Silvester-Feuerwerk: Mediziner warnen vor Gefahren für Augen, Ohren und Hände

Alfred Domke

Gefahr durch Silvester-Feuerwerk: Oft werden Unbeteiligte verletzt

Feuerwerkskörper in der Silvesternacht sind laut, bunt und oft schön anzusehen. Bei unsachgemäßer Handhabung sind sie aber vor allem eines: gefährlich. Durch Raketen und Böller werden jedes Jahr zahlreiche Menschen verletzt, vor allem an den Augen, den Ohren und den Händen. Betroffen sind oft Unbeteiligte, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren.


Gefahren durch legale Feuerwerkskörper

Millionen Menschen in Deutschland werden in der Silvester-Nacht das neue Jahr wieder mit einem Feuerwerk begrüßen. Wie jedes Jahr warnen Mediziner zum Jahreswechsel vor den möglichen Verletzungen durch Böller und Raketen. Was viele nicht bedenken: Nicht nur selbst gebaute und nicht zugelassene Sprengkörper, sondern auch legale Knaller, stellen eine enorme Gefahr dar. So warnte eine bayerische Behörde kürzlich insbesondere vor dem Blitzknallkörper „Crazy Robots“, bei dessen Zündung in unmittelbarer Nähe Knalltraumata, Verbrennungen und im schlimmsten Fall der Verlust von Gliedmaßen zu befürchten sind.

Millionen Menschen in Deutschland werden in der Silvester-Nacht das neue Jahr wieder mit einem Feuerwerk begrüßen. Leider kommt es dabei immer wieder zu Verletzungen durch Böller und Raketen. Betroffen sind oft Unbeteiligte, die zur falschen Zeit am falschen Ort sind. (Bild: eyetronic/fotolia.com)

Vor allem Augen, Ohren und Hände durch Silvester-Feuerwerk gefährdet

An Silvester verletzen sich jedes Jahr zahlreiche Menschen durch Böller, Raketen und andere Artikel.

Dabei kommt es meist zu Verbrennungen an Händen und Gesicht, Verletzungen des Auges und der Augenlider, Gehörschäden und Knalltraumata, berichten Experten des Universitätsklinikums Freiburg in einer Mitteilung.

Die Mediziner der Klinik empfehlen daher große Vorsicht beim Abbrennen von Feuerwerkskörpern. Besonders schwere Verletzungen entstehen bei Sprengkörpern, die selbst hergestellt wurden oder keine offizielle Zulassung haben.

Vor allem in schwereren Fällen sollten die Betroffenen möglichst schnell die Notrufnummer 112 wählen oder direkt die Hilfe von Fachärzten in Anspruch nehmen.

Verletzungen der Augen

Bei Verletzungen an den Augen, seien es Verbrennungen oder Splitter, muss fast immer schnell gehandelt werden.

„Versuchen Sie auf keinen Fall, selbst etwas am Auge zu machen, sondern begeben Sie sich sofort in eine augenärztliche Notfallzentrale. Denn schon geringer äußerer Druck kann in dieser Situation ernsthaft schaden“, rät Prof. Dr. Thomas Reinhard, Ärztlicher Direktor der Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg.

„Auf keinen Fall sollten Betroffene erst ihren Rausch ausschlafen. Denn mit der Zeit sinken die Heilungsaussichten im Vergleich zu einer sofortigen Behandlung deutlich“, so der Mediziner.

Besonders fies: „Die meisten Menschen, die sich verletzen, haben überhaupt nicht aktiv „geböllert“. 75 Prozent, also drei von vier, sind Unbeteiligte!“, erklärt Prof. Petra Meier, Stellvertretende Direktorin der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) in einer Mitteilung.

Das sei nicht nur in Leipzig so, sondern bundesweit zu beobachten. „Diese Menschen waren sprichwörtlich zur falschen Zeit am falschen Ort. Das ist das Gemeine daran“, so die Augen-Expertin.

Ohrenschäden vorbeugen

Bei der Explosion eines Sprengkörpers wirkt eine kurze, extreme Belastung auf die Ohren. Auch wenn der Lärm nicht als unangenehm wahrgenommen wird, kann ein solches Knalltrauma dem Gehör dauerhaft schaden.

„Die Behandlungsmöglichkeiten bei Knalltraumata sind begrenzt. Deswegen sollten sich Teilnehmer eines Feuerwerks unbedingt durch Ohrstöpsel und ausreichenden Abstand schützen“, empfiehlt Prof. Dr. Dr. h.c. Mult. Roland Laszig, Ärztlicher Direktor der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg.

Sind Ohrgeräusche oder Hörminderung noch am nächsten Tag vorhanden, empfiehlt er einen HNO-Arzt aufzusuchen:

„Jedes Jahr erleiden etwa 8.000 Menschen in Deutschland an Silvester Schäden am Gehör. Die Symptome klingen zwar mit der Zeit oft wieder ab. Aber in vielen Fällen bleibt das Gehör für Monate, Jahre oder sogar ein ganzes Leben geschädigt.“

Auch das Risiko, einen chronischen Tinnitus zu entwickeln, steigt für jene, die einmal ein Knalltrauma erlitten haben. „Ein solches Ereignis ist eine der wenigen klaren Ursachen, die wir für chronischen Tinnitus kennen“, erläutert Dr. Daniela Ivanšić, Leiterin des Tinnitus-Zentrums der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Universitätsklinikum Jena (UKJ).

Verbrennungen und schwere Verletzungen

Insbesondere bei selbst gebauten oder nicht zugelassenen Artikeln kommt es an Silvester immer wieder zu Verbrennungen.

In leichteren Fällen können Wundsalben und Hausmittel gegen Verbrennungen zur Anwendung kommen. Dabei kommt etwa den Heilwirkungen der Aloe Vera eine bedeutende Rolle zu.

„Kühlen Sie größere Verbrennungen, aber versuchen Sie nicht, die Wunde zu reinigen oder Brandblasen zu öffnen. Das sollten Sie Spezialisten überlassen“, sagt Dr. Thorsten Hammer, Ärztlicher Leiter Chirurgie des Universitäts-Notfallzentrums am Universitätsklinikum Freiburg.

Auch zum Abriss oder Teilabriss von Fingern kommt es immer wieder. Selbst wenn diese wiederhergestellt werden können, lassen sich langfristige Einschränkungen beim Tasten, Greifen und Halten in vielen Fällen nicht verhindern, wie Prof. Dr. Björn Stark, Ärztlicher Direktor der Klinik für Plastische und Handchirurgie des Universitätsklinikums Freiburg, erklärt.

Gesundheitliche Risiken durch Rauch

Eine weitere gesundheitliche Gefahr, die vom Silvesterfeuerwerk ausgeht, ist der Rauch der durch die gezündeten Böller und Raketen verursacht wird. Die darin enthaltenen Feinstaubteilchen können beim Einatmen die Atemwege stark beeinträchtigen.

Dadurch kommt es zu Beschwerden wie Husten, Luftnot und Augenbrennen. Darüber hinaus kann auch das Herz-Kreislauf-System übermäßig belastet werden.

Besonders Lungenpatienten, die zum Beispiel an Asthma oder Raucherlunge leiden, sollten sich nicht direkt in den Rauch von Feuerwerkskörpern stellen. (ad)