Sex kann Migräne-Beschwerden lindern

Sebastian

Sex als Methode zur Linderung von Kopfschmerzen und Migräne

14.03.2013

Wer ständig unter Cluster-Kopfschmerzen oder Migräne leidet, muss während eines Anfalls oft starke Schmerzmedikamente einnehmen. Eine aktuelle Studie ging der Frage nach, ob auch alternative Möglichkeiten existieren, um Schmerzen zu lindern. Eine einfache und effektive Methode sei Sex, wie Wissenschaftler nun herausfahnden. In Einzelfällen konnte nach Angaben der Heidelberger Forscher gute Ergebnisse erzielt werden.

Bei einer Migräne-Attacke verspüren Betroffene nicht nur Kopfschmerzen. Zusätzlich können sich Gesichtsschmerzen, Nackenschmerzen, Augenschmerzen, Lichtempfindlichkeit, Übelkeit und Erbrechen sowie Schwindel hinzugesellen. Weil diese Symptome bei Migräne weniger bekannt sind, wird die Erkrankung in vielen Fällen zu spät erkannt. Bislang fehlte es auch an effektiven Heilmethoden, um Cluster-Kopfschmerzen und Migräne nachhaltig zu lindern.

Therapie zu zweit oder alleine
Neurologen der Universität Münster sind während ihrer Studie auf eine durchaus lindernde und an sich einfach anzuwendende Methode gestoßen. „In Einzelfällen können sexuelle Aktivitäten Kopfschmerzen bei Migräne lindern“, lautet das Resümee dieser Studie. Dabei würde es „keine Rolle spielen, ob der Akt mit einem Partner vollzogen oder die Therapie durch Masturbation selbst durchgeführt werde“, wie die Wissenschaftler der Universität Münster in dem Wissenschaftsmagazin "Cephalalgia" (Kopfschmerz) berichten.

Nach Angaben der Studienautoren „verzichteten die meisten befragten Patienten mit Migräne bei Kopfschmerzen auf Sex“. Wer sich dennoch trotz Beschwerden auf Sexualität einlassen konnte, verspürte nach dem Akt häufig eine Linderung der Beschwerden. 60 Prozent sagten, ihnen ginge es danach viel besser, allerdings sagten auch 33 Prozent, sie hätten nach dem Sex sogar größere Schmerzen als zuvor gehabt.

Weniger Linderung bei Cluster-Kopfschmerzen
Bei Patienten, die unter den sogenannten Cluster-Kopfschmerzen litten, trat eine Verbesserung der Beschwerden in nur 37 Prozent der Fällen ein. Gut 50 Prozent der Cluster-Kopfschmerzpatienten sagte sogar, „mir ging es danach schlechter“. Zudem würden Männer anscheinend von der „Sex-Therapie“ mehr profitieren als Frauen. Hier zeigte sich im Studienverlauf eine höhere schmerzstillende Quote.

Die Forscher betonen jedoch, dass „die Aussagekraft der Studie begrenzt ist“. Zum einen wurde nur ein relative kleiner Patientenkreis von etwa 350 Teilnehmern befragt, die unter starken Migräne-Attacken litten. Zum anderen werden bei Fragebögen Antworten zum Thema Sex immer etwas beschönigt, wie die Wissenschaftler konstatieren. Das zeigten Erfahrungen aus voran gegangen Studien.

Frauen häufiger von Migräne-Attacken betroffen
Nach Angaben der Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) gehört die Migräne zu den häufigsten neurologischen Krankheiten. Nach Schätzungen der Experten leiden deutschlandweit rund 14 Prozent der Frauen und acht Prozent der Männer an Migräne. Eine erste Attacke erleben Frauen meist zwischen dem zwölften und sechzehnten Lebensjahr, Männer zwischen dem sechzehnten und zwanzigsten Lebensjahr.

Ging die Medizin noch vor einigen Jahren davon aus, dass Stress, Streit und Kummer Auslöser einer Migräne sein können, weiß man dass die Ursache genetisch bedingt ist. Vielmehr sind jedoch Stress und Streit Vorboten eine heran nahenden Migräne-Attacke, weil die meisten Patienten zunächst unter Konzentrationsschwierigkeiten, Gereiztheit, Müdigkeit und Nervosität leiden. Demnach ist der Stress ein Resultat der Erstsymptome. Die Forschung vermutet, dass Migräne-Attacken durch „Reizüberflutungen des Gehirns ausgelöst werden“. Diese Überflutung löst wiederum eine Entzündung der Gefäße nach sich.

In vielen Fällen konnte eine Umstellung der bisherigen Lebensgewohnheiten helfen, die Migräne-Attacken zu reduzieren. Gute Ergebnisse zeigten in Untersuchungen regelmäßiger Ausdauersport, Entspannungstechniken wie Autogenes Trainig oder Yoga sowie ein geregelter Tagesablauf mit genügend Ruhe- und Schlafphasen. (sb)

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