Skandal: Impfstoffe für Kinder gehen aus

Heilpraxisnet

Weil Arzneimittelhersteller mit der Produktion der Schweinegrippen-Impfstoffe ausgelastet sind, fehlen mindestens sieben Impfstoffe für Kinder

Weil die Arzneimittelhersteller mit der Produktion der Schweinegrippen-Impfstoffe ausgelastet sind, fehlen mindestens sieben Impfstoffe für Kinder. Mediziner sprechen in diesem Zusammenhang von einer ernsthaften Bedrohung und einem "handfesten Skandal".

Wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtet, wären die Kapazitäten der Arneimittelhersteller aufgrund der Produktion der "Schweinegrippen" Pandemie-Impfstoffe ausgelastet. Insgesamt fehlen sieben Impfstoffe und das schon seit Mitte Januar. Gegenüber "Spiegel Online" sagte Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), dieser Impfstoff-Engpass könne für Babys zu gravierenden und sogar tödlichen Folgen führen. In diesem Zusammenhang sprach Hartmann von einem Skandal. "Besonders gefährlich für Säuglinge sind HIB-Infektionen und Keuchhusten.", so Hartmann. Ohne Impfmaßnahmen ist Hib nach Ansicht von vielen Medizinern einer der gefährlichsten bakteriellen Erreger im Kindesalter. Meningitis (Hirnhaut-Entzündung) und Epiglottitis (Kehldeckelentzündung) sind die entsprechenden Krankheitsbilder bei Kleinkindern.

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Hartmann warnte eindringlich, denn in den Arzt-Praxen gebe es nur kleine Restbestände der Impfstoffe. Teilweise würden überhaupt keine Restbestände mehr vorhanden sein. Besonders scharf kritisierte Hartmann einen britischen Arzneimittelhersteller. "Die haben die Produktion des Schweinegrippe-Impfstoffs "Pandemrix" angenommen, weil damit viel Geld zu verdienen war und haben die Bedürfnisse von Kindern ganz hinten angestellt." Die Politik sei ebenfalls schuld, da sie sich auf einen einzigen Pharmahersteller bei der Produktion der Pandemie-Impfstoffe verlassen hätte.

Für den Verbandschef ist die derzeitige Situation außerordentlich inakzeptabel. "Wir können nicht akzeptieren, dass die Sicherheit der Kinder gefährdet wird, weil sich ein Pharmaunternehmen aus wirtschaftlichen Gründen für die Produktion lukrativerer Impfstoffe entscheidet." Bei einer gleich bleibenden Geburtenrate wäre die Kalkulation der Einlagerung von Impfstoffen einfach. Man wüsste schon vorher, wie viel Impfstoffe benötigt werden. Dies sollte über Lieferverträge gesichert sein, denn die Stoffe ließen sich für mehrere Jahre auch einlagern. Die Politik könne sich nicht einfach zurück legen und die Pharmaindustrie für diesen Umstand Hauptverantwortlich machen. Vielmehr sollte nach seiner Ansicht eine lückenlose Verfügbarkeit der wichtigen Impfstoffe für Kinder sicher gestellt sein.

Die Kritik gegen die Arzneimittelhersteller wegen des Fehlens der Impfstoffe weitet sich auch in der Medienlandschaft aus. Die Ausmalung von Horrorszenarien ist dabei keine Seltenheit. Aber es gibt auch Kritik an der generellen Praxis der Impfungen und den Zusatzmitteln in den Stoffen. Kritiker, vor allem aus der Naturheilkunde, fordern hier schon seit längerem, dass es mehr Transparenz und Aufklärung der Eltern in Bezug auf die Impfentscheidung geben solle. Diese Aspekte gehen leider in der momentanen recht aufgeregten Diskussion unter.
(sb und Thorsten Fischer, 08.02.2010)