Singen im Chor so gut wie Yoga

Fabian Peters

Synchroner Herzschlag bei Chorsängern

09.07.2013

Das Singen im Chor ist für seine positiven Effekte auf das Wohlbefinden der Chorsängerinnen und -sänger bekannt. Wie diese Zustande kommen hat nun ein schwedisches Forscherteam der Universität Gothenburg genauer untersucht und seine Ergebnisse in dem Fachmagazin „Frontiers in Neuroscience“ veröffentlicht. Das Chorsingen habe sowohl „eine subjektive als auch eine biologisch beruhigende Wirkung, und es ist gut für Herz-Kreislauf-Funktion“, so das Fazit der Forscher.

Auffällig war laut Aussage der schwedischen Wissenschaftler die Kupplung zwischen der Art des Gesangs und dem Effekt auf die Herz-Kreislauf-Funktion. Da in einem Chor alle Mitglieder mehr oder weniger im Einklang singen, werde ihre Herz-Aktivität im Gleichtakt beschleunigt oder gebremst. Welche „Implikationen bezüglich der Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die Gesundheit hiermit verbunden sind, sowie die Frage, wie diese innere Gleichtaktung die Wahrnehmung und das Verhalten der Chorsänger beeinflusst“, müsse nun im Rahmen weiterer Studien analysiert werden.

Kontrollierte, langsame Atmung mit Effekten auf die Herztätigkeit
Der Einfluss des Chorsingens auf die Herztätigkeit der Mitglieder ist laut Aussage der Forscher auf den Zusammenhang zwischen der Atmung und der Herzfrequenz (Respiratorische Sinusarrhythmie) zurückzuführen. Beim Singen erfolge eine kontrollierte, langsamere Atmung als normalerweise, wodurch auch die Herz-Aktivität entsprechend angepasst werde. Diesen Effekt beobachteten die Wissenschaftler im Rahmen ihrer Untersuchung bei einer Gruppe 18-Jähriger gemischten Geschlechts, wobei die Probanden zunächst aufgefordert wurden, einen einzigen Ton zu summen und zu atmen, wann immer sie Luft brauchen. Anschließend sollten sie ein Lied singen, ebenfalls mit freiem, ungelenkten Atmen. Zuletzt sangen sie ein Mantra, bei dem sie langsam und ausschließlich zwischen den Phrasen atmen konnten. Parallel zu dem Gesang erfolgte eine kontinuierliche Kontrolle der Herzfrequenz.

Chorsingen stärkt die Herz-Kreislauf-Funktion
Mit Hilfe ihrer Studie konnten die Forscher zeigen, wie die Struktur des Songs, die Atmung und die Herztätigkeit beeinflusst. Der beobachtete Effekt stimme mit den Erkenntnissen früherer Untersuchungen zu den Auswirkungen des Chorsingens auf die Muskulatur und die Nervenaktivitäten überein. Das Chorsingen habe aufgrund der langsameren, kontrollierten Atmung eine biologisch beruhigende Wirkung bei gleichzeitiger Stärkung der Herz-Kreislauf-Funktion. Hier liege ein Vergleich mit den Atemübungen des Yoga nahe. Der unisono Gesang im Chor habe den besonderen Effekt, dass er bei „regulären Songstrukturen die Herzen der Sänger gleichzeitig beschleunigen und abbremsen“ lasse.

Positiver Wirkung des Singens unterschätzt
Welche Wirkung das Chorsingen und die innere Gleichtaktung auf das Sozialverhalten der Chorsänger haben, ist nach Ansicht der schwedischen Wissenschaftler eine interessante Fragestellung für künftige Studien. Möglicherweise ließen sich durch das Singen im Chor positive Effekt im Sinne eines kooperativen Verhaltens erzielen. Der Gedanke liegt nahe, denn ohne Kooperation klappt im Chor wenig und auch bei anderen Anlässen wie beispielsweise Sportveranstaltungen ist gemeinschaftliches Singen durchaus Ausdruck eines gemeinsamen Willens. Entsprechende Verhaltensstudien könnten hier Klarheit schaffen. Insgesamt scheinen die positiven Effekte des Singens auf die Gesundheit aber auch das Sozialverhalten bislang vielfach unterschätzt. (fp)

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Bild: Burkard Vogt / pixelio.de