Seltene Herzkrankheit: Junge Frau hält die letzten Atemzüge ihres Partners fatalerweise für Schnarchen

Alfred Domke
Frau stieß Partner aus dem Bett – Das vermeintliche Schnarchen war sein letztes Röcheln
Betroffene wissen, wie lästig es werden kann, wenn der Partner schnarcht. Die Reaktion einer jungen Frau aus Großbritannien ist daher nicht weiter verwunderlich: Sie stieß ihren Partner wegen der lauten Geräusche aus dem Bett. Doch dann stellte sie fest, dass es sich bei den Tönen nicht um Schnarchen, sondern um die letzten Atemzüge ihres Freundes gehandelt hatte.

Das vermeintliche Schnarchen waren die letzten Atemzüge
Wenn nachts lautes Schnarchen im Schlafzimmer ertönt, ist für empfindliche Bettnachbarn nicht mehr an Schlaf zu denken. Statt den Lärm mithilfe von Ohrstöpseln oder einem Kissen über den Ohren zu dämmen, entschließen sich manche, ihren Partner lieber zu wecken. Das kann mitunter auch etwas ruppig ausfallen. So stieß eine junge Britin ihren Freund aus dem Bett, weil sie sich gestört fühlte. Doch dann stellte sie fest, dass er gar nicht geschnarcht hatte; bei den Geräuschen handelte es sich vielmehr um sein letztes Röcheln.

Wenn der Partner schnarcht, ist an Schlaf oft nicht mehr zu denken. Eine junge Britin, die ihren Freund wegen dem Lärm aus dem Bett stieß, musste aber feststellen, dass die Geräusche kein Schnarchen waren, sondern die letzten Atemzüge ihres Partners. (Bild: Andrey Popov/fotolia.com)

Der Partner atmete nicht mehr
Medienberichten zufolge stieß die 25-jährige Lisa Lee ihren gleichaltrigen Freund Lewis Little aus dem Bett, weil sie wegen seinen lauten Geräuschen nicht mehr schlafen konnte. Doch dann stellte die junge Frau aus Ashington, Northumberland fest, dass ihr Partner nicht schnarchte, sondern seine letzten Atemzüge gemacht hatte.

Laut einem Bericht der englischen Zeitung „Daily Star“ erklärte die 25-Jährige: „Als wir im Bett waren, dachte ich nur, dass er schnarcht, also trat ich ihn und sagte, er solle die Klappe halten.“

Doch dann „fühlte ich, dass die Laken nass waren und wusste, dass etwas nicht stimmte. Ich machte das Licht an und sah, dass sein Gesicht lila war – er atmete nicht“.

„Ich rief einen Krankenwagen und es fühlte sich an, als ob es ewig dauert. Im Krankenhaus wurde er für tot erklärt.“

Vererbbare Herzerkrankung
Den beiden war bekannt, dass Lewis Little an einer seltenen Krankheit, dem sogenannten Brugada Syndrom, leidet.

Doch dem Paar sei laut einem Bericht der „Daily Mail“ von Ärzten versichert worden, dass er ein „langes und gesundes Leben“ führen würde.

Die junge Mutter setzt sich nun dafür ein, dass die Mitmenschen über die vererbbare Herzerkrankung aufgeklärt werden. Dafür hat sie auch eine Petition gestartet.

„Das Syndrom ist ein leiser Mörder – ich möchte nur das Bewusstsein dafür schärfen und sichergehen, dass etwas gemacht wird.“

Implantation eines automatischen Defibrillators
„Das Brugada-Syndrom ist eine primäre elektrische Störung ohne erkennbare strukturelle Herzerkrankung bei ansonsten gesundem Herzen, die mit lebensgefährlichen ventrikulären Rhythmusstörungen assoziiert ist“, erklärt das Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum auf seiner Webseite.

„Es wird davon ausgegangen, dass 4-12% aller plötzlichen Todesfälle das Brugada-Syndrom als Ursache haben. Bei Patienten mit strukturell gesundem Herzen scheint das Syndrom sogar für bis zu 50% der Fälle eines plötzlichen Herztodes verantwortlich zu sein“, heißt es dort weiter.

Dass die Krankheit gar nicht so selten ist, wird auch in einer Übersichtsarbeit im „Deutschen Ärzteblatt“ deutlich.

Dort wird einleitend berichtet: „Mit einer geschätzten Prävalenz von 1–5 pro 10 000 zählt das Brugada-Syndrom (BrS) zu den häufigeren familiären Arrhythmiesyndromen.“

Lisa Lee ist laut den britischen Zeitungsberichten davon überzeugt, dass die Implantation eines automatischen Defibrillators (ICD) das Leben ihres Freundes gerettet hätte. Dieser wird bisher hauptsächlich bei Menschen mit einem hohen Risiko eingesetzt – ihr Partner zählte jedoch nicht dazu.

„Ich will, dass Menschen, die in der selben Situation sind, egal ob mit niedrigem oder hohem Risiko, die Möglichkeit haben, sich einen ICD einsetzen zu lassen“, so die junge Frau. (ad)