Sklerosierende Cholangitis: Bislang unheilbare Lebererkrankung fortan therapierbar?

Fabian Peters
Wissenschaftler berichten über erste Therapieerfolge mit neuer Gallensäure
Die primär sklerosierende Cholangitis betrifft vor allem jüngere Menschen im Alter zwischen 30 und 40 Jahren und ist eine derzeit noch unheilbare Lebererkrankung. In einer aktuellen Europäischen multizentrischen Phase II-Studie unter der Leitung der MedUni Wien und in enger Kooperation mit der Medizinischen Universität Graz sowie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ist nun erstmals eine Heilung der Krankheit mit Hilfe einer synthetisch hergestellten Gallensäure (Wirkstoff nor-Ursodeoxycholsäure/Nor-Urso) gelungen.

Bislang blieb die primär sklerosierende Cholangitis eine der letzten großen „Black Boxes“ in der Hepatologie, „eines der letzten ungelösten Rätsel“, so Studienleiter Michael Trauner, Leiter der Klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie an der MedUni Wien in einer Pressemitteilung zu den Studienergebnissen. Sollte die Heilung auf Basis der künstlichen Gallensäure „Nor-Urso gelingen , wäre das ein bemerkenswerter Durchbruch in der Hepatologie“, betont Trauner. Ihre Ergebnisse haben die Forscher in dem Fachmagazin „Journal of Hepatology“ veröffentlicht.

Mit Hilfe synthetischer Gallensäure haben Wissenschaftler die primär sklerosierende Cholangitis – eine bislang unheilbare Lebererkrankung – erfolgreich therapiert. (Bild: magicmine/fotolia.com)

Unheilbare Lebererkrankung mit schlechter Prognose
Die aktuelle Studie basierte auf den Daten von 161 Patienten mit primär sklerosierender Cholangitis aus 45 Behandlungszentren in zwölf Ländern (Österreich, Deutschland, Belgien, Dänemark, Großbritannien, Ungarn, Litauen, Holland, Norwegen, Spanien, Finnland und Schweden). Bislang ist die Prognose bei der unheilbaren seltenen Lebererkrankung sehr schlecht, da sich im weiteren Verlauf eine Leberzirrhose und Gallengangskrebs entwickeln können. Gekennzeichnet ist die Erkrankung durch eine Störung der Galleproduktion und betroffen sind 0,01 Prozent der Bevölkerung, so die Mitteilung der MedUni Wien.

Deutliche Verbesserungen der Leberwerte
Die Wissenschaftler testen in ihrer aktuellen Studie den Einsatz synthetischer Gallensäure bei der Behandlung der primär sklerosierenden Cholangitis – mit Erfolg. „In allen getesteten Dosierungen gab es deutliche Verbesserungen der Leberwerte“, berichtet Studienleiter Trauner. Dies sei ein vielversprechendes Ergebnis. „Damit kann jetzt eine Phase III-Studie gestartet werden, die auch die Langzeitauswirkungen auf die Erkrankungsprogression untersucht“, so Trauner weiter.

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Synthetische Gallensäure klinisch effektiv, sicher und gut verträglich
In der Studie hat sich Nor-Urso laut Aussage der Forscher als klinisch effektiv, sicher und gut verträglich erwiesen. Die synthetische Gallensäure wirke direkt am Gallengang und spüle die Gallenwege durch eine Erhöhung des bikarbonatreichen Gallenflusses von Giftstoffen frei. „Der Wirkstoff kreist dabei zwischen Galle und Leber und wirkt genau dort, wo die entzündlichen Prozesse ablaufen, nämlich direkt im Gallengang“, betont der Studienleiter.

Phase III-Studie geplant
Nach Ansicht der Forscher lassen die aktuellen Ergebnisse darauf hoffen, dass Nor-Urso auch dazu beitragen kann, eine Leberfibrose zu stoppen und das Bindegewebe zu verbessern. Dies müsse nun in einer klinischen Phase III-Studie untersucht werden. Das wird rund drei Jahre dauern und bei positivem Ergebnis könnte in Zukunft eine Behandlung der bislang unheilbaren primär sklerosierenden Cholangitis mit der synthetischen Gallensäure erfolgen. (fp)