Skurriles Hilfsmittel: Gesundheitsgefahren durch Vaginasticks

Trend aus Asien: Vagina-Stick.
Sebastian
„Wie beim allerersten Mal“: Gynäkologin warnt vor „Vagina Sticks“
Wie wichtig Sexualität während der Partnerschaft ist und was für ein besseres Liebesleben gemacht werden kann, beschäftigt Frauen und Männer gleichermaßen. Manche setzen auf Hilfsmittel für einen (vermeintlichen) Lustgewinn. Ein neuer Trend sind hier „Vagina Sticks“, die „Verkehr wie beim allerersten Mal“ versprechen. Gesundheitsexperten zufolge sollten Frauen lieber die Finger davon lassen.

Frauen experimentierfreudiger
Wie das Sexleben qualitativer und besser werden kann, ist auch Teil wissenschaftlicher Untersuchungen. So zeigte etwa eine Studie im vergangenen Jahr, dass Frauen heute experimentierfreudiger und selbstbewusster sind und was sie dabei gerne tun. Noch nicht berücksichtigt wurde bei der damaligen Untersuchung ein Trend der sich erst seit relativ kurzer Zeit verbreitet: Sogenannte „Vagina Sticks“, die sich Frauen in die Scheide einführen und einen Lustgewinn bringen sollen. Gesundheitsexperten raten von solchen Stäben ab.

Trend aus Asien: Vagina-Stick.
Trend aus Asien: Vagina-Stick.

Angebliche Bereicherung des Sexlebens
Wie das Internetportal „watson.ch“ berichtet, wurden die zigarrenförmigen Stäbe angeblich in Japan erfunden, werden aber seit einiger Zeit auch im Westen immer populärer. Laut Herstellern werden solche Sticks bereits seit Jahrhunderten von Frauen in Asien, Arabien und Persien genutzt. Die Werbung verspricht eine Bereicherung des Sexlebens. Auf den Webseiten der Produzenten finden sich dann Formulierungen wie „So eng wie beim allerersten Mal“ oder „Er wird super erregt sein“. Manche sprechen gar vom „Jungfrau Effekt“. Um die 40 US-Dollar kostet so ein Stab und das Geschäft scheint gut zu laufen.

Kräuter und Extrakte aus Indonesien
Die Produkte, die unter anderem in Online-Shops angeboten werden, sollen angeblich eine Straffung des weiblichen Geschlechtsorgans herbeiführen. Dies passiere laut manchen Anbietern mit Hilfe einer einzigartigen „Kombination von indonesischen Kräutern und Extrakten“. Andere berichten, solche Sticks wurden weithin als Traditionelle indonesische Medizin verwendet. Laut dem Internetportal solle der Stab eine halbe oder eine Viertelstunde vor dem Sex eingeführt werden, Innerhalb von zwei Minuten stelle sich der gewünschte Effekt ein.

Verengende Wirkung der Scheide
Neben der verengenden Wirkung werde die Scheide – weil die Sticks ihr die natürliche Feuchtigkeit entziehen – zugleich „gereinigt“ und „revitalisiert“. Außerdem sollen die Stäbe auch vaginalen Ausfluss „reduzieren oder komplett eliminieren“. Selbst Menstruationsbeschwerden könnten dadurch gelindert werden. Zwar darf der Stick nicht während der Periode oder Schwangerschaft verwendet werden, bei Frauen nach der Schwangerschaft sei er jedoch laut Herstellern beliebt. Keinesfalls darf so ein Stab länger als zwei Minuten in der Scheide bleiben, da sie sonst zu sehr austrockne.

Verbreitung von Geschlechtskrankheiten
Für die Gynäkologin Dr. Jen Gunter sind solche Werbeversprechen ein Graus. Auf ihrem Blog warnt die kanadisch-amerikanische Medizinerin ausdrücklich vor den vermeintlichen „Wunderstäben“. Demnach begünstigen Methoden, die die Vagina trockener machen, die Verbreitung von Geschlechtskrankheiten – ganz abgesehen davon, dass sie Sex für die Frau schmerzhaft machten. „Im Lauf der Zeit erwischt die Schwerkraft uns alle auf irgendeine Art“, schreibt die Expertin laut „watson.ch“. Auch eine Vagina könne sich mit der Zeit etwas schlaffer anfühlen. Das sei jedoch kein Problem und vermindere das sexuelle Empfinden der Frau in keiner Weise.

Beckenbodentraining bei sexuellen Problemen
Wenn Frauen beim Sex Schwierigkeiten haben sollten, sei Beckenbodentraining die beste Therapie. Diese helfe zu einer besseren Kontrolle beim Geschlechtsverkehr und zu stärkeren Orgasmen. „Wenn der japanische Vaginalstab nur zwei Minuten lang eingeführt werden darf, dann beruht seine Wirkung ziemlich sicher auf dem ätzenden Effekt von Chemikalien“, so Gunter. Hersteller bewerben ihre Produkte jedoch unter anderem mit dem Hinweis auf die antibakterielle Wirkung der 100 % natürlichen, biologischen Inhaltsstoffe.

Gesunde Scheide reinigt sich selbst
Und zum vermeintlich reinigenden Effekt schreibt die Ärztin, dass das so sei, als würde man seine Hände immer wieder waschen, bis sie völlig ausgetrocknet, rissig und blutig wären, und das in nur zwei Minuten. „Eine gesunde Scheide ist perfekt in der Lage, sich selber sauber zu halten“, meint Gunter. Zu diesem Reinigungsprozess gehören auch Ausscheidungen. Zwar führe Trockenheit dazu, dass sich die Vagina enger anfühle, gesund sei dies aber mit Sicherheit nicht. „Scheiden sollten feucht und elastisch sein. Das macht einen Teil des Vergnügens aus“, so die Expertin. (ad)