Sepsis: Viel zu viele Blutvergiftungs-Opfer

Alfred Domke

Bis zu 20.000 Menschen könnten vor Sepsis-Tod bewahrt werden: Viel zu viele Blutvergiftungsopfer in Deutschland

08.09.2013

Experten sind besorgt über die hohe Zahl an Blutvergiftungsopfern in Deutschland. Nach Ansicht führender Ärzte könnten pro Jahr 15.000 bis 20.000 Menschen vor dem Tod durch Sepsis bewahrt werden, wenn Vorbeugung, Diagnose und Therapie den medizinischen Leitlinien folgen würden.

Bis zu 20.000 Opfer zu viel
In Deutschland sterben rund 60.000 Menschen jährlich an einer Sepsis, umgangssprachlich als Blutvergiftung bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine Entzündungsreaktion auf Bakterien und andere Krankheitserreger. Laut einem Papier, das dem Nachrichtenmagazin FOCUS vorliege, kritisieren führende Infektionsmediziner, dass es 15.000 bis 20.000 weniger Opfer sein könnten, wenn Vorbeugung, Diagnose und Therapie den medizinischen Leitlinien folgen würden.

Großer Teil der Schuld liegt im Medizinsystem
Konrad Reinhart, Leiter der Universitätsklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie in Jena und einer der Verfasser des Memorandums sagte gegenüber dem Magazin: „Die Zahl der Sepsisfälle nimmt in den Industriestaaten Jahr für Jahr um sieben bis acht Prozent zu.“ Dabei sei die Alterung der Gesellschaft nur einer der Gründe. Im Medizinsystem liege ein großer Teil der Schuld: „Zu wenige Menschen aus den Risikogruppen werden gegen gefährliche Erreger wie Pneumokokken geimpft. Zu selten achten Ärzte auf erste Symptome einer Entzündungsreaktion. Und schließlich verschärfen Mängel bei der Krankenhaushygiene das Problem“, so Reinhart.

An harmloser Verletzung verstorben
Am Montag soll das Papier auf der Fachkonferenz „Sepsis Summit Berlin“ vorgestellt werden und nach Reinharts Wunsch eine ähnliche Wirkung entfalten, wie eine Initiative im US-Bundesstaat New York. Dort hatte im April 2012 ein Vater, dessen Sohn nach einer harmlosen Sportverletzung an Sepsis verstorben war, so intensiv um eine Verschärfung der Vorschriften geworben, dass schließlich der dortige Gouverneur Andrew Cuomo tatsächlich die „Rory`s Regulations“ erließ. Darin sei unter anderem festgeschrieben, dass ein Patient spätestens eine Stunde nach einer Sepsis-Diagnose Antibiotika erhalten muss.

Sepsis ist lebensbedrohlich
Das wichtigste Symptom einer Sepsis besteht in hohem Fieber, das im Wechsel schnell ansteigt und innerhalb von 24 Stunden auf Normalwerte sinkt, von wo aus es wieder steigt, u.s.w.. Bei einer Blutvergiftung fühlt sich der Betroffene schwer krank, bei rascher Verschlechterung des Allgemeinzustands. Die Haut ist kalt, blass-grau bis bläulich und es kann zu Hautblutungen und weiteren Hauterscheinungen kommen. Eine Sepsis ist lebensbedrohlich und bedarf einer möglichst schnell eingeleiteten intensivmedizinischen Behandlung. Nach der Diagnose, die durch Untersuchung einer Blutkultur zur Erregerbestimmung erfolgt, besteht die Therapie aus einer hochdosierten Antibiotikagabe, Schockbehandlung und Behandlung der Gerinnungsstörung. Daneben werden Infusionen zum Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes gegeben und gegebenenfalls der Sepsisherd operativ entfernt. (ad)

Advertising

Lesen Sie zum Thema:
Sepsis-Opfer erkranken häufig im Krankenhaus

Bild: tokamuwi / pixelio.de