Sich unfair geben: Schon Babys verstehen, dass sich Dominanz besser auszahlt

Alfred Domke
Rabauken bekommen mehr im Leben: Dominanz zahlt sich aus – das verstehen schon Babys
Fair und gerecht zu sein gehört zu den Charaktereigenschaften, die von vielen Menschen mit am stärksten hochgelobt werden. Nur scheint man mit Fairness und Gerechtigkeit oft nicht weit zu kommen. Das verstehen sogar schon Babys: In einem Experiment zeigte sich, dass bereits die Kleinsten davon ausgehen, dass sich Dominanz auszahlt.

Manche haben mehr vom Leben
Den Parkplatz weggeschnappt, an der Kasse vorgedrängelt, am Buffet die begehrtesten Speisen genommen: Menschen, die sich dominanter verhalten, werden zwar von anderen oft schief angeguckt, doch sie bekommen häufig mehr vom Leben als Personen, die immer gerecht und fair sind. Selbst Babys verstehen dies schon, wie ein Experiment von Wissenschaftlern in den USA gezeigt hat.

Schon Babys verstehen, dass man mit Gerechtigkeit oft nicht so weit kommt. Wie sich in einem Experiment zeigte, erwarten bereits Kleinkinder, dass sich dominantes Verhalten auszahlt. (Bild: Elena Stepanova/fotolia.com)

Experiment mit Kleinkindern
Wer immer brav und zurückhaltend ist, hat offenbar weniger vom Leben. Schon Kleinkinder gehen davon aus, dass sozial dominante Personen anders behandelt werden.

Das hat ein US-amerikanisches Forscherteam in einem Experiment herausgefunden, über das sie in der Fachzeitschrift „Cognition“ berichten.

Mehr zum Thema:

Die Wissenschaftler haben dafür 80 Säuglinge beobachtet, die sich Videos mit Puppen ansehen mussten. Die 17 Monate alten Kinder saßen dabei auf dem Schoß ihrer Eltern.

Die Verhaltensforscher maßen, wie lange sich die Kleinen etwas ansahen.

Kinder erwarten Vorteile für dominanteres Verhalten
Zunächst konnten die Kleinen sehen, dass die Puppen jeweils glücklich auf einem lila und einem braunen Stuhl saßen, heißt es in einem Bericht des Magazins „New Scientist“. Es gab keine Konflikte.

Als den Puppen Lego-Stücke gegeben wurden, zeigten sich die Babys überrascht, dass manche mehr erhielten als andere. Die Kleinen sahen länger auf die Bildschirme.

Anschließend kämpften die Puppen, wobei die aggressivere gewann. Als die Puppen danach wieder Lego-Stücke bekamen, waren die Kleinkinder jedoch verwundert, dass der dominanter agierenden Puppe nicht mehr gegeben wurden.

Laut den Forschern schienen die Kleinen zu erwarten, dass die aggressiveren mehr erhalten.

„Sie sind auf das eingestellt, was sie beobachten – wer ist mächtiger oder kompetenter – und machen daraus weitere Vorhersagen“, sagte Teammitglied Hyo Gweon an der Stanford University in Kalifornien.

Warum die gerechte Verteilung nicht klappt
Eine der Studienautorinnen, Jessica Sommerville von der University of Washington, Seattle, meinte, „die Tatsache, dass Dominanz- und Ressourcenkonzepte so frühzeitig ausgerichtet und etabliert sind, Konsequenzen für größere gesellschaftliche Fragen haben“ könne.

Es könnte auch dazu beitragen zu erklären, warum Menschen die gerechte Verteilung von Ressourcen befürworten, dies aber meist nicht klappt und noch immer manche viel mehr haben als sie verdienen.

Alle getesteten Kinder waren aus den USA. Laura Van Berkel von der Universität zu Köln, fragt sich laut „New Scientist“, ob sich Kleinkinder aus mehr egalitären Ländern in gleicher Weise verhalten hätten. (ad)