichtlich benötigen wir für diesen Patienten mehr Zeit“, sagte der Chirurg Samanta Lal Sen.

Die extrem seltene, genetisch bedingte Hautkrankheit Epidermodysplasia verruciformis, an der der Patient leidet, geht mit einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber humanen Papillomviren (HPV) einher.

Wie es in einem Bericht des Portals „Live Science“ heißt, gibt es gegenwärtig keine endgültige Heilung für Epidermodysplasia verruciformis.

Zusätzlich zur Operation kann die Behandlung auch Medikamente enthalten, die manchmal gegen Hauterkrankungen eingesetzt werden.

Doch obwohl es einige Behandlungsmöglichkeiten gibt, „scheint keine kurativ zu sein, und die Läsionen treten gewöhnlich nach Beendigung der Behandlung wieder auf“.

Hoffnung hat sich nicht erfüllt

Abul Bajandar lebte seit den Eingriffen mit seiner Ehefrau und seiner vierjährigen Tochter in einem kleinen Zimmer des Klinikums in Dhaka.

Die Familie hatte vor, nach dem Abheilen der Wunden in ihr Heimatdorf zurückzukehren. Doch daraus wird vermutlich vorerst nichts.

„Ich war so besorgt, meine Tochter aufzuziehen. Ich hoffe, der Fluch wird nicht wiederkehren“, sagte der Patient im vergangenen Jahr nach den Operationen. Doch die Hoffnung hat sich offenbar nicht erfüllt. (ad)