Smartphones als Gesundheitskontrolleure

Fabian Peters

Zahlreiche medizinische Neuheiten werden auf der MEDICA präsentiert

16.11.2011

Smartphones, um die Gesundheit zu überwachen, abwischbare Ultraschallgeräte, Tinnitus-Therapie über Kopfhörer – all dies sind medizinische Neuheiten, die auf der seit heute laufenden weltgrößten Medizinermesse MEDICA in Düsseldorf vorgestellt werden.

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Bis Sonntag präsentieren knapp 4.500 Aussteller aus 110 Nationen auf der Medizinfachmesse revolutionäre Neuheiten aus dem Bereich der Medizin. Ganz vorne mit dabei ist der Einsatz des Smartphones zur Überwachung der Gesundheit. Aber in den Bereichen Elektromedizin, Labortechnik und Physiotherapie konnten auch zahlreiche andere Weltneuheiten vorgestellt werden.

Handy misst Blutdruck, Körpertemperatur und Blutzucker
Die Einsatzmöglichkeiten der Smartphones im Bereich der Gesundheit boomen, wobei das Spektrum von der Blutdruckmessung, über die Gewichts- oder Blutzuckerkontrolle bis hin zum Einsatz als Babyphone reicht. So hat zum Beispiel die Deutsche Telekom zur MEDICA 2011 in Kooperation mit Produktpartner Medisana Anwendungsmöglichkeiten der Smartphones vorgestellt, bei denen Patienten unterschiedlichste Körperparameter mit Hilfe ihres Handys selber erfassen, speichern und überwachen können. Hierfür wurden verschiedene Aufsteckmodule entwickelt, die eine Kontrolle des Blutzuckers, der Körpertemperatur oder des Blutdrucks ermöglichen. Die entsprechenden Apps werden kostenlos als Download zur Verfügung gestellt. Die Smartphones können die Daten auch direkt an den Arzt weiterleiten, so dass dieser stets über die Befindlichkeit seiner Patienten informiert ist. Eine weitere neue Anwendungsmöglichkeit der Smartphones ist die Früherkennung von Hautkrebs, bei der Ärzte einen Steckaufsatz mit Mikroskop nutzen, um Bilder von verdächtigen Muttermalen zu machen und diese anschließend auf einem Onlineportal hochzuladen, wo sie die Zweitmeinung von Ärztekollegen einholen können.

Smartphones beim Einsatz in der Medizin
Das vor kurzem beim Health2.0-Kongress in Berlin vorgestellte Smartphone-Babyphone ist hingegen fast schon wieder ein alter Hut. Auch der Einsatz von Smartphones zur Gewichtskontrolle beziehungsweise als Abnehmhilfe ist bereits seit längerem bekannt. Dabei sendet die Waage dem Handy beim Wiegen das aktuelle Gewicht und unterstützt die Motivation der Abnehmwilligen, so die Aussage der Erfinder. Doch obwohl Smartphones als Gesundheitskontrolleure in Krankenhäusern, Arztpraxen und beim Patienten zu Hause immer häufiger zum Einsatz kommen, können die mobilen Applikationen umfangreiche Klinikanalysen, eingehende ärztliche Untersuchungen und Laborauswertungen nicht ersetzten, so die Einschätzung der Experten. Auch seien Bedienungsfehler der Benutzer nicht auszuschließen, was für die Patienten bei ausschließlicher Kontrolle durch das Smartphone, erhebliche gesundheitliche Risiken mit sich bringen würde. Neben den auf der MEDICA vorgestellten Einsatzfeldern für Smartphones machte jüngst ein japanischer Erfinder von sich reden, der nach der Atomkatastrophe von Fukushima einen an Smartphones anschließbaren, preisgünstigen Geigerzähler entwickelt hat. Wie die Herstellerfirma Sanwa erklärte,werden dabei die Ergebnisse der Radioaktivitätsmessung direkt auf dem Display des Handys wiedergegeben. Mit Hilfe einer 14 Zentimeter langen und fünf Zentimeter breiten Sonde werde die Belastung erfasst und anschließend auf dem Smartphone dargestellt. Initiator der Entwicklung war der junge japanische Forscher Takuma Mori, der sich nach der Atomkatastrophe im März über die Preise der Geigerzähler ärgerte. Die noch verfügbaren Geräte sollten damals mindestens 60.000 Yen (570 Euro) kosten, wohingegen die Sonde für das Smartphone mit einem Kaufpreis von 9.800 Yen (95 Euro) ein wahres Schnäppchen wäre.

Neuartiger Tinnitus-Therapie mit Neurostimulator
Die Einsatzfelder der Smartphones sind jedoch keineswegs die einzigen medizinischen Neuheiten, die auf der Medizinfachmesse in Düsseldorf vorgestellt werden. Eine weitere Hightech-Entwicklung ist zum Beispiel ein etwa streichholzschachtel-großer Neurostimulator, welcher bei der Behandlung von Ohrensausen beziehungsweise Tinnitus helfen soll. Um das Summen, Piepsen und Rauschen im Ohr zu vermeiden, müssen die Patienten rund vier Stunden täglich das rund 2.700 Euro teure Gerät mit sich tragen, welches über Kopfhörer speziell vom Arzt programmierte Töne in das Hörzentrum sendet. Durch die eingespielten Töne soll das Gehirn der Tinnitus-Patienten den unangenehmen Dauerton verlernen, erklärte der Geschäftsführer der Herstellerfirma ANM (Troisdorf), Claus Martini, gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. Im Rahmen der Tests hatten durchschnittlich 75 Prozent der Tinnitus-Patienten nach der neuartigen, sechs- bis zwölfmonatigen Therapie keine Beschwerden mehr, so die Aussage von Claus Martini. Lediglich 20 bis 30 Prozent der Betroffenen hätten auf die Behandlung nicht angesprochen. Angesichts der Tatsache, dass bei Tinnitus-Patienten die Aussichten auf eine erfolgreiche Behandlung insgesamt eher durchwachsen sind, scheinen die Zahlen des Neurostimulators durchaus erfolgversprechend, was auch bei der Auszeichnung des neuartigen Geräts mit dem Deutschen Innovationspreis für Medizin eine wesentliche Rolle gespielt haben dürfte.

Ultraschallbilder in nie dagewesener Qualität
Einen weiteren Schwerpunkt bei den vorgestellten Neuheiten bilden die Entwicklungen im Bereich des Ultraschalls. So wurde nicht nur ein vollständig abwischbares Ultraschallgerät präsentiert, dass nach dem Einsatz bei Operationen leicht desinfiziert werden kann, sondern auch die Fortschritte bei der Qualität der Bilder aus dem Körperinneren konnten überzeugen. Schwangere haben heute die Möglichkeit, dreidimensionale Farbfotos vom ihren ungeborenen Kindern ausdrucken zu lassen, auf denen Hände, Füße und Gesichtszüge des Fötus so plastisch dargestellt werden, dass schon vor der Geburt Ähnlichkeiten mit Mama oder Papa festgestellt werden könnten, versprachen die Hersteller. Auf diesen besonders präzisen Bildern seien auch Fehlbildungen wie zum Beispiel Kiefer-Gaumen-Spalten schon früh zu erkennen. Der Nachteil dieser besonders genauen Ultraschalluntersuchung ist hingegen der Preis. Pro Untersuchung soll das heute schon in einigen Praxen im Einsatz befindliche Verfahren bis zu 250 Euro kosten.

Golfplatz-Rettungswagen: Leben retten, Rasengrün schonen
In den Bereich der etwas kuriosen Neuerung auf der Medizinfachmesse fällt der spezielle Notarztwagen für den Golfplatz. Das „RescuECar“ der Firma Lührs Rescue aus Münster ähnelt den auch im Normalbetrieb auf dem Golfplatz vorzufindenden Elektrofahrzeugen, ist jedoch mit einigen zusätzlichen Accessoires ausgestattet, um einen Krankentransport zu ermöglichen. Das 25.000 Euro teure Fahrzeug ist besonders schonend für den Rasen und ermöglicht den Notärzten ohne herkömmlichen Rettungswagen die hilfsbedürftigen Golfer direkt auf dem Platz einzusammeln. Wer denkt hierfür bestehe kein Bedarf, hat sich getäuscht. „Zuerst sind wir ausgelacht worden für unsere Entwicklungen“, doch für den Golfplatz-Rettungswagen hätten sich schon erste Interessenten aus dem Golf-Emirat Katar angemeldet, erklärte Firmenleiter Stefan Lührs. (fp)

Bild: Peter Strauch / pixelio.de