Sicherheitsrisiko: Auto-Kindersitze können zu schweren Atembeschwerden bei Kindern führen

Kleine Kinder und Babys sollten niemals ohne einen Kindersitz im Auto transportiert werden. Mediziner stellten fest, dass die Unterbringung von Babys und Kleinkindern in Kindersitzen auf langen Fahrten zu Atembeschwerden führen und die auftretenden Vibrationen sich auf Herz- und Lungenfunktionen auswirken. (Bild: Superingo/fotolia.com)
Alexander Stindt
Lange Fahrten in Kindersitzen setzen Babys einer gesundheitlichen Gefahr aus
Neugeborene und Babys sollten im Auto immer in speziellen Kindersitzen transportiert werden, um mögliche Verletzungen bei Unfällen zu vermeiden. Forscher fanden aber heraus, dass Säuglinge unter Atembeschwerden leiden können, wenn sie einen längeren Zeitraum in solchen Sicherheitssitzen verbringen müssen.

Die Wissenschaftler der University of Bristol und der University of Southampton stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass das Unterbringen von Säuglingen in speziellen Kindersitzen über einen längeren Zeitraum zu Atembeschwerden führen kann. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnissen der Studie in der medizinischen Fachzeitschrift „BMJ“.

Kleine Kinder und Babys sollten niemals ohne einen Kindersitz im Auto transportiert werden. Mediziner stellten allerdings fest, dass die Unterbringung von Babys und Kleinkindern in Kindersitzen auf langen Fahrten zu Atembeschwerden führen kann und die auftretenden Vibrationen sich auf Herz- und Lungenfunktionen auswirken. (Bild: Superingo/fotolia.com)
Kleine Kinder und Babys sollten niemals ohne einen Kindersitz im Auto transportiert werden. Mediziner stellten allerdings fest, dass die Unterbringung von Babys und Kleinkindern in Kindersitzen auf langen Fahrten zu Atembeschwerden führen kann und die auftretenden Vibrationen sich auf Herz- und Lungenfunktionen auswirken. (Bild: Superingo/fotolia.com)

Studie untersucht Auswirkungen von langen Fahrten in Kindersitzen
Meist wird werdenden Eltern dazu geraten, dass sie sich frühzeitig einen Sicherheitssitz für Kinder anschaffen. Die neue Untersuchung ergab jetzt aber, dass die längere Unterbringung in Kindersitzen zu Änderungen der Herzfrequenz führen kann. Die aktuelle Studie bewertet als erste die Wirkung der Kindersitze auf Säuglinge und repliziert dabei den Winkel des Rücksitzes eines kleinen Familienautos, erklären die Autoren in einer Pressemitteilung der University of Bristol.

Experten entwickeln für die Studie einen Bewegungssimulator
Die Forscher entwickelten für ihre Studie einen Bewegungssimulator, welcher vertikale Vibrationen reproduzierte, die denen eines Autosicherheitssitzes in einer nach hinten gerichteten Position auf der Rückseite eines Autos gleichen. Dieser Simulator wurde von der Human Factors Research Unit am University of Southampton Institute of Sound and Vibration Research entwickelt, hergestellt und getestet. Die Simulation reproduziert die vertikalen Vibrationen von Reisen mit einer Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern auf einer geraden städtischen Straße, erläutern die Mediziner. Dabei gibt es weder Aktionen wie Bremsen, Beschleunigen oder das Fahren durch Schlaglöcher.

Test untersucht physiologische Auswirkung der Vibrationen auf den Körper von Säuglingen
Der Test zeigte die Auswirkungen von Vibrationen auf die Herz- und Lungenfunktionen der Babys. Dabei entdeckten die Forscher, dass normale Säuglinge und frühzeitig geborene Babys signifikante Anzeichen für potenziell negative kardiorespiratorische Effekte aufwiesen. Die Studie untersuchte als erste die physiologische Auswirkung der Vibrationen auf den Körper von Säuglingen in einem Autosicherheitssitz, sagt Professor Peter Fleming von der University of Bristol.

Autofahrt im Kindersitz erhöht bei Babys die Herz- und Atemfrequenz
Wenn Säuglinge in einer aufrechten 40 Grad Position den Vibrationen einer Autofahrt ausgesetzt werden, führt dies zu einer signifikanten Erhöhung der Herz- und Atemfrequenz, erläutern die Wissenschaftler. Zusätzlich entsteht noch eine verminderte Sauerstoffsättigung. Durch die Simulation der Bewegung konnte eine markante Zunahme von potenziell klinisch signifikanten Sauerstoffentsättigungen festgestellt werden, fügen die Experten hinzu.

Kindersitze sind keine geeigneter Schlafplatz für Säuglinge
Eltern sollten jetzt keineswegs aufhören, Kindersitze zu nutzen, denn Kleinkinder müssen dringend ausreichend gesichert transportiert werden, sagen die Experten. Allerdings sollten Eltern Autositze nicht als eine Schlafmöglichkeit der Babys verwenden.

Bewegungssimulator könnte zur Neugestaltung von Kindersitzen führen
Mehr Forschung ist dringend nötig, erklärt Professor Michael Griffin von der University of Southampton. Durch den Bewegungssimulator können die potenziellen Vorteile und Grenzen verschiedener Designs von Kindersitzen untersucht werden. Die Ergebnisse könnten dann zu einer Revision von aktuelle Empfehlungen über die Verwendung von Kindersitzen auf längeren Reisen führen, meinen die Forscher. Außerdem könnten die festgestellten Ergebnisse auch Auswirkungen auf die Neugestaltung von Autositzen für Neugeborene haben, fügt Prof. Griffin hinzu.

Weitere Forschung ist dringend nötig
Die neuen Befunde geben durchaus Anlass zu Besorgnis. Eltern sollten immer ein wachsames Auge auf ihre Säuglinge werfen, wenn diese längere Fahrten in einem Autositz machen, warnen die Wissenschaftler. Außerdem sollten Eltern auch keine langen Strecken ohne eingelegte Pausen fahren. Ausschlaggebend müsse trotzdem immer die Vermeidung der Verletzungsgefahr bei einem Verkehrsunfall sein. Kleinkinder und Babys dürfen daher niemals ohne Kindersitz im Auto transportiert werden, erläutern die Forscher. Weitere Forschung sei nun nötig, um zu herauszufinden, wie Kinder und Babys sicher und komfortabel in einem Kindersitz transportiert werden können. (as)

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